• 29.04.2024, 11:23:58
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  • OTS0084

Lackner zu Austrofaschismus: Kirchliches Versagen einbekennen

Vorsitzender der Bischofskonferenz anlässlich der vor 90 Jahren in Kraft getretenen "Maiverfassung": "Vertreter der Kirche haben der unter dem Deckmantel vermeintlich christlicher Politik agierenden Diktatur das Wort geredet und danach gehandelt" - Am 1. Mai 1934 wurde auch Konkordat ratifiziert, das in der Nachkriegszeit "letztlich zu einem Garanten für eine 'freie Kirche in einem freien Staat' wurde"

Utl.: Vorsitzender der Bischofskonferenz anlässlich der vor 90
Jahren in Kraft getretenen "Maiverfassung": "Vertreter der
Kirche haben der unter dem Deckmantel vermeintlich
christlicher Politik agierenden Diktatur das Wort geredet und
danach gehandelt" - Am 1. Mai 1934 wurde auch Konkordat
ratifiziert, das in der Nachkriegszeit "letztlich zu einem
Garanten für eine 'freie Kirche in einem freien Staat' wurde" =

Salzburg (KAP) - Vor 90 Jahren, am 1. Mai 1934, trat die sogenannte
"Maiverfassung" in Kraft, durch die unter Bundeskanzler Engelbert
Dollfuß der nach ständisch-faschistischen Prinzipien gebildete
"Bundesstaat Österreich" etabliert werden sollte. Der Salzburger
Erzbischof und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz
Franz Lackner hat dazu in einer am Montag veröffentlichten Erklärung
festgehalten: "Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirche
haben in den Tagen des Austrofaschismus in großer Einseitigkeit der
unter dem Deckmantel vermeintlich christlicher Politik agierenden
Diktatur das Wort geredet und danach gehandelt - dieses Versagen
müssen wir als Glaubensgemeinschaft bekennen."

Im Blick auf das ebenfalls am 1. Mai 1934 in Kraft getretene
Konkordat hielt Lackner zudem fest, dass dieses in der Nachkriegszeit
"letztlich zu einem Garanten für eine 'freie Kirche in einer freien
Gesellschaft' geworden" sei.

"Evangelium lässt sich nicht einsperren"

Aus der Geschichte der Ersten Republik lerne man, "dass eine enge
Verquickung von Parteipolitik und Kirchenamt für beide Seiten nicht
von Vorteil ist. Das Evangelium lässt sich nicht in die Politik
einzelner Parteien gießen, gleichsam einsperren", so Lackner. Die
Ereignisse, die vor 90 Jahren Österreich "auf die Bahn in Richtung
des mörderischen Abgrunds der nationalsozialistischen Diktatur und
des Weltkriegs führten", seien "Warnung und mahnender Ansporn",
betonte Lackner weiter.

Die Kirche sei dazu angehalten, dass sie, wo immer möglich, "mit
allen politischen Kräften dieses Landes, die seinen demokratischen
sowie die Menschenrechte und -würde achtenden Prinzipien verpflichtet
sind, am Aufbau des Gemeinwohls arbeiten wollen". Für die
Gesellschaft als Ganze gelte es, "dass wir stets auf der Hut sein
müssen, uns nicht erneut in derartige Spaltungen und Dämonisierungen
der Andersmeinenden zu verirren".

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz verwies auf den derzeit in der
katholischen Kirche laufenden Synodalen Prozess. Die Ansätze
synodaler Gesprächs- und Austauschkultur, in denen sich die Kirche
üben will, seien auch für das säkulare Miteinander geradezu
angeraten, zeigte sich Lackner überzeugt: "Der Abschied von
100-Prozent-Antworten, das Bewusstsein um die je eigene
Ergänzungsbedürftigkeit und Andockfähigkeit auf andere hin vermögen
uns bei der Überwindung der Risse, die sich durch unsere Gesellschaft
ziehen, zu helfen."

Keine Rückkehr zum Staatskirchentum

Lackner erinnert daran, dass am 1. Mai 1934 Bundespräsident Wilhelm
Miklas auch das im Juni des Vorjahres zwischen Österreich und dem
Heiligen Stuhl geschlossene Konkordat für ratifiziert erklärte. Diese
Regelung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat wurde von den
freien Regierungen der Nachkriegszeit in den wesentlichen Punkten
aufrechterhalten und sei so letztendlich zu einem Garanten für eine
"freie Kirche in einer freien Gesellschaft" geworden, wie es das
Mariazeller Manifest von 1952 ausdrücke.

In diesem Manifest habe die Kirche erklärt, sie wolle keine Rückkehr
zum Staatskirchentum, zum Bündnis von "Thron und Altar", zum
Protektorat einzelner Parteien über die Kirche, und zu allen
gewaltsamen Versuchen, vermeintlich christliche Grundsätze auf rein
organisatorischer und staatlicher Basis umsetzen zu wollen. Auch
heute erklärt sich die Kirche ohne Abstriche dieser selbstgegebenen
Zielsetzung verbunden, so Lackner: "Den Wert der freien
Religionsausübung vermögen wir gerade heute wieder zu schätzen, wenn
wir sehen, wie sehr der christliche Glaube, und nicht nur dieser, an
verschiedensten Orten immer wieder bedroht und bekämpft wird, oder
aber auch der politischen Vereinnahmung und Gängelung ausgesetzt
ist."

Die Erklärung von Erzbischof Lackner im Wortlaut:
https://www.kathpress.at/goto/meldung/2368537/

((ende)) GPU
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