- 21.05.2025, 13:15:03
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ORF-„matinee“ à la française am 25. Mai: „Der Geschmack Europas“ in der Gironde, Doku „,Les Misérables‘ und Victor Hugo“
Danach: „Die Kulturwoche“ – ab 9.05 Uhr in ORF 2 und ORF ON; Um 13.00 Uhr: „Stars unter Palmen – Die Preisverleihung der 78. Filmfestspiele von Cannes“
Anlässlich der ausklingenden Filmfestspiele von Cannes blickt die „matinee“ am Tag nach der Preisverleihung, am Sonntag, dem 25. Mai 2025, um 9.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON nach Frankreich. Zunächst begibt sich eine Ausgabe der ORF-Reihe „Der Geschmack Europas“ auf kulturkulinarische Spurensuche in die interessante Region Gironde im Südwesten des Landes. Danach beleuchtet die Dokumentation „,Les Misérables‘ und Victor Hugo – Im Namen des Volkes“ (9.50 Uhr) die Entstehung und Rezeptionsgeschichte des weltberühmten Romans und Opus magnum des französischen Schriftstellers, dessen Todestag sich am 22. Mai zum 140. Mal jährt. Den von Clarissa Stadler präsentierten ORF-Kulturvormittag beschließt „Die Kulturwoche“ (10.45 Uhr) mit aktuellen Berichten und Tipps.
Apropos Cannes:
In der, ebenfalls von der ORF-TV-Kultur gestalteten Sondersendung „Stars unter Palmen – Die Preisverleihung der 78. Filmfestspiele von Cannes“ am Tag nach der Gala, am Sonntag, dem 25. Mai, um 13.20 Uhr in ORF 2 (und auf ORF ON) berichten Christian Konrad und Tiziana Aricò über die interessantesten Filme des heurigen Festivals und stellen die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner vor. Ausgewählt werden diese wie immer von einer hochkarätig besetzten Jury, diesmal unter dem Vorsitz des französischen Schauspielstars Juliette Binoche, der anschließend an das Dacapo der Sendung (23.05 Uhr, ORF 2 und ORF ON) in Michael Hanekes Psychodrama „Caché“ (23.20 Uhr) zu erleben ist. Dafür wurde der österreichische Oscar-Preisträger 2005 in Cannes als bester Regisseur ausgezeichnet. In der männlichen Hauptrolle ist Daniel Auteuil zu sehen.
ORF III blickt in „Kultur Heute“ am Montag, dem 26. Mai, um 19.40 Uhr (auch auf ORF ON) gemeinsam mit ORF-Filmexpertin Tiziana Aricò im Studio zurück auf das heurige Festivalgeschehen.
„Der Geschmack Europas – Die Gironde“ (9.05 Uhr)
Auf der Suche nach dem Geschmack Europas stehen diesmal die Landschaften und Küchen der Gironde im Mittelpunkt. Regisseur Martin Traxl und Präsentator Lojze Wieser begeben sich in die Region im Südwesten Frankreichs, die geprägt ist von der Nähe zum Atlantik, den atemberaubenden Weinbergen und jahrhundertealten Châteaux sowie dem allgegenwärtigen französischen Charme. In Bordeaux, der Hauptstadt der Gironde, wurde mit der „Cité du Vin“ dem kulinarischen Aushängeschild der Gegend, dem Wein, ein Museum gewidmet und durch den futuristischen Bau auch architektonisch ein Denkmal gesetzt. Abseits des Rebensafts gibt es hier auch viele kulinarische Spezialitäten und Gerichte „à la Bordelaise“ zu entdecken, wie zum Beispiel die süßen Cannelés, deren Entstehungsgeschichte auch mit der Weinproduktion in Zusammenhang steht, oder die Crevettes blanches, die weißen Garnelen, die hier noch vom letzten Crevetten-Fischer in Reusen in der Garonne gefangen werden und am besten gleich fangfrisch auf dem Boot genossen werden sollten.
In Saint-Émilion mit seiner außergewöhnlichen, in Stein gehauenen, monolithischen Kirche trifft man in den Bäckereien auf die Urform der Macarons, die dort heute noch nach jahrhundertealtem Rezept gebacken werden. Die Stadt Bazas, südwestlich von Bordeaux gelegen, ist wiederum namensgebend für eine seltene Rindergattung, die hier immer noch gezüchtet wird: das Bazadaise-Rind, das früher als Arbeitstier gehalten wurde und heute ob seiner hervorragenden Fleischqualität immer mehr Beachtung findet. Schließlich lockt das Bassin d’Arcachon Feinschmecker:innen mit Austern sowie Naturliebhaber:innen mit der größten Wanderdüne Europas, der Dune du Pilat.
„,Les Misérables‘ und Victor Hugo – Im Namen des Volkes“ (9.50 Uhr)
1862 veröffentlichte Victor Hugo im Alter von 60 Jahren sein Epos „Les Misérables“, „Die Elenden“. Das französische Volk erkennt sich in dem Buch wieder, die Hauptfigur Jean Valjean wird zum Sinnbild der damaligen Popkultur und der Roman zum Symbol für die Freiheit des Volkes. Dass das Buch soziale Fragen und die Gesellschaft thematisiert, ist ein Skandal. Wie konnte Hugo, einst doch ein Konservativer, nur einen Roman verfassen, der die bestehende Ordnung derart torpediert? Die Kritiker verrissen das Werk, aber: das Publikum war begeistert. Es folgten immer wieder neue Auflagen. Kaum veröffentlicht, wurde der Roman zum weltweiten Bestseller – heute würde man von einem „Harry-Potter-Phänomen“ sprechen. „Les Misérables“ wurde später auch als Film sowie Broadway-Musical bekannt und gilt noch heute als leidenschaftliches Plädoyer für die Humanität.
Aber wie kommt es, dass diese Geschichte nach wie vor so große Zustimmung bei den Menschen weltweit findet? Warum wird sie weiterhin in so großem Umfang aufgegriffen, vom Musical über Mangas bis hin zu politisch engagierten Rap-Songs und Filmen? Die Antwort auf diese Fragen geben jene, die heute Victor Hugos Worte in politischen oder künstlerischen Manifesten verwenden, aber auch der Autor selbst. In seinem 1.500 Seiten langen Roman stellt Hugo das Gleichgewicht der Kräfte neu auf: Klein wird groß, groß wird klein. Er verteidigt die Unterdrückten, kämpft für die Unabhängigkeit der Frauen, für Gleichheit und Gerechtigkeit.
Genauso außergewöhnlich wie der Roman selbst sind Victor Hugos politische Bekehrung und seine literarische Ausdrucksform, und das in einer Schaffensperiode, die viel über die Aufrichtigkeit des Künstlers aussagt. Denn die Entstehung von „Les Misérables“ ist die erstaunliche Geschichte einer Metamorphose. Dem Volk eine Stimme zu geben, bedeutete, das Risiko einzugehen, ein Mann des Volkes zu werden und die Anerkennung seiner Standesgenossen zu verlieren. Mit der „Les Misérables“-Saga eroberte sich Hugo einen Platz im Herzen des Volkes.
Die Dokumentation von Grégoire Polet beleuchtet die Entstehung des Romans, Victor Hugos Wandel vom Konservativen zum Linken sowie aktuelle Adaptionen des Werks und nimmt dessen gesamte Entwicklung zum vielfach adaptierten Stück Weltliteratur in den Blick. Der Film schaut zurück auf die Erfolgsgeschichte aus der Sicht von Victor Hugo und jener, die sich in seinen Worten wiedererkennen.
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