- 29.02.2024, 11:14:03
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TV-Premiere für „Universum History“-Doku „Aufstand im Bordell – Frauenhandel um 1900“ am 5. März um 21.05 Uhr in ORF 2
Zum Weltfrauentag-Programmschwerpunkt mit Maria Hofstätter, Alice Prosser, Markus Schleinzer, Fanny Altenburger, Gina Christof und Julia Wozek
Utl.: Zum Weltfrauentag-Programmschwerpunkt mit Maria Hofstätter,
Alice Prosser, Markus Schleinzer, Fanny Altenburger, Gina
Christof und Julia Wozek =
Wien (OTS) - Die Bordellbesitzerin Regine Riehl wird vom k.k.
Landesgericht Wien im November 1906 zu dreieinhalb Jahren Kerker
verurteilt. Sie hat junge Prostituierte in ihrem Haus eingesperrt,
ausgebeutet und misshandelt. Eine von ihnen, Marie König, hat den
Aufstand gewagt und sich einem Journalisten anvertraut. Seine
Veröffentlichungen lösen einen Skandal aus, der die Wiener
Gesellschaft erschüttert und ihre Doppelmoral offenbart. Zugleich
werfen Marie Königs Enthüllungen ein scharfes Licht auf die Abgründe
des weltweiten Prostitutionsgeschäfts des Fin de Siècle.
Die bewegende, auf den originalen Prozessakten basierende „Universum
History“-Neuproduktion „Aufstand im Bordell – Frauenhandel um 1900“
von Stefan Ludwig spannt im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zum
Weltfrauentag (Details unter presse.ORF.at) am Dienstag, dem 5. März
2024, um 21.05 Uhr in ORF 2 den Bogen von Wien über Hamburg bis
Buenos Aires. Die mit Maria Hofstätter in der Rolle von Regine Riehl,
Alice Prosser als Marie König und Markus Schleinzer als Richter Feigl
hochkarätig besetzte österreichische Produktion entstand als
Koproduktion von ORF, NDR-ARTE und Geyrhalter Film, gefördert vom
Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien, mit Unterstützung von VAM
und ORF-Enterprise.
Die 16-jährige Wiener Arbeitertochter Marie König läuft im Frühjahr
1902 ihrem prügelnden Vater davon. Kurz darauf wird sie in der
Praterstraße von einer Kupplerin angesprochen, die sie gegen eine
Vermittlungsprovision in das Bordell der Regine Riehl bringt. Statt
des versprochenen „selbstbestimmten Lebens in Reichtum“ erlebt Marie
dort Sklaverei: Die Türen sind verschlossen, Geld bekommt sie nicht,
psychische und körperliche Gewalt sind an der Tagesordnung. Ihr Vater
kassiert von Riehl eine monatliche Zahlung. Drei Jahre später
vertraut sich Marie dem Journalisten Emil Bader an, der die Zustände
im „Salon Riehl“ öffentlich macht und die Bordellbetreiberin vor
Gericht bringt. Der Riehl-Prozess, über den auch Karl Kraus berichtet
hat, wühlt die Öffentlichkeit auf, weit über Wien hinaus. Mit einer
Mischung aus Voyeurismus, Empörung und Mitleid nimmt das Publikum
detaillierten Einblick in die Lebensumstände der „Freudenmädchen“.
Marie König ist kein Einzelfall. Die boomende Metropole Wien ist
damals Schauplatz einer riesigen Elends- und
Gelegenheitsprostitution, von der die polizeilich tolerierten
Bordelle nur die Spitze des Eisbergs ausmachen. Prostitution ist zwar
illegal, aber geduldet: Die Mehrheit der Gesellschaft betrachtet sie
als „notwendiges Übel“ für die sexuellen Bedürfnisse der Männer. Um
den Schutz vor Geschlechtskrankheiten zu gewährleisten, überwacht die
Polizei die Prostituierten und zwingt sie zu regelmäßigen ärztlichen
Untersuchungen. Feministinnen laufen Sturm gegen dieses System der
Doppelmoral. Sie wollen die Prostitution abschaffen, anstatt sie
staatlich zu regulieren. Die Debatte um Moral, Prostitution und
Frauenrechte wird weltweit geführt. Die Parallelen zu heute – sowohl
in der internationalen Debatte als auch in den Mechanismen, die zur
Ausbeutung der Frauen führen – sind dabei nicht zu übersehen.
In „Aufstand im Bordell“ weist Historikerin Nancy Wingfield darauf
hin, dass manche Frauen in der Prostitution – trotz ausbeuterischer
und gewalttätiger Strukturen – Handlungsoptionen besaßen und selbst
an der Verbesserung ihrer Situation arbeiten konnten. Etwa, indem sie
aufbegehrten – wie Marie König. Andere schafften innerhalb des
Systems Prostitution den Aufstieg oder verließen irgendwann still und
leise das Gewerbe, heirateten oder wechselten in andere Jobs. Das
Ende des Wiener Riehl-Prozesses zeigt diese unterschiedlichen
Lebenswege auf. Riehl wird verurteilt. Marie König lässt die
Prostitution hinter sich. Andere bleiben, klagen aber in einem
Zivilprozess vorenthaltene Verdienste ein. Eine der Frauen macht
später selbst ein Vermögen als Bordellchefin. Der Riehl-Prozess war
mehr als ein Skandal. Er war ein Schlüsselmoment, in dem Frauen in
der Prostitution erstmals öffentlich aus ihrer Opferrolle
heraustraten.
In den Reenactments agiert Maria Hofstätter in der Hauptrolle der
Regine Riehl. Markus Schleinzer, der 2023 im aufsehenerregenden
TV-Film „Die Wannseekonferenz“ mitwirkte, spielt Richter Feigl. Mit
Alice Prosser als Marie König ist eine aufsteigende
Jungschauspielerin zu sehen, die zuletzt in Marie Kreutzers Film
„Corsage“ brilliert hat. In weiteren Rollen sind Fanny Altenburger
als Angeklagte Marie Winkler, Gina Christof als Angeklagte Marie
Pokorny und Julia Wozek als Angeklagte Anna Christ zu sehen.
Statements zur Produktion
Markus Glaser, Produzent Geyrhalter Film: „Ungleichbehandlung und
Gendergerechtigkeit sind die Themen der Stunde. Vor dem Hintergrund
der #metoo-Diskussion und der Retro-Rache von Bewegungen in ganz
Europa, die die Emanzipation der Frauen wieder zurückdrängen wollen,
ist ‚Aufstand im Bordell‘ ein zeitgemäßer, gesellschaftspolitisch
relevanter und höchst aktueller Film.“
Caroline Haidacher, „Universum History“-Chefin: „Mit dieser
außergewöhnlichen Produktion gibt ‚Universum History‘ jenen
Akteurinnen eine Stimme, die zu den am meisten diskriminierten und
unsichtbarsten Gruppen gehören: den Sexarbeiterinnen.
Selbstverständlich haben auch sie in der österreichischen Geschichte
eine Rolle gespielt und durch ihren Mut, vor Gericht auszusagen, eine
europaweite Debatte ausgelöst. Die Geschichte dieser Frauen muss
erzählt werden, ihnen – Frauen wie Marie König, Marie Pokorny, Marie
Winkler, Anna Christ – gehört ein Denkmal gesetzt. Auch um zu zeigen,
wie wenig sich in manchen Bereichen im gesellschaftlichen Umgang mit
Frauen in den vergangenen 120 Jahren verändert hat.“
Stefan Ludwig, Regisseur: „Die Riehl-Akten faszinieren mich immer
wieder neu: Sie sind ein Stück ‚Geschichte von unten‘, ein Stück
Frauengeschichte und ein ganz seltenes historisches Dokument: Hier
treten ein Bordellbetrieb um 1900, der Alltag der Sexarbeiterinnen
und die enorme Zivilcourage der Frauen detailreich und ungeschminkt
zu Tage. Der Prozess gegen die Bordellchefin Riehl war ein
Wendepunkt: Sexarbeiterinnen ließen sich Einschüchterung und
Stigmatisierung nicht mehr gefallen und forderten vor Gericht ihre
Rechte ein. Die Prozessakten erzählen eine beeindruckende Geschichte
vom harten Alltag im Bordell, aber auch von Mut und Zusammenhalt.“
Maria Hofstätter: „In diesem ‚Universum History‘ wird ein ganz
spannender Prozess aufgearbeitet, der 1906 stattgefunden hat: Von
jungen Prostituierten wurde eine Bordellbesitzerin angeklagt – und
dann auch verurteilt. Zum ersten Mal hat man öffentlich und offiziell
über Prostitution gesprochen. Es ist erschreckend, wie wenig sich in
den letzten 120 Jahren geändert hat: Schulden, Sklaverei und
Abhängigkeiten, die es Frauen sehr schwer machen, wieder
auszusteigen. Geschichten wie diese spielen sich heute genauso ab wie
damals.“
Markus Schleinzer: „Der Mut dieser Frauen ist bewundernswert – und
der Film ist auch eine Geschichte über Zivilcourage: Menschen, die
unter schwierigsten Bedingungen ihr Leben fristen mussten, taten sich
zusammen und schafften auf diese Art gesellschaftliche Veränderungen.
Das ist das, was mich an der Geschichte so berührt.“
Alice Prosser: „Marie König ist ein zeitloses Vorbild für mutige
Frauen, die sich gegen eine Welt der Unterdrückung wehren. Es war ein
Privileg, dieser historischen Persönlichkeit erneut Leben verleihen
zu dürfen! Ihre Geschichte ist nach wie vor aktuell: Kampfgeist für
Veränderung der Frauenrolle im System.“
Details zur „Universum History“-Produktion „Aufstand im Bordell –
Frauenhandel um 1900“ sowie zum ORF-Programmschwerpunkt zum
Weltfrauentag sind unter presse.ORF.at abrufbar.
Video(s) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalvideo-Service
sowie im OTS-Videoarchiv unter http://video.ots.at
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