- 27.11.2025, 11:30:32
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Selbständig tätige Betreuungskräfte wollen Wertschätzung und faire Honorare
Wir nehmen die Politik beim Wort – und Qualitätssicherung kostet die betreuten Klientinnen und Klienten Geld
Erfreut zeigen sich die beiden Vertreterinnen aus der Fachgruppe Wien Personenberatung und Personenbetreuung, Bibiana Kudziova und Marcela Tichanek, über die Ankündigung des Sozialministeriums, im kommenden Jahr Reformen bei der geförderten 24-Stunden-Betreuung umzusetzen. Beide Vertreterinnen aus der gesetzlichen Interessenvertretung bieten auch an, Mitglied in der ministeriellen Pflegeentwicklungskommission zu werden: „Nur wenn die, die es betrifft, ihre Sicht der Dinge einbringen, wird eine Reform auch wirklich zielführend sein.“
„Dass sich das Ministerium, wie angekündigt, besonders um den Bereich Qualitätssicherung in der durch das Ministerium geförderten Betreuung kümmern wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung,“ betont Tichanek, die die Berufszweigsprecherin der Organisationen von Personenbetreuung („Vermittlungsagenturen“) in der Fachgruppe ist. Die Expertin hofft aber auch, dass den Verantwortlichen bewusst ist, dass Qualitätssicherung mit Kosten verbunden ist.
Beim Thema der Qualität geht es, wie Tichanek ausführt, vor allem um zwei Bereiche:
um das Qualitätszertifikat ÖQZ-24 für Organisationen von Personenbetreuung und
um Qualitätssicherung vor Ort zu Hause bei den betreuten Klientinnen und Klienten durch den - im Idealfall einmal wöchentlich stattfindenden - Besuch diplomierter Pflegefachkräfte. Diese leiten die selbständig tätigen Betreuungskräfte bei bestimmten spezifischen Arbeiten (z.B. Blutzuckermessungen, Verbandswechsel, ....) an. Um diese Qualitätsbesuche finanzieren zu können, brauchen die betreuten Klientinnen und Klienten, so Tichanek, eine weit höhere Förderung des Sozialministeriums als die derzeit 800 Euro im Monat. Ein wichtiger Schritt wäre auch, aus der Sicht der Berufszweigsprecherin, eine gesetzliche Verankerung der Pflicht aller Organisationen (Vermittlungsagenturen)zur Einbindung diplomierter Pflegefachkräfte in die Qualitätssicherung der 24-Stunden-Betreuung.
Qualitätszertifikat ÖQZ-24 steht für überprüfbare und nachvollziehbare Standards
„Mit dem Qualitätszertifikat ÖQ-Z24 wurde ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz und Qualitätssicherung gesetzt. Dieses Zertifikat steht für überprüfbare und nachvollziehbare Standards in der Betreuung und schafft gleichermaßen Vertrauen für Betreuungskräfte, Organisationen von Personenbetreuung und Familien“, erklärt Tichanek. Sie erinnert auch daran, dass das Zertifikat auf eine Initiative der Fachgruppe Wien, die schlussendlich 2018 vom Sozialministerium aufgegriffen wurde, zurück geht.
Die 39 Agenturen, die bereits mit dem ÖQZ-24 Zertifikat ausgezeichnet sind, decken schon jetzt ein Drittel der von Organisationen vermittelten Berteuungssettings ab. Nächste Jahr werden es durch weitere zertifizierte Organisationen ca. 40% der Betreuungssettings sein.
24-Stunden-Betreuung muss der öffentlichen Hand gleich viel wert sein, wie Betreuung & Pflege in Heimen
Neben der Qualität in der Betreuung geht es auch um mehr Wertschätzung und damit auch um höhere Honorare für die selbständig tätigen Betreuerinnen und Betreuer. Für deren gewählte Vertreterin, Bibiana Kudziova, müssen die derzeit 800 Euro an Förderung dem gegenübergestellt werden, was die öffentliche Hand für Plätze in Heimen ausgibt – das sind oft viele tausend Euro!
Kudziova: „Der große Erfolg in der Personenbetreuung war 2007 die gesetzliche Regelung der 24-Stunden-Betreuung und das Herausführen derselben aus der rechtlichen Grauzone. Das alles ist nun durch die jahrelange Vernachlässigung dieses Modells durch die Politik gefährdet.“
Wie Kudziova nachweist, wurde die Förderung, die an die betreuten Klientinnen und Klienten ausbezahlt wird, nach der Einführung 2007 erst 2023 valorisiert. Das geschah dann mit einer Inflationsanpassung in zwei Schritten – nach fast 17 Jahren seit der Einführung - von 550 Euro auf 800 Euro! Kudziova: „Das ist für die betreuten Klientinnen und Klienten bei weitem zu wenig, um den Betreuungskräften faire, im EU-Kontext konkurrenzfähige Honorare bezahlen zu können und auch Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu finanzieren.“
Wenn Betreuungskräfte weiter abwandern – wer übernimmt dann die bisherige Versorgung?
Die Wiener Berufszweigsprecherin der Betreuungskräfte warnt davor, dass es bei dieser Entwicklung und finanziellen Aushungerung wieder zu Schwarzarbeit kommen wird bzw. zu einer Abwanderung der Betreuerinnen und Betreuer ins weit besser bezahlende Ausland (z.B. D, CH, I).
Die Frage, die Kudziova damit in den Raum stellt, ist, wer sich dann um die 35.000 in Österreich betreuten Klientinnen und Klienten kümmern wird: Familienangehörige, die alle einen Job haben oder in Ausbildung sind, oder mobile Dienste, die schon jetzt weitgehendst ausgelastete sind, oder Pflegeheime, die entweder keine freien Plätze haben oder kein Personal, um zusätzliche Bewohner aufzunehmen?
Fachgruppe Wien ist seit Jahren starker Partner der Betreuungskräfte
Die Fachgruppe Wien ist seit Jahren ein verlässlicher und starker Partner der Branche Personenbetreuung und setzt dabei immer wieder richtungsweisende Initiativen:
So wurden zum Beispiel alle wichtigen Formulare und Dokumenten in den Muttersprachen der Betreuungskräfte ausgearbeitet und stehen ihnen online zur Verfügung.
Die Fachgruppe engagiert sich mit Weiterbildungsangeboten für die kontinuierliche Verbesserung der Betreuungsqualität und die Stärkung des Berufsbildes.
Während der Pandemie hat die Fachgruppe ihre Mitglieder rund um die Uhr unterstützt: mit aktuellen Informationen, rechtlicher Begleitung und praktischen Hilfestellungen.
Die Fachgruppe Wien hat eine eigene Schlichtungsstelle für die 24-Stunden-Betreuung eingerichtet, die bei Konflikten zwischen Betreuungskräften und Organisationen Unterstützung anbietet.
Zu den gelegentlich medial vorgehaltenen Missständen in der Branche betonen die beiden Vertreterinnen der zuständigen Fachgruppe: „Jede einzelne Verfehlung, die im Dreieck – betreute Klientinnen und Klienten, Betreuungskräfte, Organisationen - passiert, ist eine zu viel. Aber bedenken wir, dass diese Verfehlungen bei österreichweit 35.000 betreuten Klientinnen und Klienten und rund 60.000 selbständigen Betreuungskräften im Promillebereich liegen. Unser Ehrgeiz geht dahin, durch Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Betreuungssettings und durch Fortbildung der Betreuungskräfte diesen hohen Standard weiter zu halten.“
„Wir, die gewählten Branchenvertreterinnen, stehen dem Sozialministerium mit unserer Expertise zur Verfügung. Mit unserem Wissen und Erfahrung können wir maßgeblich dazu beitragen, die Betreuung von österreichweit etwa 35.000 Klientinnen und Klienten zu Hause weiter sicher zu stellen und dabei die Qualität auch auszubauen“, bieten Bibiana Kudziova und Marcela Tichanek Mitarbeit bei den vom Ministerium für 2026 angekündigten Maßnahmen bei der 24-Stunden-Betreuung an.
Rückfragen & Kontakt
Wirtschaftskammer Wien Fachgruppe Personenberatung und
Personenbetreuung
Mag. Martin Kofler
Telefon: 01/514 50-2204
E-Mail: personenberatung@wkw.at
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