- 30.03.2026, 09:00:41
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Wiener Wundbericht: Netzwerk stärkt Versorgung
Im aktuellen Gesundheitsbericht der strategischen Gesundheitsversorgung der Stadt Wien erfolgt eine Bestandsaufnahme der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden in Wien. Der multidisziplinär verfasste Bericht stützt sich auf verschiedene Quellen und Methoden: neben Ergebnissen der wissenschaftlichen Literatur wurden auf Basis verfügbarer Daten auch eigene Analysen durchgeführt. Das Kernstück bilden jedoch Interviews mit Professionist*innen unterschiedlicher Gesundheitsberufe sowie mit direkt betroffenen Patient*innen. Die Ableitung von Handlungsempfehlungen fand unter wissenschaftlicher Begleitung und Moderation in Workshops mit Mediziner*innen, Pflegekräften sowie Vertreter*innen aus Sozialversicherung, Forschung und Stadtverwaltung statt. Die teilnehmenden Fachexpert*innen sind Mitglieder des „Wiener Wundnetzes“, eines Netzwerkes, das eine flächendeckende Vernetzung spezialisierter Wundzentren und Ambulanzen mit zahlreichen Primärversorgungseinheiten (PVE), der medizinischen Hauskrankenpflege und der Gesundheitspolitik ermöglicht. Begleitend wurde eine Informationsbroschüre für Behandler*innen im niedergelassenen Bereich erstellt – sie gibt Empfehlungen zur Wundversorgung, einen kompakten Überblick über bestehende Angebote und soll eine zielgerichtete Zuweisung von Patient*innen ermöglichen.
Der „Wiener Wundbericht“ zeigt auf, dass chronische Wunden weit verbreitet sind und eine oft unterschätzte Erkrankung mit zahlreichen physischen, psychischen und auch sozialen Folgen. Dazu zählen Schmerzen und eingeschränkte Mobilität, aber auch soziale Isolation, Schamgefühle und eine verringerte Lebensqualität der Betroffenen. Die Ursache für die Entstehung chronischer Wunden sind meist Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder Venenerkrankungen, demnach müssen Prävention und multikausale Therapie im Zentrum der Versorgung stehen. Die Versorgung von Wunden verlagert sich zunehmend vom stationären in den ambulanten (oder spitalsambulanten) Bereich, jedoch sind die Amputationszahlen aufgrund von Komplikationen bei langandauernden Wunderkrankungen bisher nicht gesunken.
„Chronische Wunden erfordern eine strukturierte, multidisziplinäre Versorgung und klare Zuweisungspfade – insbesondere im zunehmend ambulanten Setting“, erklärt Dr. Alexander Pötscher, Mitglied des Wiener Wundnetzes. „Trotz hoher Expertise der einzelnen Berufsgruppen gilt es, Prozesse weiter zu standardisieren und die Zusammenarbeit an den Schnittstellen konsequent zu stärken. Durch eine koordinierte Netzwerkarbeit können Komplikationen reduziert und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessert werden.“
Das Wiener Wundnetz wird im Rahmen der Wiener Landeszielsteuerung umgesetzt. Es ist eine gemeinsame Errungenschaft von ÖGK, SVS, BVAEB und KFA mit dem Wiener Gesundheitsfonds. Aus Sicht der ÖGK stellt das Wundnetzwerk ein erfolgreiches Modell für eine abgestufte Versorgung dar und zeigt außerordentlich gut, wie multidisziplinäre Zusammenarbeit über verschiedene Versorgungsstufen und Berufsgruppen hinweg gelingen kann. Regelmäßige Netzwerktreffen, kontinuierlicher Austausch und das Verständnis für die jeweiligen Arbeitsrealitäten stärken das Miteinander und rücken das gemeinsame Ziel einer qualitativ hochwertigen Patient*innenversorgung in den Mittelpunkt.
Die anfänglich höheren Kosten durch die neu geschaffenen extramuralen Wundzentren können langfristig durch ein schnelleres Abheilen chronischer Wunden, eine damit verbundene geringere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen sowie den wirtschaftlich sinnvollen Einsatz von Verbandstoffen kompensiert werden.
Agnes Streissler-Führer, Vorsitzende des Landesstellenausschusses der ÖGK, betont: „Das Wiener Wundnetz bedeutet für Patientinnen und Patienten einen spürbaren Gewinn an Lebensqualität durch eine fachgerechte und kontinuierliche medizinische Versorgung, klare Zuständigkeiten sowie gut funktionierende Übergänge zwischen den Versorgungsebenen.“
Aus den Gesprächen und Workshops mit Betroffenen und dem Gesundheitsfachpersonal haben sich konkrete Handlungsempfehlungen ergeben. Sie fokussieren auf klare Zuweisungspfade und die verbesserte Zusammenarbeit an den Schnittstellen. Weitere entscheidende Faktoren sind die Stärkung der Gesundheitskompetenz, niedrigschwellige Informationsangebote (mehrsprachig, barrierefrei) und einheitliche Qualitätsstandards. Die Orientierung im Gesundheitssystem soll für Patient*innen verbessert werden. Eine weitere essenzielle Maßnahme ist die Verbesserung der Datengrundlage zu chronischen Wunden. Es fehlen verlässliche Prävalenzzahlen sowie ein zentrales Wundregister, wodurch die Planung von Angeboten und die Evaluation dieser erschwert wird. Ebenso weist der Gesundheitsbericht auf die Notwendigkeit von psychosozialer Begleitung und Peer-Angeboten für einen nachhaltigen Behandlungserfolg hin.
„Ich begrüße ausdrücklich, dass sich seit der Erstellung des Berichts bereits eine erste, an die Wiener Gesundheitsförderung (WiG) angebundene Selbsthilfegruppe konstituiert hat“, ergänzt Stadtrat Peter Hacker. „Der Wiener Wundbericht zeigt klar: Wir haben mit dem Wiener Wundnetz eine wichtige Grundlage geschaffen. Jetzt geht es darum, diese Arbeit dauerhaft abzusichern, Zugänge zu den Angeboten zu vereinfachen und Prozesse zu standardisieren. Nur so können wir Leid verringern und unnötige Amputationen vermeiden. Ich danke den Teilnehmer*innen des Wiener Wundnetzes, der wissenschaftlichen Begleitung und dem Team der strategischen Gesundheitsversorgung der Stadt Wien für die effiziente Zusammenarbeit. Durch den Beitrag aller Beteiligten entstand aus unterschiedlichen Blickwinkeln diese wertvolle Analyse der Wundversorgung in Wien.“
Wiener Wundbericht kostenlos downloaden unter:
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Hannah Smole, BA MA
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