- 18.03.2026, 09:48:02
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ÖIF-Integrationsbarometer 2025: VfGH-Rüge, Volksanwaltschaft ohne Zuständigkeit, kein parlamentarisches Interpellationsrecht
Entsprechende parlamentarische Initiativen wurden bislang vertagt.
Eine Pressekonferenz letzte Woche im Grünen Klub hat die Debatte um den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und das Integrationsbarometer 2025 erneut auf die politische Agenda gesetzt. Im Zentrum steht eine dokumentierte Entwicklung, die von verfassungsrechtlicher Kritik über parlamentarische Initiativen bis hin zu aktuellen Vertagungen reicht.
Politische Debatte rückt ÖIF erneut in den Fokus
VfGH rügte den ÖIF, die Volksanwaltschaft sieht sich nicht zuständig; SPÖ und NEOS, heute in der Regierung, forderten in der Opposition Kontrolle des ÖIF. Die gleiche Forderung der Grünen nach parlamentarischem Interpellationsrecht wird nun von der ÖVP-SPÖ-NEOS-Regierung vertagt.
Dieser Zustand wurde nach wiederholter Kritik seit dem 18. Dezember 2025 durch die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) zunehmend dokumentiert und zuletzt im Rahmen einer Pressekonferenz im Grünen Klub vor internationaler Presse deutlich aufgezeigt.
Public Watchdogs: Zivilgesellschaft und Journalist:innen als demokratische Kontrollinstanzen im öffentlichen Interesse
Vor diesem Hintergrund wurde die zivilgesellschaftliche Organisation Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) nunmehr mit rechtlichen Schritten durch den Österreichischen Integrationsfonds konfrontiert, im Zusammenhang mit der kritischen Verwendung eines Hyperlinks zum Integrationsbarometer 2025 auf ihren Webseiten, das vom Österreichischen Integrationsfonds selbst veröffentlicht und öffentlich zugänglich ist.
Die eingeleiteten rechtlichen Schritte stehen im Kontext einer öffentlichen Debatte und werden auch im Hinblick auf mögliche SLAPP-ähnliche Strukturen sowie einen potenziellen „chilling effect“ auf zivilgesellschaftliche Beteiligung diskutiert. Damit liegt der Ball nun beim Parlament – insbesondere im Interesse der Zivilgesellschaft und von Journalist:innen, die als „public watchdogs“ eine wesentliche Rolle für demokratische Kontrolle und öffentliche Debatten spielen
Kritik am Integrationsbarometer 2025 bleibt unbeantwortet
Im Zentrum der aktuellen Debatte steht dabei nicht nur die Frage der Kontrolle, sondern auch der Umgang des Österreichischen Integrationsfonds mit Kritik am „Integrationsbarometer 2025“. Trotz wiederholter Vorwürfe der Stigmatisierung und des kulturellen Rassismus aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft blieb eine klare Reaktion oder Korrektur bislang aus. Vor diesem Hintergrund wird auch thematisiert, dass Kritik teilweise unbeantwortet blieb und stattdessen rechtliche Schritte, darunter anwaltliche Schreiben, gesetzt wurden.
Verfassungsgerichtshof rügte bereits 2012 die Konstruktion des ÖIF
Bereits am 12. Dezember 2012 stellte der Verfassungsgerichtshof (G 75/12) fest, dass der ÖIF hoheitlich tätig ist, der notwendige Weisungszusammenhang jedoch fehlte – das Gesetz musste angepasst werden. Die Frage der demokratischen Kontrolle blieb jedoch offen.
https://www.parlament.gv.at/dokument/XXV/I/650/fnameorig_421358.html
Parlamentarische Initiativen aus der Opposition
In der Folge brachten SPÖ und NEOS in der Opposition wiederholt parlamentarische Initiativen ein.
Mai 2022 (SPÖ-Antrag 2509/A): Forderung nach Verfassungsänderung zur Unterstellung des ÖIF unter parlamentarische Kontrolle
https://www.parlament.gv.at/aktuelles/pk/jahr_2022/pk0543
Dezember 2023 (SPÖ-Anfrage 17419/J): umfassende Fragen zu Weisungen, Budget, Studien und Struktur des ÖIF
https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVII/J/17419/fnameorig_1605580.html
Regierung sieht keine politische Kontrollzuständigkeit
September 2023 (Antwort 14954/AB): Die zuständige Ministerin erklärte, dass ausgegliederte Einrichtungen wie der ÖIF nicht der politischen Kontrolle gemäß Art. 52 B-VG unterliegen
https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVII/AB/14954/imfname_1581174.pdf
Regierungswechsel und neue politische Konstellation
Mit dem Regierungswechsel im März 2025 (ÖVP, SPÖ, NEOS) änderte sich die politische Konstellation.
Grüne fordern Interpellationsrecht – Antrag vertagt
Am 11. Dezember 2025 brachten die Grünen in der Opposition einen Antrag zur Ausweitung des parlamentarischen Interpellationsrechts auf den ÖIF ein (648/A):
https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/A/648
Laut einer schriftlichen Bestätigung der Grünen-Abgeordneten Sigi Maurer vom 6. März 2026 wurde dieser Antrag jedoch von den Regierungsfraktionen ÖVP, SPÖ und NEOS vertagt.
Volksanwaltschaft bestätigt fehlende Zuständigkeit
Parallel dazu bestätigte die Volksanwaltschaft am 23. Februar 2026, dass sie für den ÖIF nicht zuständig ist:
https://www.turkischegemeinde.at/volksanwaltschaft-bestaetigt-kontrollluecke-beim-integrationsfonds-staatlicher-name-staatliche-mittel-aber-keine-missstandskontrolle/
Eine strukturelle Kontrolllücke bleibt bestehen
Damit ergibt sich eine Konstellation, in der weder Volksanwaltschaft noch parlamentarisches Interpellationsrecht wirksam greifen.
Zentrale Frage der aktuellen Debatte
Wie wird eine Einrichtung kontrolliert, die staatliche Mittel verwendet und öffentliche Wirkung entfaltet, aber außerhalb klassischer Kontrollmechanismen steht?
Weiterlesen – detailliert: Türkische Allgemeine
https://www.tuerkische-allgemeine.de/2026/03/15/bestaetigt-staatsgeld-und-staatsname-aber-keine-demokratische-kontrolle-ueber-den-oeif-und-sein-integrationsbarometer-2025-moeglich/
Rückfragen & Kontakt
Türkische Allgemeine
Mag. Andreas Günes
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.tuerkische-allgemeine.de
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