• 07.03.2024, 06:00:18
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Greenpeace-Recherche: Bauprojekte auf Österreichs Gletschern durchgewunken

Gesetze schützen Gletscher nicht - Greenpeace fordert gemeinsam mit Biodiversitätsforscher Franz Essl Gletscherschutz auszuweiten

Utl.: Gesetze schützen Gletscher nicht - Greenpeace fordert
gemeinsam mit Biodiversitätsforscher Franz Essl
Gletscherschutz auszuweiten =

Wien (OTS) - Eine Greenpeace-Recherche (https://act.gp/3wHUSto)
zeigt: Die Gletscher in Österreich sind ungeschützt. Beantragt ein
Skigebiet etwa eine neue Piste oder einen Schlepplift, so wird das
Projekt von den Behörden in der Regel durchgewunken. Ob dabei die
Natur zerstört wird, wird meist nicht ausreichend geprüft. Laut
Recherche war das bei 13 von insgesamt 14 eingereichten Bauprojekten
in den letzten sechs Jahren der Fall. Gemeinsam mit dem
Biodiversitätsforscher Franz Essl fordert Greenpeace die Bundesländer
auf, den Gletscherschutz auszuweiten und neue Baumaßnahmen auf
Gletschern komplett zu verbieten.

Greenpeace-Sprecherin Ursula Bittner: “Gletscher gelten in Österreich
als unantastbar, solange kein wirtschaftliches Interesse im Spiel
ist. Für eine neue Piste hier und eine Beschneiungsanlage dort,
werden schon mal beide Augen zugedrückt.” Greenpeace hat alle
eingereichten Bauprojekte seit 2017 in den Datenbanken des
Umweltbundesamtes durchgesehen, bei denen eine
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Raum stand. Bei den insgesamt
14 Fällen wurde nur einmal eine Prüfung angeordnet - und dieses
Projekt vom Projektwerber mittlerweile zurückgezogen. Alle anderen
Projekte wurden ohne Rücksicht auf die Natur bewilligt. Darunter
fallen etwa die von Greenpeace aufgedeckte Mega-Baustelle in Sölden
oder die Projekte am Kitzsteinhorn in Salzburg. Zwar gibt es auf
Bundes- sowie Landesebene verschiedene Gesetze, die Gletscher
schützen sollen, doch es wurden diverse Ausnahmen gemacht. Etwa um
Skigebiete vergrößern zu können. “Die Gesetze wurden zurechtgebogen
und sind damit wirkungslos”, sagt Bittner.

Ein weiterer Schwachpunkt im Gletscherschutz: Im derzeitigen
Bundesgesetz (UVP-Verordnung) wird nicht der gesamte Gletscher
geschützt. Das Vorfeld sowie die Moränen, die zum Teil auch aus
Gletschereis bestehen, sind von vornherein ausgeklammert.
Biodiversitätsforscher Franz Essl: “Das ist ein fataler Fehler. Das
Vorfeld und die Moränen sind nicht nur ein Lebensraum für viele
gefährdete Arten. Wird hier gebaggert und gesprengt, wird damit auch
ein natürliches Schutzschild vor Muren und Steinschlag zerstört.”
Denn die hier wachsenden Pflanzen, wie etwa verschiedene
Steinbrech-Arten, verfestigen den Boden und binden das Wasser. In
diesem Gletschergebiet finden jedoch vermehrt Bauarbeiten statt.
“Statt nur Teile des Gletschers zu schützen, muss das gesamte
Gletschergebiet gesetzlich unter Schutz gestellt werden”, sagt Essl.
Ein umfassender Gletscherschutz wäre in der UVP-Novelle aus dem Jahr
2021 enthalten gewesen, wurde jedoch gestrichen.

Greenpeace fordert gemeinsam mit Essl die Bundesländer auf, den
Gletscherschutz auszuweiten und Vorfeld sowie Moränen unter Schutz zu
stellen. Für die Umweltschutzorganisation ist zudem klar:
“Gletscherschutz muss in Zukunft glaubwürdig sein, ohne Ausnahme.
Bagger- und Sprengarbeiten auf Gletschern müssen verboten werden.
Stattdessen muss dafür gesorgt werden, dass Skigebiete abseits der
Gletscher erhalten bleiben. Dazu gehört ein umfassender Klimaschutz,
den auch der Wintertourismus wahrnehmen muss”, sagt Bittner.

Die Greenpeace-Analyse finden Sie hier: https://act.gp/3wHUSto

Bild- Videomaterial zu Bauarbeiten am Gletscher (Sölden 2023) finden
Sie hier: https://act.gp/3sWXkdP
Die Fotos stehen für eine einmalige Verwendung unter Angabe der Photo
Credits (© Greenpeace) kostenlos zur Verfügung.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GRP

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