• 31.12.2023, 18:11:46
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  • OTS0008

Bischöfe zu Silvester: Gesellschaftliche Polarisierungen überwinden

Österreichische Bischöfe ziehen in Gottesdiensten am Silvesterabend gemischte Bilanz zum vergangenen Jahr - Von Synode auch für den Alltag lernen - Gegen Vielfachkrisen helfen Hoffnungsgeschichten

Utl.: Österreichische Bischöfe ziehen in Gottesdiensten am
Silvesterabend gemischte Bilanz zum vergangenen Jahr - Von
Synode auch für den Alltag lernen - Gegen Vielfachkrisen
helfen Hoffnungsgeschichten =

Salzburg/Linz/Klagenfurt/Feldkirch (KAP) - Wie lässt sich angesichts
der Vielfachkrisen und der gesellschaftlichen Polarisierungen ein
gedeihliches Zusammenleben fördern? Diese Frage stand im Mittelpunkt
der Predigten der österreichischen Bischöfe zum Jahresende. Die
Antworten darauf fielen unterschiedlich aus - wenngleich Einigkeit
darin bestand, dass Kirche weiterhin ein wichtiger "Player" sei, wenn
es um gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Bewahrung der Humanität
auch in Krisenzeiten gehe. "Kriege, Polarisierungen brauchen unser
aller gemeinsame Anstrengung", sagte etwa der Salzburger Erzbischof
Franz Lackner im Salzburger Dom. In einer vernetzten Welt brauche es
das Zusammenwirken aller - nicht zuletzt für den Frieden als
"wahrhaft universales Gut", so Lackner.

Ein Instrument, um sich gesellschaftlich einzubringen, sei etwa jene
Methode, die er selbst als besonders inspirierend bei der
Bischofssynode in Rom erlebt hatte, so Lackner weiter. Es sei dies
ein Wechselspiel von Gebet, Stille, Reden und Zuhören gewesen. Dies
wäre "auch im gesellschaftlichen Leben von großem Nutzen", zeigte
sich Lackner überzeugt, weil es ein tiefes Zuhören und Akzeptieren
des Anderen beinhalte.

Zudem rief der Erzbischof dazu auf, die Chance zur gesellschaftlichen
Mitgestaltung im kommenden Wahljahr zu nutzen: "Wir sehen der
Europawahl entgegen, der Nationalratswahl, in Salzburg auch den
Gemeinderatswahlen. Hier ist es unsere besondere Pflicht, uns im
Sinne des bonum commune, des Gemeinwohls einzubringen und unser
Stimmrecht zu nutzen." Gerade angesichts der sich verstärkenden
Polarisierungen sei "jede einzelne Stimme wertvoll", appellierte der
Erzbischof.

"Sternstunden" des Glücks erinnern

Auf die Verwobenheit der vielen Krisenherde der Gegenwart verwies
auch der Linzer Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt am
Silvesterabend. Doch eine Fixierung auf die Krisen und Katastrophen -
von Klimakrise bis zu Kriegen, von Energiekrise bis zum
Pflegenotstand - wäre kontraproduktiv: "Dann hätten wir keine Energie
mehr für eine Veränderung. Dann würde uns die Kraft fehlen zum
Handeln. Und die bloße Empörung schafft noch kein Vertrauen, ein
eingeengter Blickwinkel führt zu einem Tunnelblick."

Dagegen würde ein positiver Blick auch auf "Sternstunden" des
vergangenen Jahres etwa im eigenen Leben helfen, zeigte sich Scheuer
überzeugt. "Es gibt Sternstunden des Lebens, die wir nie vergessen.
Da sind Taborstunden, Erfahrungen des Glücks, der Lebensfreude, der
intensiven Beziehung, die zu uns gehören. Solche Erinnerungen sind
Anker der Hoffnung; sie geben Zuversicht auch in dunklen Stunden und
lassen nicht verzweifeln."

"Konstruktive Geschichten" erzählen

Auf die Notwendigkeit "konstruktiver Geschichten", also positiver
Erzählungen und Erinnerungen, verwies auch der Klagenfurter Bischof
Josef Marketz in einem Gottesdienst zum Jahreswechsel. Gewiss würden
viele Menschen auf die Frage, was für sie das Wichtigste im
vergangenen Jahr war, mit den Erinnerungen an Krieg, Terror, Ängste
vor Klimawandel etc. antworten. Auch bei der Frage nach den
wichtigsten Ereignissen in der Kirche würden wohl viele Menschen vor
allem die offenen Baustellen bzw. offenen Antworten auf drängende
Reformfragen benennen.

Um in dieser Situation nicht zu verzweifeln, böte die bei der
Bischofssynode in Rom erprobte Methode eine Antwort, so Marketz: "Es
war nicht das Was, sondern das Wie der Beratungen. Und da treffen wir
uns als Kirche mit der Politik und dem Journalismus. Es geht um die
Art unseres Erzählens, um das Narrativ, wie wir heute sagen." Es
brauche Geschichten, die nicht abwerten, die aufbauen und Hoffnung
schenken: "Wir brauchen konstruktive Geschichten, die die sozialen
Bande und das kulturelle Gewebe zusammenhalten. Die das Leben fördern
und uns Kraft und Mut verleihen. Unser Blick soll sich auf das Gute
in einer Situation fokussieren, dieses bestärken und dann, auch das
gehört natürlich zur Echtheit, Wahrhaftigkeit, manches benennen, in
dem Gutes fehlt."

Auf das Miteinander achten

Zu einem stärkeren Miteinander hat schließlich auch der Vorarlberger
Bischof Benno Elbs zum Jahresschluss aufgerufen. Die zunehmende
"Ellbogenmentalität", aber auch der raue Ton in Gesprächen, Medien
und sozialen Netzwerken belasteten das Zusammenleben, warnte Elbs bei
einem Gottesdienst am Sonntagabend im Feldkircher Nikolausdom. "Wo
auf Spaltung und Abwertung anderer Menschen gesetzt wird, braucht es
Gegenbewegungen", sagte der Bischof und appellierte, aufeinander
zuzugehen statt aufeinander los. "Begegnen wir einander mit Respekt
und Verständnis. Übernehmen wir Verantwortung füreinander. Setzen wir
uns ein für Nächstenliebe und Zusammenhalt. Und beginnen wir damit
nicht erst morgen, sondern schon heute."

In besonderem Maß sah der Feldkircher Bischof einen solchen Dienst an
der Einheit der Kirche aufgetragen. Diese sei eine große Gemeinschaft
von vielen unterschiedlichen Menschen und Ansichten, so Elbs: "Man
wird nicht immer einer Meinung sein. Umso wichtiger ist es aber, das
Bewusstsein wachzuhalten, dass wir zusammengehören und dass uns eines
eint: der Glaube an einen Gott, der für uns alle Mensch geworden
ist." "Katholisch-sein heißt: Es geht nicht ohne die anderen", fügte
Elbs hinzu. "Es braucht alle: die Alten und die Jungen, die
Konservativen und die Progressiven, die Akademiker und die Arbeiter,
die Frommen und die Zweifler. Sie - wir - alle sind Teil der Kirche."

((forts. mgl.)) HKL
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