- 03.03.2026, 11:08:32
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Unterstützung für BM Wiederkehr – ExpertInnen für eigenes Unterrichtsfach Medienbildung
„Medienbildung ist immer auch Demokratiebildung“
Die Vorschläge zur Lehrplanänderungen haben in den vergangenen Wochen für intensive und teils sehr emotionale Debatten gesorgt. Besonders die mögliche Einschränkung des Unterrichtsfachs Latein hat die Gemüter bewegt. Im Zentrum der Diskussion steht jedoch vor allem die geplante Einführung von Medienbildung als eigenständigem Fach an den AHS. Um die Auseinandersetzung auf eine sachliche Ebene zu heben, hat sich nun die „Initiative Medienbildung. Jetzt“ formiert. Ihre Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen sehen in den Vorschlägen des Bildungsministeriums durchaus viel Positives.
Keine Nebensache
"Medien sind für Menschen keine Nebensache, denn Menschen können sich mit sich selbst und mit anderen nur mit Medien verständigen. Das fängt mit Gebärden an und geht über die gesprochene Sprache bis zu Handynachrichten. Medien sind für Bildung unverzichtbar“, erklärt Christian Swertz, Universitätsprofessor für Medienpädagogik. „Mit einem eigenen Unterrichtsfach wird es endlich möglich, verschiedene Mediensprachen wie die Filmsprache oder die Social-Media-Sprache zu vermitteln. Damit können die Souveräne der Demokratie lernen, wie sie in Wirtschaft, Staat, Freundeskreis und Familie frei, solidarisch und selbstständig handeln können“, so der Experte.
Demokratiestärkend
Unterstützt wird die Initiative auch von Kenan Güngör. Er ist Soziologe und Berater für migrationsgeprägten gesellschaftlichen Wandel: „Mit der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz stehen wir vor einem technologischen Umbruch historischen Ausmaßes – mit großen Chancen und erheblichen Risiken. Dieser Wandel wird auch die Schule grundlegend verändern. Entscheidend ist daher nicht, ob wir diese Entwicklung wollen, sondern ob wir sie demokratiestärkend gestalten.“ Für ihn sind heute digitale Räume zentrale Sozialisationsorte – und zugleich auch Treiber von Polarisierung. „Auch unter Jugendlichen zeigen sich verstärkt abwertende, autoritäre und identitär zugespitzte Haltungen. In migrationsgeprägten Gesellschaften verschärfen unterschiedliche normative Orientierungen diese Dynamiken. Algorithmen belohnen Empörung und moralische Eindeutigkeit – nicht Differenzierung. Die humanistische Bildung wie auch die systematische Auseinandersetzung mit Medienlogiken, KI und demokratischer Verantwortung ist für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft unverzichtbar. Deshalb sollte Medien- und Demokratiebildung integraler Bestandteil der schulischen Bildung sein. Es braucht kritische KI- und Algorithmuskompetenz, die Förderung von Ambiguitätstoleranz und demokratischer Urteilskraft sowie eine reflektierte Verknüpfung digitaler und analoger Erfahrungsräume.“
Digitale Mündigkeit
„Medienkompetenz bedeutet mehr als technische Fertigkeiten. Sie umfasst Selbstwahrnehmung im digitalen Raum, den reflektierten Umgang mit Vergleich und Selbstdarstellung, das Erkennen manipulativer Inhalte und algorithmischer Verstärkungsmechanismen, die Fähigkeit zur Grenzsetzung sowie die emotionale Einordnung digitaler Erfahrungen“, erklärt Béa Pall, Psychotherapeutin und Präsidiumsmitglied des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP). „Medienbildung ist daher immer auch Demokratiebildung. Ein zu früher, unreflektierter Eintritt in soziale Medien kann demokratische Entwicklungsprozesse gefährden, wenn emotionale Zuspitzung, Schwarz-Weiß-Denken und algorithmische Verstärkung unkritisch übernommen werden.“ Aus diesem Grund fordert die Expertin u. a. begleitende Maßnahmen wie die verbindliche Verankerung von Medien- und Demokratiebildung in allen Schulstufen, eine qualitätsgesicherte Elternbildung, den Ausbau der psychosozialen Versorgung für Kinder und eine klare gesetzliche Verantwortung der Plattformbetreiber.
Eigenständige Fertigkeit
Für Alexander Zach, Unternehmer und Koordinator der Initiative, ist Medienbildung kein „Nebenbei“ und keine Querschnittsmaterie. Man kann Medienbildung nicht mitlernen, so wie man Fremdsprachen nicht mitlernen kann. „Medienkompetenz ist eine eigenständige Fertigkeit – auf Augenhöhe mit einer Fremdsprache oder Naturwissenschaften. Denn damit eine Kompetenz zentral ist, braucht sie Raum, Systematik und Verbindlichkeit.“ Im Namen der Initiative fordert er:
- Ein eigenes Schulfach “Medienbildung und Demokratie” mit klarem Fokus auf (soziale) Medien, psychische Gesundheit, Radikalisierung und Desinformation von Jugendlichen
- Pädagoginnen und Pädagogen gezielt ausbilden, damit Medienbildung und Demokratie von Beginn an umfassend unterrichtet wird
- Mehr Medienbildungsstunden einführen und Medienkompetenz in allen anderen Unterrichtsgegenständen fördern
- Medien und Demokratie ab der Sekundarstufe I verankern, damit sich alle Kinder und Jugendlichen bereits ab der Mittelschule oder dem Gymnasium intensiv mit Demokratie auseinandersetzen
- Echte Mitbestimmung in der Schule ausbauen, weil erlebte Beteiligung Demokratieverständnis, Selbstwirksamkeit und Verantwortungsbewusstsein stärkt
- Medienkompetenz als Schutzfaktor gegen problematische Nutzung und als Handlungsfaktor für souveränes Medienhandeln
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