• 08.03.2024, 12:28:04
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  • OTS0121

Bischöfe brechen vor EU-Parlamentswahl Lanze für Europa

Bischofskonferenz appelliert bei Frühjahrsvollversammlung an EU-Bürgerinnen und -Bürger, am 9. Juni ihr Stimmrecht auszuüben, "um damit Europa konstruktiv mitzugestalten" - Weitere Erklärungen zu den Kriegen in der Ukraine und im Heiligen Land sowie zur Weiterarbeit am Synodalen Prozess in Österreich

Utl.: Bischofskonferenz appelliert bei Frühjahrsvollversammlung an
EU-Bürgerinnen und -Bürger, am 9. Juni ihr Stimmrecht
auszuüben, "um damit Europa konstruktiv mitzugestalten" -
Weitere Erklärungen zu den Kriegen in der Ukraine und im
Heiligen Land sowie zur Weiterarbeit am Synodalen Prozess in
Österreich =

Wien (KAP) - Österreichs Bischöfe erweisen sich im Hinblick auf die
Wahl des EU-Parlaments als überzeugte Europäer: Die vielfältigen
Herausforderungen, vor denen die Welt und mit ihr Europa stünden,
gelte es - auch auf Basis des christlichen Wertefundaments und des
Beitrags von Christinnen und Christen - solidarisch zu lösen. In
ihrer mit Abstand längsten Erklärung im Anschluss an ihre
Frühjahrsvollversammlung in St. Georgen am Längsee appellieren die
Bischöfe zugleich an alle Bürgerinnen und Bürger der EU, bei der
anstehenden Wahl, die in Österreich am 9. Juni 2024 stattfindet, ihr
Stimmrecht auszuüben, "um damit Europa konstruktiv mitzugestalten und
die Demokratie zu stärken".

Weitere Erklärungen der Bischofskonferenz befassen sich mit den
Kriegen in der Ukraine und im Heiligen Land sowie der Weiterarbeit am
Synodalen Prozess in Österreich.

In ihrem Text zur Europawahl erinnern die Bischöfe an den Ursprung
der Europäischen Union als Friedensprojekt und an die "zutiefst
christlich geprägten Visionäre", denen der Anstoß zur Gründung zu
verdanken gewesen sei. Dem "primären Zweck", mit der Aussöhnung
zwischen einst verfeindeten Nationen nachhaltigen Frieden zu
schaffen, sei die EU bisher gerecht geworden. Zugleich zeige "der
furchtbare Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine" deutlich, "wie
wichtig und zugleich gefährdet" der Friede sei.

Sorge äußern die Bischöfe um den christlichen Glauben als
Wertefundament, "der immer mehr in Vergessenheit zu geraten droht".
Die Europäische Union fuße auf der uneingeschränkten Achtung vor der
Würde jedes einzelnen Menschen. "Wo Europa diese Grundlagen verliert,
ist letztlich immer der Mensch in Gefahr", warnen die Bischöfe.

In ihrer Erklärung nennen die Bischöfe fünf akute Problembereiche,
die jenseits nationalstaatlicher Teilinteressen Zusammenhalt
erforderten: Achtung vor dem menschlichen Leben, Migration, Ukraine
und Außenerweiterung, Klima- und Umweltkrise sowie Künstliche
Intelligenz und Digitalisierung. Kritik üben sie an den zahlreichen
Aufrufen des Europäischen Parlaments und einiger Regierungen,
Abtreibung in die Charta der Grundrechte aufzunehmen, sie pochen auf
die Einhaltung des Grundrechts auf Asyl und sprechen sich auch vor
dem Status der Ukraine als EU-Bewerberland für "weiterhin unbedingte
Solidarität" mit dem Land aus, "auch wenn es uns viel kosten mag".

Gegen die Klima- und Umweltkrise müsse alles getan werden, um die
bedrohlichen Folgen des Klimawandels so gering wie möglich zu halten,
betonen die Bischöfe weiter. Und besondere Wachsamkeit erforderten
der Möglichkeiten in den Bereichen Künstliche Intelligenz und
Digitalisierung, "die Menschen manipulieren, ihre Freiheit
einschränken und das demokratische Zusammenleben fundamental
gefährden können".

Keine Wahlempfehlung, aber Kriterien

Die österreichischen Bischöfe vertrauen bei der Europawahl im
kommenden Juni auf die "Mündigkeit und Urteilskraft" der Wählerinnen
und Wähler und geben keine Wahlempfehlung ab; wohl aber gebe es
Kriterien, die es beim Urnengang zu berücksichtigen gelte: Der Linzer
Bischof Manfred Scheuer nannte am Freitag in seiner Funktion als
stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz
etwa das Hochhalten von Menschenrechten und Menschenwürde, das
Ernstnehmen der Klimakrise und der Interessen nachkommender
Generationen, Bereitschaft zur Solidarität mit den Schwachen in der
Gesellschaft und die Beachtung rechtsstaatlicher Standards.

Wichtig für die Demokratie sei jedenfalls, das Wahlrecht auszuüben,
betonte Bischof Scheuer bei einer Pressekonferenz im Wiener Club
Stephansplatz 4, bei der er den verhinderten
Bischofskonferenz-Vorsitzenden Erzbischof Franz Lackner vertrat.
Gefährdet sieht Scheuer die Demokratie durch "Blasenbildung" in den
sozialen Medien, durch die Polarisierung zunehme und öffentliche
Debatten verarmen würden.

Hilfe für die Ukraine "lebensnotwendig"

Weil ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine
"leider nicht Sicht ist, sind Hilfe und Solidarität lebensnotwendig".
Das betonen die österreichischen Bischöfe in einer Erklärung mit
Blick auf den seit mehr als zwei Jahren tobenden Konflikt im Osten
Europas. Die Attacke Russlands als Ursache für das Leid der 17,6
Millionen Menschen, die in der Ukraine auf humanitäre Hilfe
angewiesen sind, und der 6,3 Millionen Heimatvertriebenen sei "ein
schweres Unrecht, das immer wieder klar benannt werden muss".

Gewürdigt wird in dem Text das Engagement der österreichischen
Caritas, die seit 30 Jahren in der Ukraine im Einsatz sei und aktuell
Projekte zu Winterhilfe, Altenpflege und Hilfe für Kinder durchführe.
Ein Gutteil der Mittel für diese Hilfe sei Menschen zu verdanken, die
dafür spenden, wiesen die Bischöfe hin. Sie sehen aber auch die
öffentliche Hand gefordert: Der Auslandskatastrophenfonds solle bis
2030 auf insgesamt 200 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt werden;
für Vertriebene aus der Ukraine in Österreich forderten die Bischöfe
eine langfristige Perspektive und bessere Integrationsangebote.

Heiliges Land braucht endlich Frieden

"Das Leid der Menschen im Heiligen Land schreit zum Himmel" - es
erfordere die unverzügliche Geiselfreilassung durch die Hamas, einen
Waffenstillstand und "endlich ausreichend humanitäre Hilfe" für die
Menschen in Gaza. Diesem bereits mehrfach von Papst Franziskus und
dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Kardinal
Pierbattista Pizzaballa, erhobenen Appell schließen sich die
österreichischen Bischöfe in einer Erklärung zum aktuellen
Nahost-Konflikt "aus tiefster Überzeugung" an: "Jeder noch so kleine
Schritt, der das Leid mildert und die Hoffnung auf Frieden nährt,
muss gesetzt werden."

Seit dem "brutalen Angriff der islamistischen Terrororganisation
Hamas am 7. Oktober 2023" und der militärischen Reaktion Israels
darauf "nimmt das Sterben kein Ende", zeigt sich der heimische
Episkopat betroffen. Tausende Zivilisten seien bereits ums Leben
gekommen, verletzt oder durch fehlende Lebensgrundlagen bedroht. An
die Hamas richten die Bischöfe die eindringliche Forderung, "die
palästinensische Bevölkerung in Gaza nicht länger in Geiselhaft zu
nehmen".

Zugleich bekräftigen sie das legitime Existenzrecht Israels und jenes
auf Selbstverteidigung, Frieden und Sicherheit. Ein Ende der Gewalt
liege nicht nur im Interesse der Menschen in Gaza und in den
Palästinensergebieten, sondern auch im Interesse Israels und seiner
Bewohner, so die Überzeugung der Bischöfe. "Nicht nur der Papst"
setze sich weiterhin für eine Zwei-Staaten-Lösung im Heiligen Land
ein. Eine gerechte politische Ordnung, die Israelis und
Palästinensern ein Leben in Würde und mit Zukunftsperspektiven
ermögliche, sei "die einzige nachhaltige Sicherheitsgarantie gerade
auch für Israel".

Intensivierte Weiterarbeit an der Weltsynode

Von einer intensivierten und guten Weiterarbeit am weltweiten
Synodalen Prozess in Österreich berichte die Bischofskonferenz in
einer eigenen Erklärung, in der sie auch den Fahrplan bis zur zweiten
Weltbischofssynode im kommenden Oktober skizziert. Es habe sich eine
"synodale Gesprächskultur" etabliert, die sich bereits in der
Bischofssynode im vergangenen Herbst in Rom bewährt habe: "Diese
Haltung bewahrt vor Rechthaberei, populistischer Spaltung oder der
Einebnung von berechtigten Differenzierungen", erklärten die
Bischöfe. Methodisch wie auch inhaltlich wirke sich der Synodale
Prozess auch auf die bereits bestehenden diözesanen
Kirchenentwicklungsprozesse in Österreich aus.

Der bei der ersten Weltsynode beschlossene "Synthese-Bericht" werde
seit Dezember sowohl auf diözesaner als auch auf nationaler Ebene
inhaltlich vertieft. Ergebnisse werden bis zum 25. April
festgehalten, aus allen Eingaben erstellt das nationale Synodenteam
eine achtseitige Zusammenfassung, die als Österreich-Bericht bis 15.
Mai an das Synodensekretariat in Rom ergeht.

Immer wieder im Blick seien Fragen zur Teilhabe von Laienchristen an
kirchlichen Ämtern und Vollzügen, speziell auch die Stellung der Frau
in der Kirche. Leitend bei allen Themen ist nach den Worten der
Bischöfe "das Bemühen um eine synodale Kirche, die missionarisch in
die gegenwärtige Gesellschaft hineinwirkt".

((ende)) RME/PWU
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