- 19.03.2026, 08:50:02
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Migräne-Checkliste hilft: erst die Diagnose, dann die wirksame Therapie
Warum der Weg zum Neurologen* entscheidend ist und wie eine Migräne-Checkliste bei der ersten Einschätzung unterstützen kann
Migräne ist eine ernstzunehmende, quälende neurologische Erkrankung, die medizinisch behandelt werden sollte. Bleibt sie unbehandelt, kann sie sich zu einem chronischen Problem entwickeln und das Leben der Betroffenen und deren Angehörigen schwer beeinträchtigen.
Migräne ist heute sehr gut behandelbar. Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist aber eine gesicherte Diagnose, die am besten durch einen Neurologen gestellt werden kann. Denn dann, und nur dann, können moderne hochwirksamen Medikamente zur Attacken-Vorbeugung verschrieben werden.
Doch handelt es sich bei starkem Kopfschmerz immer um Migräne? Eine Checkliste hilft bei der Selbsteinschätzung, ob eine Migräne vorliegen kann und das Aufsuchen eines Facharztes somit dringend angeraten ist.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf eine gendergerechte Schreibweise verzichtet.
Migräne – quälende Erkrankung, die viele trifft
12-13% der Bevölkerung leiden weltweit daran, also eine knappe Milliarde Menschen. In Österreich wird die Lebensqualität von über einer Million Menschen durch immer wiederkehrende Migräne-Attacken stark in Mitleidenschaft gezogen. Frauen sind häufiger davon betroffen als Männer. Auch wenn die „Volkskrankheit“ Migräne somit im Schnitt jeden Achten betrifft, ist Außenstehenden oft nicht klar, wie quälend und das gesamte Leben einschränkend diese neurologische Erkrankung sein kann.
„Richtig schlimm ...“
„Migräne-Attacken können richtig schlimm sein: Schier unerträgliche Kopfschmerzen, häufig gepaart mit Übelkeit und Erbrechen – die Beschwerden sind oftmals so massiv, dass die Betroffenen überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen können. Egal ob Arbeit, familiäre Aufgaben, Verabredungen mit Freunden – alles muss abgesagt werden. Man möchte nur mehr liegen und das am besten in einer vollkommen reizarmen Umgebung, wie einem abgedunkelten, ruhigen Raum. Ein Zustand, der von einigen Stunden bis zu drei Tagen andauern kann“, verdeutlicht der Migränespezialist Dr. Manfred Eder, niedergelassener Neurologe in Groß-Enzersdorf.
Aufklärungs- und Informationsbedarf nach wie vor groß
Doch nicht nur im sozialen Umfeld, sondern auch bei vielen Menschen, die selbst an Migräne leiden, besteht nach wie vor großer Informationsbedarf, weiß Dr. Eder aus der Praxis. „Migräne wird von Außenstehenden leider oft nicht ernstgenommen und in der Folge auch von Betroffenen, vor allem wenn sie sehr leistungsorientiert sind, häufig bagatellisiert. Das ist ein weit verbreitetes Problem. Statt einen Arzt zu konsultieren, wird dann versucht, die Schmerz-Attacken mittels Eigenmedikation in den Griff zu bekommen. Dadurch gerät man aber in Gefahr, einen sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu entwickeln. Darüber hinaus kann die Erkrankung, so sie unbehandelt bleibt, fortschreiten und chronisch werden. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss: durch eine möglichst frühzeitige Diagnose und eine gezielte, wirksame Therapie“, wie Neurologe Eder betont.
Migräne ist heute besser behandelbar denn je
„Sowohl bei der Behandlung einer Migräne-Attacke als auch zur Vorbeugung, also um die Häufigkeit und Heftigkeit der Anfälle zu reduzieren, haben wir heute verschiedene hochwirksame Medikamente zur Hand. Vor allem auf dem Gebiet der Vorbeugung, also der Prophylaxe, hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan. Ab vier Migräne-Tagen pro Monat können Medikamente zur Migräne-Prophylaxe verschrieben werden.“
Moderne Antikörper-Therapien, die heute bei der Migräne-Prophylaxe zum Einsatz kommen, sind nicht nur sehr wirksam und nebenwirkungsarm, sie müssen auch nicht täglich angewendet werden wie früher verordnete Medikamente. Je nach Präparat werden sie entweder nur mehr viermal pro Jahr als Migräne-Infusion, die ca. 30 Minuten dauert, vom Arzt verabreicht, oder die Betroffenen nutzen einen Fertigpen, mit dem sie sich einmal monatlich eine Dosis selbst spritzen oder vierteljährlich die dreifache Dosis in Form von drei Fertigpens hintereinander.
Ohne gesicherte Diagnose keine modernen Medikamente
Aber dass es heute so viele hochwirksame Möglichkeiten gibt – sowohl für die Prophylaxe als auch die Akuttherapie –, müssen Betroffene erst einmal wissen. Und auch, dass sie diese Medikamente nur dann erhalten können, wenn zuvor durch den Facharzt für Neurologie die gesicherte Diagnose Migräne gestellt wurde.
Eder: „Die erstmalige Verschreibung dieser Medikamente muss durch den Facharzt erfolgen, die nachfolgenden Verschreibungen kann der Hausarzt vornehmen.“
Ist Kopfschmerz gleich Kopfschmerz?
Aber wie weiß man nun, ob man eine Migräne hat und daher zum Arzt gehen sollte?
Das Leitsymptom einer Migräne sind Kopfschmerzen, und diese unterscheiden sich in Charakter und Ausprägung von anderen Kopfschmerzen wie z.B. dem Spannungskopfschmerz. Typisch für Migräne ist das anfallsartige Auftreten von starken, meist einseitigen, pochenden, pulsierenden oder stechend-bohrenden Kopfschmerzen.
Migräne-Spezialist Eder: „Typischerweise baut sich der Migräne-Kopfschmerz innerhalb von Minuten, manchmal aus dem Schlaf heraus, auf. Intensität und Lokalisation des Schmerzes sind von Person zu Person unterschiedlich und können von Attacke zu Attacke verschieden ausgeprägt sein. Bei einigen pocht der Schmerz beispielsweise im Stirn- oder Schläfenbereich, bei anderen ist es ein stechender Schmerz hinter den Augen.“
Auch wenn die quälenden Kopfschmerzen meist nur einseitig auftreten, können sie sich auch über den gesamten Kopf erstrecken, führt Eder weiter aus. Ein weiteres Charakteristikum: Migräne-Kopfschmerz verschlimmert sich durch körperliche Aktivität.
Zusätzlich kommen bei Migräne meist noch weitere, belastende Symptome hinzu. Dazu zählen Übelkeit bis zum Erbrechen, Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit.
Die Migräne-Checkliste:
die wichtigsten Migräne-Symptome im Überblick
Folgende Migräne-Checkliste ermöglicht Betroffenen eine erste Einschätzung, ob bei ihnen eine Migräne vorliegen könnte.
- pulsierende, pochende oder stechend-bohrende Kopfschmerzen
- meist einseitig auftretender Schmerz (aber nicht immer!)
- Schmerz verschlimmert sich schon bei geringer körperlicher Belastung, z.B. Stiegen steigen
- starke bis sehr starke Schmerzintensität
- Übelkeit bis hin zum Erbrechen
- Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
- Gibt es Migräne in der Familie? Die Neigung zu Migräne kann vererbt werden.
Symptome einer Migräne mit Aura
Migräne-Attacken können von vorübergehenden Sehstörungen und neurologischen Ausfällen angekündigt werden (meist 5 bis 60 Minuten dauernd vor Auftreten des Kopfschmerzes). Man spricht von einer Aura. Dabei können visuelle, sensorische und sprachliche Veränderungen auftreten.
Sehstörungen
- Flimmern
- Gesichtsfeldausfälle (Sehkraft lässt innerhalb eines Teiles des Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
- farbige, blendende Kreise, Vierecke oder Zickzacklinien (die sich immer weiter ausbreiten)
- Lichtblitze
Diese Symptome treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder zu sind, und vergehen zumeist innerhalb einer Stunde.
Gefühlsstörungen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl beginnt zumeist in den Händen und kann sich auf Arme und Gesicht ausbreiten
Sprachstörungen
- verwaschene Aussprache
- Wortfindungsstörungen
Sehr selten, aber doch: Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen
Tipp des Neurologen
„Wenn jemand Symptome, die in der Checkliste angeführt sind, bei sich bemerkt, sollte er keine Zeit verlieren und umgehend am besten einen auf Migräne spezialisierten Neurologen zur Abklärung auf das Vorliegen von Migräne aufsuchen.“ Denn dieser wird nicht nur die Diagnose frühzeitig stellen, sondern ist auch bezüglich der Behandlung am neuesten Stand der Wissenschaft.
Eder empfiehlt abschließend: „Beginnen Sie gleich auch einen Kopfschmerzkalender über mindestens vier Wochen zu führen, um Schmerztyp, Dauer, Auslöser und eingenommene Medikamente zu dokumentieren. Das hilft dem Arzt bei der Diagnose sehr, und er kann Ihnen umso schneller die geeignete Therapie zukommen lassen.“
Mit freundlicher Unterstützung der Lundbeck Austria GmbH
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