• 01.07.2024, 11:13:52
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„kreuz und quer“-Zweiteiler „Verbotene Schriften? – Aus der Bibel verbannt“ am 2. Juli ab 22.35 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON

Wien (OTS) - Warum wurden im frühen Christentum manche Schriften aus
der hebräischen Bibel und Berichte über das Leben und Wirken Jesu in
den Kanon der christlichen Bibel aufgenommen, andere jedoch nicht?
Gibt es ein geheimes Wissen, das die noch junge Kirche ihren
Gläubigen vorenthalten wollte? Der „kreuz und quer“-Zweiteiler
„Verbotene Schriften? – Aus der Bibel verbannt“ von Kathryn Christy
begibt sich am Dienstag, dem 2. Juli 2024, ab 22.35 Uhr in ORF 2 und
auf ORF ON auf historisch-theologische Spurensuche nach den
sogenannten apokryphen Schriften, nach jenen Schriften also, die
nicht in die christliche Bibel aufgenommen wurden. In den ersten
Jahrhunderten nach Jesus war es Aufgabe der Kirchenväter, eine für
alle Christen verbindliche Sammlung von Schriften, den sogenannten
Kanon, zusammenzustellen. Kirchenväter und Theologen mussten in
jahrelanger Arbeit Texte bewerten, interpretieren und für gut
befinden, damit diese in den Kanon (griechisch für Richtschnur) der
Bibel aufgenommen werden konnten. Die Dokumentation stellt insgesamt
acht Texte vor, die den Einzug in die Bibel nicht geschafft haben,
und versucht auch zu ergründen, warum.

Im ersten Teil geht es um zwei Bücher, die sich mit der Erschaffung
und mit dem Leben der ersten Menschen befassen. Das Buch „Das Leben
Adams und Evas“ behandelt die Verführung Evas durch die Schlange und
die Vertreibung aus dem Paradies. Interessant an diesem Buch ist vor
allem, dass Eva nicht als Sünderin, die ungehorsam gegen Gott war,
sondern als Opfer der Verführungskünste Satans dargestellt wird. Das
„Buch der Jubiläen“ befasst sich ebenfalls mit den ersten Menschen,
die die Erde bevölkerten. Kernpunkt ist hier die Frage, wieso Kain,
einer der drei Söhne von Adam und Eva, plötzlich eine Frau heiratet,
obwohl es dem Buch Genesis zufolge keine solche Frau geben kann. Das
Buch der Jubiläen liefert eine Erklärung, die nicht für alle
annehmbar ist. Adam und Eva sollen auch Töchter gehabt haben und Kain
habe Awan, eine seiner Schwestern, geheiratet. Ein Verstoß gegen das
Inzestverbot. Die Geschichte lässt sich allerdings aus der besonderen
Lage des jüdischen Volkes der damaligen Zeit verstehen. Denn um
weiterhin das Volk Gottes zu bleiben, sollten sich Juden von ihren
Nachbarvölkern fernhalten und keine Ehen mit fremden Frauen eingehen.

Auch Teil 2 begibt sich ab 23.30 Uhr auf historisch-theologische
Spurensuche nach der Entstehungsgeschichte der christlichen Bibel.
Manche Schriften waren bei den frühen Christen sehr populär, dennoch
wurden sie von den Kirchenvätern abgelehnt. So zum Beispiel das „Buch
Henoch“, das nach einem Mann benannt ist, der im Buch Genesis der
anerkannten Bibel nur kurz erwähnt wird. Das apokryphe Henoch-Buch
beginnt mit einer Warnung an die Menschheit, dass Gott alles Leben
auf Erden durch eine große Flut vernichten werde. Als Strafe dafür,
dass sich die „Gottessöhne“ – damit sind die Engel gemeint – mit den
irdischen Frauen, den „Menschtöchtern“, vermählt hatten und dadurch
das Geschlecht der blutrünstigen Riesen gezeugt wurde.

Ein weiteres antikes Manuskript fand keinen Eingang in die
christliche Bibel: das „Kindheitsevangelium des Thomas“. Ein Bericht
über das Leben Jesu, der zwischen dem fünften und zwölften Lebensjahr
ein mitunter recht aufsässiges Kind war, ein „göttlicher Balg“, wie
ihn der katholische Theologe John Dominic Crossan in der
Dokumentation bezeichnet. Die Schrift zeigt auch, wie Jesus langsam
zum Jesus des Neuen Testaments heranreift. Ebenfalls aus der
christlichen Bibel verbannt wurde das „Protoevangelium des Jakobus“,
ein Manuskript, das sich eingehend mit dem Leben Marias beschäftigt
und vor allem eine Erklärung für ihre immerwährende Jungfräulichkeit
zu liefern versucht. Das „Evangelium der Maria“ beschreibt Maria von
Magdala als eine enge Vertraute Jesu, der er wichtige Teile seiner
Botschaft anvertraut hat. Eine gnostische Schrift, die die Rolle der
Frauen in der Jesusbewegung betont. Doch von den Kirchenvätern wurde
sie nicht für würdig befunden, in den Kanon der Heiligen Schrift
aufgenommen zu werden. Als letztes wird eine Endzeitvision
vorgestellt, die beinahe Eingang in die Bibel gefunden hätte: die
Apokalypse des Petrus. Eine Schrift, die in symbolhafter Sprache den
Sieg über das Böse schildert. Damit war der Kampf gegen das
tyrannische römische Imperium gemeint. Doch auch dieses Buch wurde
verbannt, vielleicht weil es verkündete, dass letztlich alle Sünder
Vergebung erlangen und von ihrer Höllenstrafe erlöst würden.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRF

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