- 26.03.2026, 10:06:33
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Aus Hamerlingpark wird Lore-Segal-Park
Der nach einem Antisemiten benannte Hamerlingpark erhält einen neuen Namen: er wird künftig nach der jüdischen Schriftstellerin Lore Segal benannt. Das hat die Bezirksvertretung Josefstadt am 25. März 2026 mit Stimmen von Grünen, SPÖ, ÖVP, Neos und KPÖ mehrheitlich beschlossen. Damit findet ein mehrjähriger Diskussionsprozess in der Josefstadt ein positives Ende.
Bezirksvorsteher Martin Fabisch ist erfreut über die Umbenennung: “Mit dem Lore-Segal-Park ehren wir eine jüdische Schriftstellerin, auf die die Josefstadt stolz sein kann – und lösen uns gleichzeitig vom Namen eines Antisemiten und Frauenfeinds. Dass Lore Segal als Kind selbst in diesem Park gespielt und von den Nazis vertrieben wurde, verleiht der Umbenennung zusätzliche Bedeutung.”
Lena Köhler, Bezirksvorsteher-Stellvertreterin, betont: “Ein Autor, der für Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit steht, hat in der Josefstadt keinen Platz. Mit der Benennung nach Lore Segal würdigen wir die Leistungen einer jüdischen Josefstädterin – und benennen den Park zugleich nach einer Frau, die bei der Benennung von Orts- und Straßennamen in Wien immer noch unterrepräsentiert sind.”
Der Antrag wird nun an den Wiener Gemeinderat weitergeleitet, wo die endgültige Umbenennung im Kulturausschuss beschlossen wird.
Robert Hamerling: Antisemit und Frauenfeind
Robert Hamerling war ein Schriftsteller, dessen Texte von antisemitischen Stereotypen durchzogen sind. So bezog er sich immer wieder auf eine “Judennase” oder einen “Judengeruch”. In seiner Lyrik trat er vehement für die nationale Einigung aller Deutschen ein und verstärkte mit seinen Schriften den Antisemitismus in Österreich, welcher letztendlich zum Holocaust führte. Zusätzlich sind seine Texte stark frauenfeindlich. 2021 stufte eine Historiker*innen-Kommission alle nach Hamerling benannten Plätze als “Fälle mit Diskussionbedarf” ein.
Das Leben der Lore Segal
Lore Segal wurde am 9. März 1928 geboren und wuchs in der Josefstadt auf, wo sie die Schulen in der Pfeilgasse, Lerchengasse und Albertgasse besuchte. Als junges Mädchen spielte sie beinahe täglich im Hamerlingpark – bis die Nationalsozialisten ihr und anderen jüdischen Kindern verboten, den Park zu betreten. Nach dem „Anschluss“ Österreichs verlor ihr Vater seinen Arbeitsplatz und die Familie wurde von der Gestapo aus der Wohnung in der Josefstädter Straße geworfen.
1938 konnte Segal mit dem ersten Kindertransport nach Großbritannien fliehen und so der Vernichtung entkommen. Als zehnjähriges Mädchen kam sie bei Pflegeeltern in Liverpool unter, später studierte sie in London Englische Literatur und schloss mit Auszeichnung ab. Ihre Eltern konnten aus Österreich fliehen, doch die meisten ihrer Verwandten wurden im Holocaust ermordet.
Als junge Erwachsene zog Segal nach New York, wo sie für die renommierte Zeitschrift „The New Yorker“ schrieb und zahlreiche Romane veröffentlichte. Ihre Werke erhielten vielfache Auszeichnungen, für die Kurzgeschichtensammlung „Shakespeare’s Kitchen“ wurde sie 2008 für den Pulitzerpreis nominiert. Das Bezirksmuseum Josefstadt widmete ihr 2024/25 eine eigene Ausstellung unter dem Titel „Ich wollte Wien liebhaben, habe mich aber nicht getraut”, an deren Eröffnung sie noch per Liveschaltung teilnahm. Am 7. Oktober 2024 verstarb Lore Segal im Alter von 96 Jahren in New York.
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