• 29.08.2025, 09:42:02
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Apfelanbau: Zwischen Abwärtstrend und Zukunft

Maßnahmenbündel notwendig, damit es wieder bergauf gehen kann

Graz (OTS) - 

Apfelernte: Qualität auf Spitzenniveau. In den steirischen Obstgärten herrscht Hochbetrieb. Bereits am 20. August hat die Haupternte mit den Sorten Gala und Sweetango begonnen. Heuer wird eine Erntemenge von 142.000 Tonnen erwartet, nachdem sie im Vorjahr durch Spätfröste auf nahezu die Hälfte gesunken war. Die Apfelqualität erreicht heuer ein Spitzenniveau: Die vielen Sonnenstunden haben Aroma, Farbintensität und Haltbarkeit auf ein Top-Niveau gebracht. Die Trockenheit reduzierte teilweise das Fruchtwachstum – die positive Seite dazu: Aroma und Inhaltsstoffe sind noch ausgeprägter.

Harte Zeiten im steirischen Apfelanbau. Trotz guter Ernteaussichten und hervorragender Qualität stehen die heimischen Apfelbäuerinnen und Apfelbauern unter massivem wirtschaftlichem Druck. In den vergangenen zehn Jahren konnten – bedingt durch den menschengemachten Klimawandel mit Wetterextremen, wie Spätfrösten und Dürreperioden – lediglich drei Normalernten eingebracht werden. Hinzu kommen stark gestiegene Betriebskosten, höhere Lohnkosten, neue eingewanderte Schädlinge sowie ein eingeschränktes Pflanzenschutzmittelangebot. Die Folgen sind gravierend: Innerhalb einer Dekade ist die steirische Apfelanbaufläche um 1.500 Hektar geschrumpft, jeder fünfte Betrieb musste die Produktion einstellen. „Das ist ein massiver Einschnitt – eine Ausnahmesituation, mit der die Apfelbäuerinnen und Apfelbauern derzeit konfrontiert sind“, betont Landwirtschaftskammer Steiermark-Vizepräsidentin Maria Pein. „Viele Betriebe mussten in den vergangenen Jahren von der Substanz leben, Investitionen verschieben oder den Betrieb aufgeben.“

Bündel an Maßnahmen notwendig – damit es wieder bergauf gehen kann. Seit den ersten schweren Spätfrösten in den Jahren 2016 und 2017 setzen die Apfelbauern auf Klimawandelanpassung und stellen ihre Betriebe breiter auf. Als entscheidende Weichenstellung zur Absicherung des steirischen Apfelanbaus hebt Pein Maßnahmen-Bündel mit vier zentralen Punkten hervor:

  1. Zur Absicherung der Ernte: Fortführung der Investitionsunterstützungen für Forstschutz-Beregnung, Speicherbecken und Kühlung – nach wie vor bedrohen Spätfröste, extreme Hitze und langanhaltende Dürren die Ernte

  2. Besseres Pflanzenschutzmittelangebot in Österreich: Begünstigt durch den Klimawandel breiten sich immer mehr eingeschleppte invasive Schädlinge wie die Kirschessigfliege, Wanzen oder Zikaden aus. Aufgrund des eingeschränkten Pflanzenschutzmittelangebots in Österreich – im Vergleich zu anderen EU-Ländern – richten diese zunehmend erhebliche Schäden bei der Ernte an.

  3. Dringend: Runter mit den Lohnnebenkosten. Österreich liegt bei den Lohnnebenkosten für Saisonarbeitskräfte europaweit an der Spitze. In Deutschland fällt bei gleichem Bruttolohn mehr Netto an. Dieses deutsche Modell brauchen auch die steirischen Obstbauern.

  4. Leistbare Frostversicherung für die Apfelbauern. Das bisherige Modell der öffentlichen Unterstützung durch Bund und Land muss erhalten bleiben.

Unterstützungsmaßnahmen weiterhin notwendig. „Der steirische Obstbau steht mitten in einem Anpassungsprozess. Wir brauchen weiterhin Unterstützung bei den Investitionen in den Frostschutz, für Bewässerung und Kulturschutz sowie Entlastungen bei Arbeitskosten und eine leistbare Frostversicherung“, bekräftigt auch Manfred Kohlfürst, Obmann des steirischen und österreichischen Obstbauverbandes. Und er fordert Realismus beim Thema Pflanzenschutz ein: „Das fortschreitende Verschwinden unverzichtbarer Wirkstoffe zum Schutz unserer Ernten ist längst zu einem ernsten Problem geworden – manche Pflanzenschutzmittel gibt es heute nicht mehr aus Österreich, aber im angrenzenden Ausland. Einerseits müssen neue EU-Zulassungen schneller erfolgen, andererseits sollte selbstverständlich sein, dass Pflanzenschutzmittel, die in anderen EU-Ländern erlaubt sind, auch hier einsetzbar sind.“

Betriebe stellen sich breiter auf und gehen innovative Wege. Die angespannte Lage im steirischen Apfelanbau motiviert viele Produzenten zu neuen Wegen. „Viele unserer Betriebe setzen auf mehrere Standbeine – von Säften, Mosten und Bränden bis zum Direktverkauf – und investieren gleichzeitig in Frostberegnung, Bewässerung und neue Sorten wie Kanzi, Evelina oder Sweetango“, erklärt Obmann Manfred Kohlfürst. So sichern sie die Vielfalt, Qualität und Zukunftsfähigkeit ihres Betriebs.

Ursula und Thomas Reiter, Obstbaufamilie in Gleisdorf. Um ihren Obstbaubetrieb weiterzuführen und ihn für die nächste Generation zukunftsfit zu machen, haben Ursula und Thomas Reiter einen klaren Weg eingeschlagen: „Wir setzen auf Vielfalt – Birnen, Äpfel, Pfirsiche und Holunder – und haben mit der Direktvermarktung ein zweites Standbein aufgebaut. Gleichzeitig haben wir in Kulturschutz, insbesondere in Frostberegnung mit Wasserspeicherbecken investiert. Damit können wir unsere Früchte auch Trocken- und Hitzestress zu schützen.“

Zahlen und Fakten: 900 Apfelproduzenten kultivieren auf 4.750 Hektar steirische Äpfel und sichern damit in der Landwirtschaft sowie im vor- und nachgelagerten Umfeld mehr als 3.000 Arbeitsplätze in der Grünen Mark. Der Transportweg eines steirischen Apfels bis ins Geschäft beträgt 150 Kilometer, während weitgereiste Äpfel aus Neuseeland 19.000 Kilometer bis nach Österreich zurücklegen. Die Steiermark ist der Obstgarten Österreichs: 75 Prozent der österreichischen Apfelanbaufläche liegen in der Steiermark.

Rückfragen & Kontakt

Mag. Rosemarie Wilhelm
Telefon: 0316/8050-1280
Mobil: 0664/1836360
E-Mail: rosemarie.wilhelm@lk-stmk.at

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