• 27.11.2025, 13:33:32
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Gesundheits-Staatssekretärin Königsberger-Ludwig: „Gewalt hat immer tiefgreifende gesundheitliche Auswirkungen!“

Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem – 14 Millionen Euro jährlich für öffentliche, akute medizinische Behandlung. Prävention als Schlüssel im Nationalen Aktionsplan.

Wien (OTS) - 

„Gewalt hat immer tiefgreifende gesundheitliche Auswirkungen, weil sie sowohl körperlicher als auch psychischer Natur ist. Und: Gewalt ist niemals privat, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem“, betont Gesundheits-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig anlässlich der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“.

Gewalt verletzt grundlegende Menschenrechte. Dennoch erlebt in Österreich jede dritte Frau körperliche und/oder sexualisierte Gewalt. Prellungen, Frakturen und Wunden führen zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen und langfristig können chronische Schmerzen, Beschwerden des Bewegungsapparates und gynäkologische Folgeprobleme auftreten. Bei sexueller Gewalt besteht zudem ein erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Infektionen sowie ungewollte Schwangerschaften.
Allein die Kosten für akute medizinische Behandlungen für Gewaltopfer werden in Österreich jährlich auf rund 14 Millionen Euro geschätzt – Kosten für Langzeitfolgen sind darin nicht enthalten.

Neben körperlichen Verletzungen verursacht Gewalt aber auch erhebliche psychische Belastungen und Depressionen. „Gewalterfahrungen sind ein wesentlicher Risikofaktor für psychische Erkrankungen“, so Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig.

Das Gesundheitssystem als Schlüsselakteur

„Das Gesundheitssystem spielt eine zentrale Rolle – bei Prävention, Erkennung, Versorgung und Dokumentation von Gewalt an Frauen. Oft ist es die erste Anlaufstelle, an die sich Betroffene wenden, die zuvor niemandem von den Übergriffen erzählt haben. Entscheidend ist daher, dass die richtigen Fragen gestellt und Betroffene die passenden Unterstützungsangebote erhalten. Das kann helfen, die Gewaltspirale zu durchbrechen und Frauen aus ihrer Isolation zu befreien“, erklärt Gesundheits-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig.

Gewaltambulanzen als professionelle Anlaufstellen

Frauen sollten jegliche Beweise von Gewalt sichern: Hier sind Gewaltambulanzen ein bedeutendes Instrument im Bereich des Gewaltschutzes, weil Gewalt gerichtsfest dokumentiert und dadurch die Verurteilungswahrscheinlichkeit der Täter erhöht wird. Mit der Einrichtung von Gewaltambulanzen in Graz und Wien wurden wichtige Anlaufstellen geschaffen, in denen Betroffene unabhängig von einer Anzeige medizinisch-forensisch untersucht werden können. Dort können sich Betroffene kostenlos und ohne Anzeige untersuchen lassen. Verletzungen werden professionell dokumentiert, Spuren gesichert, auch bei Verdacht auf K.O.-Tropfen. Zusätzlich helfen die Gewaltambulanzen auch unmittelbar weiter – mit Informationen zu psychologischer Betreuung, rechtlicher Hilfe und Opferschutzeinrichtungen. Zentraler Anker für den Gewaltschutz im Gesundheitswesen sind aber auch Opferschutzgruppen – sowohl für Kinder, die Opfer von häuslicher Gewalt und Missbrauch geworden sind, als auch für Erwachsene.

Gesundheitspolitische Maßnahmen im Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt

„Die Schuld liegt niemals beim Opfer – sie liegt immer beim Täter und nur durch konsequente Prävention, wirksame Unterstützung und ein Gesundheitssystem, das für von Gewalt betroffene Frauen als erste Anlaufstelle wahrgenommen werden kann und wo bestens geschultes Gesundheitspersonal unterstützt, können wir Gewalt nachhaltig verhindern“, bekräftigt Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig.

Dies wird auch durch den „Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen“ (NAP) sichergestellt, der sowohl Prävention als auch Schutz und Unterstützung für Betroffene deutlich stärken soll.

Folgende Maßnahmen sind im Gesundheitsbereich geplant:

  • Errichtung von Schutzzonen rund um Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen
    „Es ist unerträglich, dass Menschen, die medizinische Hilfe in Anspruch nehmen – etwa beim Schwangerschaftsabbruch – öffentlich bedrängt, beschimpft oder verunsichert werden. Das hat in unserer Gesellschaft keinen Platz und darf nicht länger hingenommen werden.“

  • Durch ein einheitliches Tool für alle, die im Gesundheitsbereich arbeiten, soll häusliche Gewalt besser erkannt und Gefahren genauer eingeschätzt werden
    „Das Gesundheitssystem ist oftmals die erste Anlaufstelle für von Gewalt Betroffene und es sind oftmals kleine oder versteckte Hinweise. Daher müssen die richtigen Fragen gestellt werden und Unterstützung geboten werden. Mit diesem Tool bekommen Ärzt:innen, Gesundheitspersonal und Pflegekräfte ein einheitliches Hilfsmittel in die Hand.“

  • Die Verletzungsdokumentation wird auf bundesweit einheitliche Standards angehoben, sodass Opfer ihre Verletzungen als Beweismittel bei Gerichtsverhandlungen vorlegen können
    „Die Schuld liegt immer beim Täter. Genau aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass diese Gewalt gerichtsfest dokumentiert wird. Denn dadurch können Täter zur Verantwortung gezogen werden.“

  • Positive Körperbilder: Frauen und Mädchen sollen durch Sensibilisierungs-Maßnahmen gestärkt werden
    „Auf Social Media und in der Werbung wird oftmals die ‚perfekte Frau‘ mit realitätsfernen Schönheitsidealen vorgegaukelt. Doch jede Frau und jedes Mädchen ist auf ihre Art und Weise schön. Und genau dies gilt es, zu vermitteln.“

  • Ein Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung nach dem Vorbild aus Deutschland wird erarbeitet, um diese Gewaltform zu bekämpfen.
    „Frauen müssen selbstbestimmt über ihren eigenen Körper entscheiden können. Es kann nicht sein, dass Verstümmelungen heutzutage noch durchgeführt werden.“

  • Der flächendeckende Ausbau von Gewaltschutzambulanzen in ganz Österreich
    „Mit den Gewaltambulanzen setzen wir ein klares Zeichen, indem die Gewalt dokumentiert wird. Denn - Gewaltschutz ist eine Frage der Frauengesundheit, die von Prävention bis hin zur adäquaten Behandlung reicht.“

Rückfragen & Kontakt

Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz (BMASGPK)
Karin Zeiler
E-Mail: Karin.Zeiler@sozialministerium.gv.at
Website: https://www.sozialministerium.gv.at

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