- 07.03.2024, 10:23:21
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- OTS0097
34 Jahre bis zur Gleichstellung – das dauert zu lange!
AMS: Mehr Geschwindigkeit für Gleichstellung von Frau und Mann am Arbeitsmarkt gefordert
Utl.: AMS: Mehr Geschwindigkeit für Gleichstellung von Frau und Mann
am Arbeitsmarkt gefordert =
Wien (OTS) -
- Gleichstellung geht zu langsam
- Bei Familie, Arbeitszeit und Einkommen größter Abstand
- AMS Frauenförderprogramm
„Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dann dauert es noch 34 Jahre bis
Frauen den Männern am Arbeitsmarkt gleichgestellt sind. Das ist
eindeutig nicht zu akzeptieren“, sagte heute AMS-Vorständin Petra
Draxl anlässlich des bevorstehenden Internationalen Weltfrauentages.
Von vier Faktoren, die die Gleichstellung am Arbeitsmarkt abbilden,
haben Frauen nur bei der Bildung die Nase vorne. Bei den restlichen
drei Faktoren – Familie, Arbeitszeit und Gehalt – liegen die Werte
von Frauen zum Teil deutlich hinter den Männern.
Gleichstellungsindex für den Arbeitsmarkt
Das AMS lässt in regelmäßigen Abständen in der Studie
„Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt“ das Gleichstellungspotenzial am
österreichischen Arbeitsmarkt erheben. Hierbei werden die
Entwicklungen in den Themenfeldern Arbeit, Einkommen, Familie und
Bildung anhand von 30 Indikatoren berechnet. Als Vergleichswert
gelten Männer mit 100 Prozent. Erst wenn Frauen 100 Prozent in einem
Bereich erreichen, entspricht das einer faktischen Gleichstellung
zwischen Frauen und Männern.
In den letzten neun Jahren hat sich die Position von Frauen am
Arbeitsmarkt lediglich um sechs Prozent verbessert: von 70 Prozent im
Jahr 2015 auf 76 Prozent in 2023. „Die Gleichstellung am Arbeitsmarkt
steigt also laut Gleichstellungsindex durchschnittlich lediglich um
0,7 Prozentpunkte pro Jahr“, rechnet der AMS-Vorstandsvorsitzender
Johannes Kopf vor. „Hier muss eindeutig mehr Geschwindigkeit
aufgenommen werden.“
Bei Familie, Arbeitszeit und Einkommen größter Abstand
Während Frauen durchschnittlich zwischen 18 und 24 Monate in Karenz
verbringen, geht nur ein Prozent der Väter mindestens sechs Monate in
Karenz. Die Familiengründung erweist sich daher für Frauen als
besonders nachteilig. Zusätzlich reduzieren Frauen nach der Karenz
viel häufiger als Männer ihre Arbeitszeit und gehen in Teilzeit. Das
führt wiederum dazu, dass Frauen nach der Karenz nicht mehr in
dieselbe Funktion einsteigen, was sich ebenfalls auf den weiteren
Berufsweg sowie auf das Lebenseinkommen negativ auswirkt. In der
Folge erreichen Frauen im Gleichstellungsindex im Bereich Familie mit
38 Prozent den niedersten Wert.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Themen Arbeitszeit und
Leitungsfunktionen. Derzeit befinden sich 51 Prozent der Frauen und
74 Prozent der Mütter in einer Teilzeitbeschäftigung. Bei den Männern
gibt es den umgekehrten Effekt. 13 Prozent aller Männer, aber nur
acht Prozent der Väter arbeiten laut Statistik Austria Teilzeit.
„Interessant in diesem Zusammenhang, dass nur 27 Prozent der Frauen
angeben, sich freiwillig für Teilzeit entschieden zu haben“, so Petra
Draxl.
Zudem bleibt die vertikale Segregation in Österreich konstant:
Aktuell befinden sich 17,7 Prozent der unselbstständig beschäftigten
Frauen in einer Leitungsfunktion, bei den Männern sind es hingegen 30
Prozent.
Laut der aktuellen Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria zeigt
sich, dass Frauen sogar dann mehr Hausarbeit leisten, wenn ihr
Erwerbsausmaß höher ist als jenes ihrer männlichen Partner. Sind
Frauen im selben Ausmaß erwerbstätig wie Männer, tragen sie sogar 64
Prozent der unbezahlten Hausarbeit und Kinderbetreuung. Ihre Partner
nur 36 Prozent. Aber es ist nicht nur die Kinderbetreuung: Frauen –
auch ohne Kinder – übernehmen mit 3,32 Stunden pro Tag wesentlich
mehr unbezahlte Arbeit als Männer (2,14 h/Tag). „Gleichberechtigung
muss als schon in der Partnerschaft beginnen und darf nicht nur eine
Lenkungsaufgabe des Staates sein“, macht Draxl aufmerksam.
Gender Pay Gap
Der dritte Punkt, bei dem Frauen deutlich schlechter abschneiden als
Männer, ist die Bezahlung, denn Frauen bekommen über ihre gesamte
Erwerbsbiografie deutlich niedrigere Einkommen als Männer. Beim
Berufseintritt beträgt der Gender Pay Gap bereits durchschnittlich
zwei Euro pro Stunde und steigt im Alter von 60 Jahren auf sechs Euro
pro Stunde an. Dieser Unterschied zeigt sich auch im
Gleichstellungsindex, nach dem Frauen im Schnitt nur 77 Prozent eines
Männergehalts verdienen.
Frauen bei Bildung führend
Bei der Bildung kehrt sich das Bild um: Hier verfügen Frauen über
eine höhere Reifeprüfungsquote, eine stärkere Weiterbildungsaffinität
und höhere Anteile im tertiären Bildungsbereich. Der
Gleichstellungsindex liegt im Bildungsbereich bei 136 Prozent, also
bringen Frauen durchschnittlich bereits ein wesentlich größeres
Bildungskapital mit als Männer. „Die Ergebnisse zeigen jedoch auch,
dass Frauen am Arbeitsmarkt nicht gleichbehandelt werden, denn trotz
besserer und höherer Bildung gelingt es ihnen nicht, die anderen
Benachteiligungen wettzumachen“, verweist Johannes Kopf auf einen
weiteren Missstand.
Forderungen für Frauen
Um die Chancen für Frauen am Arbeitsmarkt rasch anzuheben, fordert
das AMS, folgende arbeitsmarktpolitische Maßnahmen rasch umzusetzen:
- Kinderbetreuungseinrichtungen in ganz Österreich so umgestalten,
dass diese mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind.
- Führen in Teilzeit muss in Betrieben forciert werden, damit Frauen
die Möglichkeit bekommen, trotz Betreuungspflichten entsprechend
ihrer Ausbildung und Fähigkeiten eingesetzt zu werden.
- Karenzmodelle ausweiten, die Vätern eine echte Teilhabe bei der
Sorgearbeit ermöglichen.
Arbeitsmarktpolitisches Frauenprogramm des AMS
Das AMS bekämpft aktiv die Schieflage am österreichischen
Arbeitsmarkt, um die Situation für Frauen zu verbessern. Um Frauen
speziell zu fördern, werden vier Prozent der Fördermittel mehr an
Frauen ausgeschüttet, als der Frauenanteil an der jährlichen
Arbeitslosenrate beträgt. Das AMS setzt zudem zahlreiche aktive
Maßnahmen zur Frauenförderung:
Die Frauenberufszentren
Ein österreichweites Beratungs- und Berufsorientierungsangebot, in
dem Frauen maßgeschneidert an ihrer beruflichen Laufbahn arbeiten
können. Zum Angebot der Frauenförderung gehören berufliche
Orientierung, Kompetenzerhebung, Karriereplanung, Qualifizierung und
Unterstützung bei der Jobsuche.
Wiedereinstieg unterstützen
Eine spezielle Beratung für Menschen, die nach einer meist längeren
familienbedingten Unterbrechung wieder am Arbeitsmarkt Fuß fassen
wollen. Speziell für Frauen gibt es den Kurs „Wiedereinstieg mit
Zukunft“, der bereits während des Bezugs von Kinderbetreuungsgeld
besucht werden kann.
Frauen in Handwerk und Technik
Ein Bildungsprogramm speziell für Frauen, die sich für einen
technischen und/oder handwerklichen Beruf interessieren. Mit diesem
Qualifizierungsprogramm, das besonderen Wert auf die durchgehende
Unterstützung und Beratung der Kundinnen legt, trägt das AMS dazu
bei, die geschlechtsspezifische Teilung am Arbeitsmarkt in schlecht
bezahlte Frauenbranchen und besser bezahlte Männerbranchen
aufzubrechen.
Die Studie „Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt“ kann unter folgenden
Link des AMS-Forschungsnetzwerks abgerufen werden:
https://ams-forschungsnetzwerk.at/downloadpub/2023-AMS-Gleichstellung
sindex.pdf
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