• 15.01.2024, 11:14:04
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  • OTS0049

„So ist das Leben“ und „Lebensfreude“ in „kreuz und quer“

Am 16. Jänner ab 22.35 Uhr in ORF 2

Utl.: Am 16. Jänner ab 22.35 Uhr in ORF 2 =

Wien (OTS) - Wenn eine hohe Erwartungshaltung unerfüllt bleibt,
stellt sich Frustration ein. Das Gefühl macht sich breit, dass alle
Anstrengungen umsonst waren. Emotionen und Gedanken des Versagens und
der Ohnmacht lähmen die vitalen Kräfte. Und vielleicht – je nach
Charakter – regen sich auch aggressive Gefühle. Wer hingegen auf
Enttäuschungserfahrungen dieser Art mit einer gewissen Gelassenheit
reagieren kann und den niederdrückenden Emotionen Grenzen zu setzen
vermag, hat eine ausgeprägte Frustrationstoleranz. Und diese lässt
sich Schritt für Schritt einüben – und macht innerlich freier.
Frustration ist nicht umsonst. Carola Timmel hat für ihren „kreuz und
quer“-Film „So ist das Leben“ Menschen getroffen, die auf dem Weg zu
einer höheren Frustrationstoleranz bereits Fortschritte gemacht haben
– ohne dass sie Rückschritte verschweigen. Der Film macht am
Dienstag, dem 16. Jänner 2024, um 22.35 Uhr in ORF 2 auch deutlich,
dass eine weitere Perspektive auf das Dasein es leichter möglich
macht, sich von den vielen ermüdenden und frustrierenden
Begebenheiten des Alltags nicht kleinkriegen zu lassen: Unter dem
Gesichtspunkt der Ewigkeit relativiert sich so manches irdische
Ärgernis. Frustrationstoleranz hat so gesehen auch eine spirituelle
Dimension.

„Lebensfroh bin ich dadurch geworden, dass ich es mir erarbeitet
habe. Wenn ich jemanden gesehen habe, der missmutig war, habe ich für
mich beschlossen: ‚Nein – so möchte ich nicht sein‘“, so beschreibt
Marion Schröder, eine der Protagonistinnen der „kreuz und
quer“-Dokumentation „Lebensfreude“ (23.20 Uhr), ihre Einstellung.
Viele machen ihre Lebensfreude von äußeren Umständen abhängig – sei
es die Beziehung, der Job oder das Wetter. Im Film von Michael Cencig
werden drei Personen vorgestellt, denen ihre positive Grundstimmung
oft nicht leicht gemacht wurde – und die dennoch immer wieder einen
Zugang dazu gefunden haben.

„So ist das Leben“ – Ein Film von Carola Timmel

Reza Khabbaz, ehemaliger Profi-Musiker, ist jemand, der Frustration
gut kennt. Sein Gitarrenspiel musste der ehemalige Profi-Musiker
wegen einer Krankheit aufgeben, bei der die Finger plötzlich
streiken. Nach einem Tiefpunkt vor einigen Jahren suchte er nach
einer beruflichen Alternative – und er fand sie im Klavierbau. Der
aus Persien stammende Musiker zeigt, dass es gelingen kann, große
Frustrationen hinter sich zu lassen und neue Wege zu finden.

Einer, der Frustrationstoleranz offensichtlich ebenfalls gut
kultiviert hat, ist Stefan Schöner – Gastwirt im Wienerwald. Sein
Universum ist ein Wirtshaus mit Schanigarten unter altem Baumbestand,
ein Hühnerstall und ein Schuppen für den Traktor. An manchen Tagen
ist der Gastgarten mit Gästen voll besetzt – ein möglicher
Stressfaktor, der Frustration vorprogrammiert. Als wichtigen
Frustrationsgegenspieler nennt Stefan Schöner Ruhe und Gelassenheit.
So kann ihn auch beim berühmten „Vorführeffekt“ nichts aus der Ruhe
bringen: Als die Motorsäge, die er anwerfen möchte, versagt, reagiert
er ganz und gar nicht frustriert, sondern sagt entspannt: „C’est la
vie!“

Frustration im Zusammenhang mit Krankheit ist ebenfalls ein Thema des
Dokumentarfilms: Pensionist Horst Haider erzählt, wie es ihm damit
geht, dass er mit seiner an Alzheimer erkrankten Frau nicht mehr
kommunizieren kann: „Sie ist heute für mich wie ein kleines Baby, das
entdeckt, ob etwas schmeckt oder nicht – und dann die Freude, wenn
sie hie und da die Augen aufmacht.“ Momente wie diese geben ihm
Kraft, mit der großen Herausforderung einigermaßen umzugehen.

Eine spannende Herangehensweise an Frustrationserfahrungen ist das
von der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation inspirierte Programm
MBSR. Tina Draszczyk gibt Einblicke in diese meditativen Techniken
und stellt eine grundsätzliche Frage: „Was ist denn verkehrt an der
Frustration – wenn ich weiß, wie ich mit ihr umgehe!?“ Gefühle der
Frustration seien Momente, die einen daran erinnern, nach innen zu
schauen: „Und diese Art, mit mir selbst in Beziehung zu treten, gibt
mir eine gute Ressource, mich neu zu kalibrieren.“

Hinfallen und wieder aufstehen ist eine elementare Erfahrung, die
Kinder möglichst früh lernen sollten, meint Zirkuspädagogin Ruth
Schleicher. Sie ist Leiterin einer Zirkusschule – eine Institution,
die mit Bewegungen der Zirkuskunst arbeitet und ein Spektrum zwischen
anstrengenden Übungen und ästhetischer Körpererfahrung anbietet. In
einer Zeit, wo Kinder viel Druck aushalten müssen, lernen sie dort
Wesentliches im Umgang mit Frustration. „Viele der Kinder, die zu uns
kommen, bringen Spannungszustände von der Schule mit. Erhöhte
Leistungsanforderungen oder Gefangenheit in Gruppendynamiken sind
eine der wesentlichen Gründe für Frustration“, sagt die
Zirkuspädagogin. Und hier sei Bewegung ein Regulativ, durch das
Emotionen wie Frustration ausgedrückt und verarbeitet werden können.
Denn nicht alle Kinder hätten eine Sprache dafür. Der Dokumentarfilm
zeigt an diesen und anderen Beispielen, wie mit Frustration
konstruktiv umgegangen werden kann – und auch, wie Religion und
Spiritualität bei der Bewältigung von Frustrationen hilfreich sein
können.

„Lebensfreude“ – Ein Film von Michael Cencig

„Ich will mir jeden Tag als Abenteuer gestalten, weil mir das Freude
bereitet. Natürlich habe ich auch Tage, wo ich mir denke ‚puh …‘ –
aber dann erinnere ich mich wieder: Du bist da, du kannst das machen.
Andere liegen am Zentralfriedhof und werden das nie mehr machen
können.“ So motiviert sich Josef Köberl täglich für seine Aufgaben.
Der frühe Tod seines Vaters und seiner Schwester haben ihn geprägt.
Als Brotberuf arbeitet er im Klimaschutzministerium, doch seine
Leidenschaft gilt voll und ganz dem Schwimmen im eiskalten Wasser:
„Im Endeffekt will ich mein Leben ausfüllen. Den hohlen Körper, den
ich habe, befüllen mit Freude. Die Natur, das saubere Wasser, das
Herz pocht, du spürst die Kälte – traumhaft, oder?“

„Wenn man gegen den Strom schwimmt, lernt man viel und bekommt auch
viel Kraft dadurch.“ Der indische Franziskanermönch Sandesh Manuel
meint damit allerdings andere Widerstände als das Wasser. Der
Geistliche ruft immer wieder Verwunderung hervor durch sein
spezielles Hobby: den Rap. Auch wenn sich manche an Sandeshs
Rap-Videos stoßen mögen – Sandesh bekennt sich dazu, ein „Kasperl
Gottes“ zu sein. Er strahlt Freude aus und lacht gerne. Dennoch
stellt er fest: „Das Leben besteht aus Hochs und Tiefs. Aber es geht
nicht um dieses Oben und Unten – es geht ums Vorangehen, ums
Weitermachen. Weil ich merke, jeden Tag findet eine Entwicklung
statt. Wir sind VER-wickelt und ENT-wickeln uns.“

Die Psychotherapeutin Irmgard Mendler-Schadt sieht die Lebensfreude
als „Urkraft des Lebendigen“ und vertritt die These, „dass jeder von
uns mit gewissen Grundfähigkeiten und Gaben auf die Welt kommt. Und
wenn wir die entdecken und entwickeln, und wenn wir spüren, dass das
auch für andere relevant ist, dann schafft das Sinn und freut uns.“

Diesen Lebenssinn hat auch Marion Schröder für sich entdeckt: Als
Pflegeassistentin ist sie Tag für Tag für andere da. Das Leben der
dreifachen Mutter war nicht immer einfach. Ihre Ehe zerbrach. Sie
erlitt einen Schlaganfall, und eine Zeitlang sah es so aus, als würde
sie nie wieder einer geregelten Arbeit nachgehen können. Aber das
wollte Marion nicht akzeptieren, denn „das hier im Altenheim ist
meine zweite Familie. Wenn ich die Bewohner sehe, und dann kommt ein
Lächeln oder ein Danke, oder auch, wie die Bewohner miteinander tun,
auch wenn es Reibereien gibt – das ist das Leben. Und das ist schön,
und das gibt mir Lebensfreude.“

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