- 24.05.2024, 14:34:15
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„kulturMontag“: Klimt, Stuck und Liebermann im Wien Museum, Kulturwandel in Polen, Helen Mirren als Golda Meir im Kino
Danach: Doku „Der Wiener Jugendstil – Aufbruch in die Moderne“ – am 27. Mai in ORF 2
Utl.: Danach: Doku „Der Wiener Jugendstil – Aufbruch in die Moderne“
– am 27. Mai in ORF 2 =
Wien (OTS) - Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“
am 27. Mai 2024 um 22.30 Uhr in ORF 2 befasst sich anlässlich einer
neuen Ausstellung im Wien Museum mit dem Werk der Secessionisten
Gustav Klimt, Franz von Stuck und Max Liebermann. Passend dazu ist
nach dem Magazin die Dokumentation „Der Wiener Jugendstil – Aufbruch
in die Moderne“ (23.15 Uhr) zu sehen. Weiters widmet sich der
„kulturMontag“ in einer Reportage aus Warschau dem Kulturwandel in
Polen, der mit der neuen Regierung des liberal-konservativen
Ministerpräsidenten und glühenden Europäers Donald Tusk eingeläutet
wurde. Weiters Thema der Sendung ist u. a. der neue Film mit Helen
Mirren, in dem die Oscar-Preisträgerin Golda Meir, die erste und
bisher einzige Ministerpräsidentin Israels, verkörpert.
Die Freiheit der Kunst – Klimt, Stuck und Liebermann im Wien Museum
Zum Fin de siècle, mit dem Aufbruch der Moderne, drängten die
Avantgardisten, zu denen der Symbolist Franz von Stuck, der
Impressionist Max Liebermann und der Jugendstilmaler Gustav Klimt
zählten, nach inhaltlicher wie institutioneller Freiheit. Bisher
hatten ständisch organisierte Künstlervereinigungen den akademischen
Ton und auch die tradierte Stilistik vorgegeben. Die Folge: Es kam zu
Abspaltungen, den sogenannten Secessionen. Stuck, Klimt und
Liebermann standen an der Spitze der drei Secessionen, die 1892 in
München, 1897 in Wien und 1899 in Berlin als Gegenentwurf, als
Protestbewegung zum prüden, traditionsverhafteten Kunstgeschmack des
wilhelminischen und habsburgischen Kaiserreichs entstanden. Ihr Credo
war die Vielfalt der Kunststile, ihr Ziel, progressive Kunst aus dem
Ausland vorzustellen und nationale Künstler auch international zu
vernetzen. Schnell wurden die Ausstellungen damit zu einem Ort der
neuesten avantgardistischen Kunst, wo es ums Sehen und Gesehenwerden
ging – ein kulturelles Ereignis, das man sich in Kunst- und
Künstlerkreisen nicht entgehen lassen durfte. Die Aura des Elitären,
die diese Ausstellungen aufgrund von strengen Auswahlverfahren umgab,
trug dabei eher noch zu ihrer Anziehungskraft bei. In gewisser Weise
waren die Secessions-Ausstellungen damit auch Vorläufer heutiger
Kunstbiennalen und eine Marke, die dem Fortschritt verpflichtet war.
Das Neue, Unangepasste sorgte prompt für immer größeres Interesse,
heute sind die Bilder der Secessionisten weltweit Publikumsmagneten.
Es ist ein Blockbuster mit Tiefgang, den der designierte
Albertina-Chef Ralph Gleis für das Wien Museum ermöglicht hat. Als
Noch-Chef der Berliner Nationalgalerie wandert seine Ausstellung
„Secessionen. Klimt, Stuck, Liebermann“ jetzt in das Haus am
Karlsplatz, an dem er jahrelang Kurator war.
Noch ist Polen nicht verloren – Kulturwandel in Warschau
Bei der Parlamentswahl im Oktober 2023 wurde Polens rechtsnationale
Partei PiS – „Recht und Gerechtigkeit“ –, die in ihrer achtjährigen
Regierungszeit mit rechtspopulistischer Politik Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit demontierte, zwar erneut stärkste Kraft, fand
aber keinen Koalitionspartner. Die Wählerschaft sorgte für einen
Machtwechsel, indem sie ein Bündnis der Opposition mit einer Mehrheit
im Sejm ausstattete. Der neue liberal-konservative Ministerpräsident
und glühende Europäer Donald Tusk versucht, mit seiner Koalition zu
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückzukehren und einen
Kulturwandel in seiner tief gespaltenen Heimat herbeizuführen. Er
löste etwa die öffentlich-rechtlichen Medien auf, erklärte die
umstrittene Justizreform als verfassungswidrig und will die
EU-Skepsis des Landes überwinden. Wie sehen Kunst- und
Kulturschaffende die Veränderungen? Etwa der Anchorman des
Nachrichtensenders Teleexpress Maciej Orłoś, der kurz nach der
Machtübernahme der PiS-Regierung seinen Job verloren hatte und jetzt
wieder an Bord ist, oder die Kuratorin Marta Czyz, die den
Polen-Pavillon auf der 60. Biennale verantwortet und den ursprünglich
dafür vorgesehenen rechtsgerichteten Maler durch ein ukrainisches
Kollektiv ersetzte. Der kulturMontag bringt eine Reportage aus
Warschau.
Israels Eiserne Lady – Helen Mirren als Golda Meir
Sie ist eine schauspielerische Kampfnatur, wurde als „Queen“ mit dem
Oscar prämiert und begibt sich in ihrem neuen Film auf eine
Höllenfahrt in den Polit-Abgrund. Dame Helen Mirren hat immer schon
gewagte Rollen geliebt. In Guy Nattivs Film „Golda“ spielt die heute
78-jährige Britin die legendäre erste Ministerpräsidentin Israels,
Golda Meir. Diese war eine Zionistin aus Überzeugung und hatte in
Israel den Spitznamen „Eiserne Frau“, zeigte Härte gegenüber den
arabischen Nachbarn und war Israels erste und bisher einzige
Ministerpräsidentin. Für den Staatsgründer und ersten
Ministerpräsidenten des jungen Landes, David Ben-Gurion, war sie
schon zum Zeitpunkt der israelischen Unabhängigkeitserklärung am 14.
Mai 1948 „der einzige wirkliche Mann“ in seinem Kabinett. Trotz der
ihr nachgesagten Unbeugsamkeit zerbrach die 1898 in Kiew als Golda
Mabowitsch geborene Politikerin am Jom-Kippur-Krieg des Jahres 1973,
der für Israel beinahe katastrophal endete. Der israelische Regisseur
Guy Nattiv liefert mit „Golda“ kein Biopic, sondern ein Kammerspiel
über jenes dunkle Kapitel des dreiwöchigen Krieges, der am 6. Oktober
1973, am höchsten jüdischen Feiertag, das jüdische Volk kalt
erwischte. In seinem Film geht es um die Frau, die sich in einer
brandgefährlichen Situation in einer Männergesellschaft behaupten
muss. Dass sich Nachbarstaaten wie Syrien und Ägypten genau jenen Tag
für ihre Invasion ausgesucht hatten, ohne dass Israels Geheimdienst
und Militär etwas ahnten bzw. eindeutigen Warnungen nachgingen, ist
der Stoff, der „Golda“ besondere Brisanz verleiht. Welche Parallelen
lassen sich von damals zu heute ziehen? Live zu Gast bei Peter
Schneeberger im Studio ist der Schriftsteller und Historiker Doron
Rabinovici.
Dokumentation „Der Wiener Jugendstil – Aufbruch in die Moderne (23.15
Uhr)
Wien um 1900, eine Stadt der radikalen Kontraste. In den
Arbeitervierteln verelendet ein Teil der Bevölkerung, im Zentrum der
k.u.k.-Metropole aber weht ein frisches Lüftchen – nein, es ist
geradezu ein Sturm: Wissenschaft und Wirtschaft, Kunst und Kultur
entfalten sich fast explosionsartig. „Ver Sacrum“ – heiliger Frühling
– lautet der Titel der von der Wiener Secession herausgegebenen
Zeitschrift, und er treibt üppige Blüten, dieser Frühling. Ein
Gutteil der Künstlerschaft hatte sich von den Fesseln des Historismus
freigesprengt. Gustav Klimt wird zum ersten Präsidenten der
Secession, der Jugendstil zur prägenden Kunstrichtung jener Jahre.
Rudolf Klingohr erzählt in seiner Dokumentation von der Zeit, als
Wien den Weg in die Moderne beschritt – und von den meist jüdischen
Mäzenen, die als Förderer und Auftraggeber Künstlerinnen und
Künstlern zu Weltgeltung verhalfen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfolgte das Kaiserhaus
eines seiner gigantischsten Prestigeprojekte: den Bau der Wiener
Ringstraße, der „Via Triumphalis“ Habsburgischer Machtentfaltung. Mit
der Schleifung der Stadtmauer wurde viel Bauland frei und dank einer
geänderten Gesetzeslage konnten Juden hier Parzellen erwerben. Es
sind finanzkräftige Industrielle oder Bankiers aus den Kronländern
und aus Deutschland, die sich jetzt mit ihren Bauten im Stadtbild
wiederfinden und zu den wichtigsten Financiers der Ringstraße werden.
Die Familien Schey und Ephrussi zählen zu den prominentesten
Investoren. Oder Karl Wittgenstein, ein ewiger Ausreißer und
Schulabbrecher, der sich lieber als Barmusiker in New York verdingte,
bevor er zum Industriellen, wichtigen Vertreter der Gründerzeit und
Förderer der Kunst wurde. Waren die Palais und Repräsentationsgebäude
der Ringstraße ganz dem Historismus verpflichtet, so brachen die
Secessionisten radikal mit der Tradition. Angelehnt am französischen
art nouveau, wurde der Jugendstil Wienerischer Prägung zur
bestimmenden Kunst- und Architekturrichtung. Gustav Klimt malte
Porträts seiner prominenten Auftraggeber, die deren Reputation
beförderten. Josef Hoffmann gehörte zu den Architekten, die deren
Eigenheime erbauten und sie mit seinen Designarbeiten aus der Wiener
Werkstätte ausstattete. Heute sind diese Arbeiten teure Sammlerstücke
oder als Exponate in den wichtigsten Museen der Welt zu sehen.
Kontakte geknüpft wurden in den Salons umtriebiger Netzwerkerinnen
wie Berta Zuckerkandl.
Hinter der Förderung des Jugendstils durch jüdische Mäzene stand auch
der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung. So ergab sich eine
große Symbiose aus den Kunstschaffenden der Secession und den
wohlhabenden Familien des späten 19. Jahrhunderts. Die Akzeptanz
jüdischer Großbürger und Industrieller blieb allerdings über weite
Strecken ein Wunschtraum. Selbst in ihrer Hochblüte wurden viele von
ihnen vom alten Establishment als „Parvenus“ ausgegrenzt. Die
politische Agitation des antisemitischen Bürgermeisters Karl Lueger
und das Aufkommen der Nazis ließen diese Erzählung erst recht im
frühen 20. Jahrhundert abreißen.
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