- 01.01.2026, 10:00:32
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Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2025 an Oliver Jens Schmitt
Oliver Jens Schmitt wird für sein Werk „Moskaus westliche Rivalen“ ausgezeichnet – Preis für publizistisches Gesamtwerk geht an Monika Helfer und Michael Köhlmeier
Der traditionsreiche Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch wird heuer zum 33. Mal vom Karl-Renner-Institut in Zusammenarbeit mit dem SPÖ-Parlamentsklub und der sozialdemokratischen Bildungsorganisation verliehen. Der Hauptpreis des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch 2025 geht an Oliver Jens Schmitt für sein herausragendes Werk „Moskaus westliche Rivalen. Eine europäische Geschichte vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer“ (Klett-Cotta, 2025). Der Preis für das publizistische Gesamtwerk wird an Monika Helfer und Michael Köhlmeier vergeben. Der Anerkennungspreis geht an den Schriftsteller Martin Prinz. Die Historiker:innen Johann Dvořák, Sabine Lichtenberger und Brigitte Pellar werden mit dem Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ ausgezeichnet und der Preis für besondere verlegerische Leistungen geht an den Verlag Jung und Jung. Die Preisverleihungen finden im ersten Halbjahr 2026 in Wien statt. ****
Hauptpreis für das politische Buch 2025 an Oliver Jens Schmitt
Zum Hauptpreis: „Europa muss seine Gesellschaften technologisch wie mental widerstandsfähig machen“, so beschreibt Oliver Jens Schmitt die geopolitische Lage unseres Kontinents. Mit „Moskaus westliche Rivalen“ (Klett-Cotta, 2025) legt der Osteuropa-Historiker eine Studie vor, die 800 Jahre europäische Geschichte umfasst – von der Kyjiver Rus bis zum gegenwärtigen Krieg gegen die Ukraine. Alte Rivalitäten, Narrative und Ängste werden wieder sichtbar. Schmitts Analyse verläuft dabei nicht wie gewohnt von West nach Ost, sondern von Nord nach Süd: vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer, von der Arktis über die Ostsee bis zu den ukrainischen Steppen. Der Autor zeigt, dass die Ursachen für Konflikte zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn in unterschiedlichen politischen Kulturen wurzeln. In den Nachbarstaaten Russlands entwickelten sich früh Formen institutionalisierter Teilhabe, die die Macht des Herrschers begrenzten und ein Verständnis von Recht und Freiheit förderten. In Russland hingegen prägt eine autokratische Tradition das politische Selbstverständnis; historische Erfahrungen mit parlamentarischer Mitbestimmung und eine Verfassungstradition sind kaum vorhanden. Daher kann Wladimir Putin in seinem Narrativ über den Ukraine-Krieg an traditionelle imperialistisch-kriegerische Legitimationen anknüpfen.
Bemerkenswert detailreich und verständlich macht das Buch historische und ideengeschichtliche Linien sichtbar. Schmitts Analyse schärft unser Verständnis der gegenwärtigen Konflikte und eröffnet neue Einsichten in Europas geopolitische Herausforderungen.
Preis für das publizistische Gesamtwerk geht an Monika Helfer und Michael Köhlmeier
Der Bruno-Kreisky-Preis für das publizistische Gesamtwerk wird in diesem Jahr an Monika Helfer und Michael Köhlmeier verliehen, zwei der wichtigsten literarischen Stimmen Österreichs. Monika Helfer hat ein reiches OEuvre aus Romanen, Erzählungen und Kinderbüchern geschaffen und gehört zu den bedeutendsten Autor:innen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet und für wichtige Literaturpreise nominiert.
Michael Köhlmeier zählt zu den prägenden Erzählern seiner Generation; seine Arbeit umfasst Romane, zahlreiche erzählerische Nacherzählungen klassischer Mythen und einen breiten publizistischen Beitrag zur Vermittlung von Kultur und Geschichte.
Gemeinsam als durch ihr Leben und Schreiben verbundenes Künstlerpaar vereinen sie Einfühlungsvermögen und erzählerische Kraft. Die Vielfalt ihres Schaffens wirkt literarisch prägend und weit über die Literatur hinaus in gesellschaftliche und kulturelle Debatten. Ihre Stimmen stehen für eine gelebte Verbindung von persönlicher Reflexion und öffentlicher Verantwortung – ein Gesamtwerk, das in Sprache und Wirkmacht den humanistischen und demokratischen Diskurs nachhaltig prägt.
Anerkennungspreis an Martin Prinz
Der Anerkennungspreis geht heuer an Martin Prinz für seinen Roman „Die letzten Tage“ (Jung und Jung, 2025). Die Eskalation der Gewalt am Ende des Zweiten Weltkriegs nahm unvorstellbare Ausmaße an: Todesmärsche von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter:innen durchzogen Österreich, willkürliche Standgerichte wüteten noch im Angesicht der völligen Niederlage des NS-Regimes. Der österreichische Autor Martin Prinz richtet mit seinem Roman den Fokus auf ein solches Endphasenverbrechen der Nazis im April 1945. Johannes Braun, seines Zeichens NS-Kreisleiter im niederösterreichischen Neunkirchen, errichtet auf seiner Flucht vor der Roten Armee in Schwarzau im Gebirge sein höchstpersönliches Mordregime. Martin Prinz erzählt in nüchternem Ton, nach umfassendem Studium der Akten und Protokolle, eine wahre Geschichte des Monströsen und des menschlichen Abgrunds. Gerade weil der Erzählduktus kühl und sachlich gehalten wird, schafft Prinz mit diesem Roman ein Werk, das aufrüttelt und die Öffentlichkeit wachhält – im Sinne einer aufklärenden und nachhaltigen Gedenkarbeit, wider das Verdrängen und Vergessen.
Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ an Johann Dvořák, Sabine Lichtenberger und Brigitte Pellar
Der Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ geht an Johann Dvořák, Sabine Lichtenberger und Brigitte Pellar für ihr umfassendes Werk „Richard Robert Wagner. Gewerkschaft, Bildung und die politische Kultur der Moderne in Wien“ (Böhlau, 2025). Die drei Historiker:innen legen mit einer kommentierten zweibändigen Werkauswahl Richard Robert Wagners einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Wiener Moderne vor. Wagner war ein austromarxistischer Journalist, Gewerkschafter und Literat, der Zeit seines Lebens um die Demokratisierung von Staat und Gesellschaft kämpfte. Diese könne nur durch eine demokratisierte Menschenbildung gelingen. Mit diesem Buchprojekt werden erstmals verschüttete und auch verdrängte Theorieansätze zur Bildungstätigkeit der österreichischen Arbeiter:innenbewegung freigelegt. Leben und Werk dieses großen Volksbildners kann viel Erhellendes zu aktuellen Auseinandersetzungen um Demokratie und Emanzipation beitragen.
Preis für besondere verlegerische Leistungen an Jung und Jung
Der Sonderpreis für besondere verlegerische Leistungen geht an den Verlag Jung und Jung. Der Verlag widmet sich deutschsprachiger Gegenwartsliteratur — mit einem klaren Schwerpunkt auf österreichische und junge Autor:innen. Konsequent setzt er auf literarische Qualität, programmatische Klarheit und gesellschaftliche Relevanz. Das Verlagsprogramm vereint deutschsprachige Gegenwartsliteratur mit Essays, Lyrik, Übersetzungen und historisch wie politisch reflektierten Texten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur literarischen und öffentlichen Debatte. Jung und Jung begleitet Autorinnen und Autoren langfristig und bringt Werke hervor, die vielfach ausgezeichnet wurden und nachhaltige Wirkung entfalten. In einer von ökonomischem Druck geprägten Buchlandschaft behauptet der Verlag ein eigenständiges Profil und steht für verantwortungsbewusstes, kontinuierliches und kulturpolitisch relevantes Verlegen. (Schluss) bj
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