• 31.03.2026, 10:46:02
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Korosec, Gerstorfer, Kapitany und Breitwieser zum Thema Suizidprävention im Alter

Wenn das Leben leiser wird: Suizidgefahr im Alter erkennen und handeln

Wien (OTS) - 

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz am 31. März wiesen LAbg. Ingrid Korosec, Birgit Gerstorfer, MBA, Dr. Thomas Kapitany sowie Mag.ª Silvia Breitwieser darauf hin, dass Suizidprävention ein Thema von höchster gesellschaftlicher Relevanz – besonders in der Generation 65+ ist. Um auf die spezifischen Herausforderungen aufmerksam zu machen, wurden Lösungswege aufgezeigt.

Statement von LAbg. Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates:

„Die Zahlen sind alarmierend. 2023 nahmen sich in Österreich 1.212 Menschen das Leben – die Hälfte davon über 60 Jahre alt. Besonders gefährdet sind ältere Männer. Die Ursachen: Übergang in den Ruhestand, der als Verlust von Struktur, Sinn und sozialer Anerkennung erlebt wird, dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu sein. Oder: Erkrankungen, chronische Schmerzen, eingeschränkte Mobilität, Verlust von Partner und/oder Freundinnen und Freunden, Einsamkeit.

Die Folge: Depression und/oder Angstzustände.

Wichtig für Menschen im Umfeld ist, Warnsignale für Lebensmüdigkeit zu erkennen: Verhaltensänderungen wie Rückzug und Abschottung. Besonders bei Männern kann die Verzweiflung auch in aggressives Verhalten münden.

Es gilt: Hinschauen, nicht wegschauen! Aktives, aber sensibles und behutsames Thematisieren ist gefragt. Mit der Botschaft, dass es nicht um persönliches Versagen geht. Das Angebot an Unterstützung durch Hinhören, Zuhören, Gespräche - und den Hinweis auf Beratungsstellen. Österreichweit gibt es viele: die Telefonseelsorge (142), den Ärztenotruf (141) und die Rettung (144). Dazu spezialisierte Stellen wie das Kriseninterventionszentrum in Wien und psychosoziale Dienste in den Bundesländern. Psychische Probleme sind kein Grund für Scham, sondern einer, sich Hilfe zu suchen!“

Statement von Birgit Gerstorfer, MBA, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates

„Als Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs ist mir die Suizidprävention im Alter ein zentrales Anliegen. Besonders ältere Menschen leiden oft unter Einsamkeit, gesundheitlichen Einschränkungen, unerwarteten medizinischen Diagnosen oder dem Verlust nahestehender Personen. Diese Belastungen sind für die Betroffenen oft alleine nicht mehr bewältigbar. Dann muss ein starkes soziales Netz da sein, das hinsieht, auffängt, zuhört und unterstützt.

Wir müssen Alterseinsamkeit verhindern, indem wir aktiv Räume der Begegnung schaffen, in denen sich Menschen austauschen und Gemeinschaft erleben können. Ebenso wichtig ist ein niederschwelliger und flächendeckender Zugang zu psychosozialer Beratung und professioneller Hilfe, auch anonym. Niemand darf sich scheuen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen – und niemand darf damit allein gelassen werden.

Ein Altern in Würde bedeutet auch, Lebensfreude, Sinn und Teilhabe zu erleben. Dazu gehört, ältere Menschen ernst zu nehmen, ihre Erfahrungen wertzuschätzen und sie aktiv in die Gesellschaft einzubinden. Suizidprävention beginnt mit Aufmerksamkeit, Respekt und Mitmenschlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass ältere Menschen Hoffnung, Halt und Perspektiven finden.

Statement von Prim. Dr. Thomas Kapitany, Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des Kriseninterventionszentrums Wien

„In Österreich sterben jährlich rund 1.200 Menschen durch Suizid, knapp die Hälfte dieser Personen war zum Zeitpunkt ihres Todes über 60 Jahre alt. Das Suizidrisiko verdoppelt sich bei den Senioren und steigt mit höherem Alter an. Auch wenn viele Menschen in dieser Altersgruppe ein glückliches und zufriedenes Leben führen, gibt es vulnerable Gruppen im Alter, auf die wir achten müssen.

Im Alter verändert sich die Lebenssituation und es kommt häufiger zu Verlusterfahrungen. Der Übergang in den Ruhestand, schmerzliche Verluste nahestehender Menschen, Krankheit, Einschränkungen von Mobilität und anderer Fähigkeiten sind Beispiele. Dazu kommt, dass auch Depressionen bei Menschen über 65 häufig vorkommen, dabei aber oft unerkannt bleiben.

Zunehmende soziale Isolation und Einsamkeit, Angst vor der Abhängigkeit von anderen und Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht können zur Entwicklung von Suizidgedanken und -absichten führen. Entscheidend ist, dass Betroffene Hilfe erhalten, sowie Gesprächsangebote und Verständnis finden.

Das Kriseninterventionszentrum in Wien ist eine Anlaufstelle bei persönlichen Krisen, Lebensüberdruss und Suizidgefährdung und hilft am Telefon (01/406 95 95), online (www.kriseninterventionszentrum.at/emailberatung), und bietet persönliche Gespräche und Krisenbetreuung vor Ort - auch anonym.

Bewusstsein für das erhöhte Risiko für Krisen und Suizidalität bei alternden Menschen zu schaffen, ist ein dringliches Anliegen. Suizidpräventives Handeln muss umfassend in unserer Gesellschaft gestärkt werden. Die Broschüre des Kriseninterventionszentrums zeigt sowohl für Betroffene als auch deren Angehörige und professionelle Helfer in der Altenbetreuung leicht verständlich Risiken und Warnsignale auf, und stellt Hilfsmöglichkeiten vor. Dank der Unterstützung des Seniorenrats und der Telefonseelsorge wurde die Broschüre aktualisiert und ist österreichweit verfügbar.“

Statement von Mag.ª Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ

„Älter werden bedeutet viele Verlusterfahrungen: Geliebte Menschen sterben, der Körper verliert an Vitalität, der Geist wird langsamer. Die Erwerbsarbeit ist Vergangenheit, die Mobilität zunehmend eingeschränkt. Das soziale Netz wird durchlässig. Eine leistbare Pflege erscheint für viele fraglich. Groß ist die Angst davor, nicht mehr selbstbestimmt handeln zu können. Hinzukommen manch unerfüllte Lebenspläne sowie existenzielle Fragen am Lebensende.

Das kann zu Einsamkeit, Traurigkeit, Wut, Angst, Wertlosigkeit und in letzter Konsequenz zu dem Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, führen.

Über die große Ausweglosigkeit und Verzweiflung zu sprechen, ist ein erster wichtiger Schritt. Denn eine Kontaktaufnahme mit der TelefonSeelsorge steht meistens ein Stück im Widerspruch zur Selbsttötungsabsicht. Suizidgedanken können offen thematisiert werden. Die Mitarbeiter:innen stellen ausreichend Zeit zur Verfügung, hören zu und vermitteln den Ratsuchenden haltgebende, akzeptierende und unerschütterliche Zugewandtheit sowie das Gefühl, mit ihren Problemen nicht allein zu sein.

Der vertrauliche Charakter des Notrufdienstes 142 macht es möglich, dass Menschen über ihre Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit reden, die sonst aus Scham oder Angst vor Unverständnis nicht angesprochen werden, obwohl sie den Betroffenen große Probleme bereiten.

Die Beratungsangebote der TelefonSeelsorge sind vertraulich, kostenlos, ohne Terminvereinbarung und aus den eigenen vier Wänden zu erreichen: unter der Telefonnummer 142 täglich rund um die Uhr, im Chat täglich von 16.00 bis 23.00 Uhr (www.onlineberatung-telefonseelsorge.at).“


Die Broschüre „Ich will so nicht mehr weiterleben! – Die Herausforderungen des Älterwerdens meistern“ steht unter: https://kriseninterventionszentrum.at/aktuelles-uebersicht/downloads/ zum Herunterladen bereit, oder kann in Papierform per E-Mail an [email protected] bestellt werden.

Rückfragen & Kontakt

Österreichischer Seniorenrat
Mag. Wolfgang Braumandl
Telefon: +43/1/892 34 65
E-Mail: [email protected]
Web: www.seniorenrat.at

Kriseninterventionszentrum
Prim. Dr. Thomas Kapitany
Telefon: +43/1/406 95 95 DW 20
E-Mail: [email protected]
Web: www.kriseninterventionszentrum.at

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