- 29.08.2025, 09:45:32
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Kinder- und Jugendpsychiatrie: Rechnungshof bestätigt Fortschritte – weiterer Ausbau notwendig
Der aktuelle Rechnungshofbericht zur Kinder- und Jugendpsychiatrie bestätigt sowohl Fortschritte als auch anhaltende Herausforderungen in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen. Während der Bericht Verbesserungspotential bei Planungsgrundlagen, regionalen Unterschieden und Datenlücken verortet, würdigt er gleichzeitig die bereits erzielten wesentlichen Verbesserungen.
Besonders erfreulich: Die im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) vorgesehenen Planungsrichtwerte im ambulanten Bereich wurden bereits 2022 erreicht – deutlich früher als ursprünglich geplant. Mit einem Zuwachs von rund 39 Prozent im extramuralen Bereich wurden viele neue Standorte eröffnet und somit ein wichtiger Meilenstein in der patientennahen Versorgung gesetzt.
Die Sozialversicherung begrüßt diese Anerkennung, zumal sie ein positives Ergebnis der laufenden Bestrebungen beim Ausbau der niedergelassenen Versorgung ist. Gleichzeitig bestätigt die Sozialversicherung, dass es noch Handlungsbedarf gibt: Im Fokus stehen dabei die Beseitigung regionaler Versorgungsunterschiede, die Anpassung der Planungswerte und die Verbesserung der Datenlage. Daher unterstützt die Sozialversicherung die laufenden Arbeiten des Gesundheitsministeriums zur Weiterentwicklung des ÖSG und der regionalen Strukturpläne, der RSG.
Versorgung wird weiterentwickelt – 5 neue Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie, 5 neue Kassenordinationen im Jahr 2024
Der Rechnungshofbericht bezieht sich auf den Prüfzeitraum von 2017 bis 2022. Allein die Zahl der besetzten Kassenstellen in diesem Fach ist von 27 im Jahr 2017 auf 38 im Jahr 2022 angestiegen. Die Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Angebots ist auch danach nicht stehengeblieben: Bereits im Jahr 2024 konnten weitere wichtige Versorgungsangebote realisiert werden, die auch den Empfehlungen des Rechnungshofs entsprechen. Die jüngsten Entwicklungen zeigen das kontinuierliche Engagement für eine bedarfsgerechte Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen:
5 neue multidisziplinäre Ambulatorien, in denen unter einem Dach verschiedene therapeutische Leistungen (ärztliche, psychologische und therapeutische Diagnostik und Behandlung) integriert angeboten werden.
5 neue Kassenordinationen für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
2 neue Tageszentren, die eine intensivere Betreuung ermöglichen.
5 mobile Home-Treatment-Teams, die Kinder und Jugendliche direkt zu Hause betreuen – ein innovatives Modell, das in Österreich erstmals mit einem Vertragsrahmen ausgestattet wurde.
Diese neuen Angebote sind wichtige Schritte, die Versorgung weiterzuentwickeln und innovative Wege zu erproben. Initiativen wie die Home-Treatment-Teams sind dabei Pilotprojekte, in die die Sozialversicherung bewusst investiert, um die Betreuungslage langfristig zu verbessern. Klar ist aber auch: Damit allein ist es noch nicht getan. Wartezeiten sind nach wie vor Realität, und jedes einzelne Schicksal macht deutlich, wie wichtig der kontinuierliche Ausbau dieser Strukturen ist, auch abseits der Empfehlungen des Rechnungshof.
„Wir sind erst am halben Weg“
Trotz der erzielten Fortschritte bleibt die Lage in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Versorgung herausfordernd. Die Zahl der Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist nach wie vor begrenzt, und es bestehen teils deutliche regionale Unterschiede in der Erreichbarkeit von Angeboten.
„Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht: Ein Zuwachs von 40 Prozent bei Ordinationen und Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie zeigt, dass wir in diesen Bereich nachweisbar investieren, wir sind aber erst am halben Weg. Unser Ziel muss es sein, dass jedes Kind und jede Familie im Bedarfsfall rechtzeitig die passende Hilfe erhält. Dazu braucht es einen kontinuierlichen Ausbau der Angebote, den wir gemeinsam mit unseren Partnern im Gesundheitssystem Schritt für Schritt vorantreiben. Hier müssen alle Partner in unserem Gesundheitssystem im Sinne unserer jüngsten Versicherten geschlossen auftreten“, betont Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger.
Claudia Neumayer-Stickler, stellvertretende Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger ergänzt dazu: „Gerade wenn es um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht, braucht es jede Anstrengung für eine gute Versorgung. Solidarität bedeutet für uns, dass jedes Kind, – unabhängig davon, wo es lebt oder aus welchem sozialen Umfeld es kommt – die Unterstützung bekommt, die es braucht. Wir wissen, dass es noch große Herausforderungen gibt, aber wir investieren gezielt in neue Modelle und Angebote. Dabei sollen besonders auch multiprofessionelle Versorgungszentren ausgebaut werden. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Verantwortung gegenüber allen Kindern und ihren Eltern in unserem Land.“
Planung und Daten als zentrale Hebel
Der Rechnungshof weist darüber hinaus darauf hin, dass die Planungswerte aktualisiert und die Datenlage verbessert werden müssen: Ohne verlässliche Diagnosedaten kann die Versorgung nicht ausreichend zielgerichtet geplant werden. Die Sozialversicherung unterstützt daher nachdrücklich eine Nachschärfung des Dokumentationsgesetzes, und die daraus folgende bessere Dokumentation und Datentransparenz auch im niedergelassenen Bereich, einschließlich der Wahlärztinnen und -ärzte. Nur wenn diese Daten vollständig vorliegen, lassen sich Versorgungslücken verlässlich erkennen und schließen.
Die österreichische Sozialversicherung wird den bereits eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen und gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium und den Partnern in der Bundeszielsteuerungskommission weitere Verbesserungen umsetzen. Mit Mitteln unter anderem aus dem Finanzausgleich – rund 300 Millionen Euro stehen für diesen Bereich jährlich bis 2029 zur Verfügung – werden die bestehenden Strukturen ausgebaut und neue Modelle gefördert.
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