- 25.03.2026, 10:23:32
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Großer Umfrage-Check von Caritas und Volkshilfe zeigt: Kürzungen kommen uns morgen teuer zu stehen
Befragung von 590 Fachkräften bestätigt, dass Kürzungen der Sozialleistungen zu Notlagen, Versorgungslücken und Folgekosten führen können
Mit der heute präsentierten Befragung von Praktiker*innen im Sozialbereich widmen sich Caritas und Volkshilfe der sozialen Lage in Österreich und analysieren die Folgen von Einsparungen für hre Klient:innen, die häufig zu besonders vulnerablen Gruppen gehören. Der aktuelle Praxis-Check unter 590 Praktiker*innen im Sozialbereich zeigt ein alarmierendes Bild: Vier von fünf Befragten (79,9 %) gehen davon aus, dass ihr Arbeitsbereich von Kürzungen betroffen ist oder sein wird. Mehr als ein Drittel (37,5 %) hat bereits konkrete Informationen über Einsparungen, weitere 42,4 Prozent befürchten, dass es so weit kommt. Aus Sicht der Praxis treffen die Kürzungen also jene besonders hart, die ohnehin ein erhöhtes Armutsrisiko tragen. 92,1 Prozent gehen davon aus, dass bereits erreichte Fortschritte von Klient*innen – etwa beim selbstständigen Wohnen, Integration oder anderen Aspekten zur Stabilisierung – wieder verloren gehen könnten. Die Praktiker*innen sehen an erster Stelle Kinder, Jugendliche und Familien (66,3 %), gefolgt von Menschen im Asylverfahren oder mit Schutzstatus (42 %).
„Unsere Umfrage zeigt: Die Kürzungen treffen genau jene, die am wenigsten Spielraum haben. Gleichzeitig wird bei den Angeboten gespart, die sie stützen. Das ist weder verantwortungsvoll noch vorausschauend. Not und Armut verschwinden nicht, nur weil die Budgets dafür gestrichen werden. Sie wird größer, komplexer und teurer. Die Regierung verschiebt Probleme, statt sie zu lösen. Das ist sozialpolitisch und ökonomisch falsch. Deshalb sagen wir klar: Hören wir auf, bei den Ärmsten zu sparen. Prüfen wir jede Budgetmaßnahme darauf, wen sie trifft. Wir brauchen einen Armuts-Check. Der Staat muss jene schützen, die besonderen Schutz brauchen. Und sorgen wir mit einer echten Reform der Sozialhilfe dafür, dass Menschen von ihr leben können, statt in Existenzangst zu bleiben“
, sagt Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich.
Der Druck auf das Sozialsystem wächst
Aus Sicht der befragten Praktiker*innen werden Kürzungen im Sozialbereich die Lebenslagen vieler Klient*innen spürbar verschlechtern. Kürzungen verschärfen Notlagen und verursachen Folgekosten. Die Konsequenzen sind gravierend: 59,8 Prozent der Befragten erwarten steigende psychische und gesundheitliche Belastungen, 53,1 Prozent zunehmende Verschuldung und 52,2 Prozent wachsende Probleme bei grundlegenden Bedürfnissen wie Lebensmitteln. Fast die Hälfte rechnet mit mehr Wohnungs- und Obdachlosigkeit.
Besonders kritisch: 97 Prozent der Praktiker*innen gehen davon aus, dass künftig mehr Menschen keine passende Unterstützungsstelle mehr finden werden. Gleichzeitig rechnen 86,4 Prozent damit, dass sich Probleme in andere Bereiche wie das Gesundheits- oder Bildungssystem verlagern, in denen bereits jetzt viele Herausforderungen bestehen.
„Wenn im Sozialbereich weiterhin stark gekürzt wird, trifft das Kinder nicht irgendwann – es trifft sie sofort. Weniger Unterstützung heißt mehr Druck im Alltag auf die Familien und auf vulnerable Gruppen. Wenn die Politik bei Kindern und Jugendlichen spart, spart sie an der Zukunft der nächsten Generationen. Das rächt sich gesellschaftlich doppelt“
, warnt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich. Die Ergebnisse zeigen klar: Kürzungen im Sozialbereich verschärfen bestehende Ungleichheiten, destabilisieren Lebenslagen und führen langfristig nicht zu Einsparungen, sondern zu höheren Kosten in anderen Bereichen. „Das ist sozial ungerecht und es ist kurzsichtig. Den Preis zahlen wir morgen, in Form von höheren Gesundheits- und Sozialausgaben, weil sich psychische Belastungen und Bildungsungleichheit heute verstärken“, sagt Fenninger.
Der gemeinsame Appell der Organisationen lautet, den Sozialbereich gezielt zu stärken, anstatt ihn weiter auszuhöhlen. Konkret fordern Caritas und Volkshilfe einen verpflichtenden Armuts-Check fürs Budget, der den Sparstift nicht bei den ohnehin vulnerablen Gruppen ansetzt. Der Staat muss hier seine Verantwortung wahrnehmen und Existenz sichern, statt Existenzangst zu stärken.
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Volkshilfe Österreich
Ulrike Schöflinger
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