• 24.11.2023, 12:28:33
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„kulturMontag“ am 27. November: 100 Jahre Maria Callas, Otto Kallirs Erbe, Vormarsch der KI

Danach: Doku-Premiere „Graz – Räume der Literatur“ – ab 22.30 Uhr in ORF 2

Utl.: Danach: Doku-Premiere „Graz – Räume der Literatur“ – ab 22.30
Uhr in ORF 2 =

Wien (OTS) - Clarissa Stadler präsentiert am 27. November 2023 um
22.30 Uhr in ORF 2 im „kulturMontag“ u. a. eine Hommage auf die
Primadonna assoluta Maria Callas, deren Geburtstag sich am 2.
Dezember zum 100. Mal jährt. Weiters stehen Leben und Werk des
Kunsthändlers, Galeristen und Verlegers Otto Kallir, der die
internationale Erfolgsgeschichte des österreichischen Expressionismus
stark mitgeprägt hat, im Mittelpunkt. Großes Thema der Sendung ist
außerdem der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz in allen Bereichen
des menschlichen Lebens, u. a. in der Literatur. Dazu live zu Gast im
Studio ist Philosophin Lisz Hirn. Anschließend zeigt ORF 2 die
Doku-Premiere „Graz – Räume der Literatur“ (23.25 Uhr).

Die göttliche Callas – Hommage zum 100. Geburtstag

Sie hatte das Tragische im Blut, ein Talent dafür, sich in die
falschen Männer zu verlieben, und auch wenn ihre Karriere nur ganze
13 Jahre lang dauerte, hat sie sich dennoch ins kollektive Gedächtnis
der Opernwelt eingeschrieben. Maria Callas, die Königin der Extreme,
die Primadonna assoluta, wäre am 2. Dezember 100 Jahre alt geworden.
Eine neue Biografie von Eva Gesine Baur beleuchtet private wie
berufliche Höhen und Tiefen der Diva aller Diven. Ein Leben wie für
die Leinwand gemacht. Nicht von ungefähr wird dieses derzeit von
Hollywood verfilmt – mit Superstar Angelina Jolie in der Rolle der
Opernikone und in der Regie von Pablo Larraín, der schon mit starken
Kinoporträts über Jacky Kennedy oder Lady Diana auf sich aufmerksam
machte. Er beleuchtet die letzten tragischen Tage kurz vor Callas’
Tod 1977, als sie im Alter von nur 53 Jahren in Paris starb. Autorin
Eva Baur dokumentiert in ihrer Biografie einerseits die öffentliche
Person – ehrgeizig, geschäftstüchtig, raffiniert –, andererseits die
ewig junge Maria – naiv und auf der Suche nach Bestätigung und Halt,
die ihr das Elternhaus nie geben konnte. Diese Unsicherheiten führten
sie in die unglückliche Liaison mit dem schwerreichen Aristoteles
Onassis, der lieber Jackie Kennedy heiratete, sowie in Schwärmereien
für hochsensible homosexuelle Filmemacher wie Luchino Visconti oder
Pier Paolo Pasolini. Wie aus Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulou,
einem unscheinbaren griechischen Mädchen, das in New York geboren
wurde, eine stilsichere, elegante Frau und vor allem eine der
bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts wurde, beleuchtet
der „kulturMontag“.

Schiele, Klimt und Kokoschka – Otto Kallirs Kennerblick für die Kunst

Hätte es ihn nicht gegeben, die Geschichte des österreichischen
Expressionismus wäre wohl anders verlaufen. Retten, was und auch wer
zu retten war – das war Otto Kallirs Anspruch und unumgängliche
Prämisse. Der Kunsthändler, Galerist und Verleger hatte mit Egon
Schiele, Gustav Klimt, Alfred Kubin oder Oskar Kokoschka das Who’s
who in seinem Portefeuille, allesamt Künstler, die von den Nazis
verachtet und als Schöpfer sogenannter „Entarteter Kunst“ verboten
waren. Vor genau 100 Jahren gründete der Sohn einer gutbürgerlichen,
jüdischen Juristenfamilie die legendäre Neue Galerie in der Wiener
Grünangergasse, heute die Galerie Nächst St. Stephan. Sein Studium an
der Technischen Universität gab der 1894 in Wien als Otto Nirenstein
geborene schon 1920 wegen des damals bereits herrschenden
Antisemitismus auf und verfolgte zielstrebig eine Karriere als
Verleger und Galerist. Auch den, seiner jüdischen Familie in der
Habsburgermonarchie zwangsweise zugeteilten Nachnamen gab er auf und
eröffnete als Otto Kallir 1923 seine allererste Ausstellung mit Egon
Schiele. Er erkannte Schieles außergewöhnliches Talent, auch wenn der
Künstler noch fünf Jahre nach seinem Tod nach wie vor kontrovers
wahrgenommen wurde. Dass Otto Kallir einen Kennerblick hatte, zeigte
sich auch, als ihm die Erben von Richard Gerstl dessen Werk anboten:
Gerstl, Expressionist der ersten Stunde, hatte Zeit seines kurzen
Lebens kein einziges Bild ausgestellt, seine Werke verstaubten
ungeachtet in einem Speditionslager. Ob mit Ausstellungen von Gerstl,
Klimt, Kokoschka oder Kubin – Kallir hatte auch international Erfolg.
Nach seiner Emigration 1939 nach New York mit Zwischenstopp in Paris
und Werken von Klimt, Kokoschka, Schiele & Co. im Gepäck fasste er
Fuß in den USA und gründete seine Galerie St. Etienne. Sukzessive
gelang es ihm, das amerikanische Publikum mit Österreichs
Meisterwerken erfolgreich vertraut zu machen. Auch der junge
österreichische Sammler und spätere Museumsgründer Rudolf Leopold
entdeckte 1950 erst durch Kallirs Schiele-Katalog seine Leidenschaft
für den Maler. Sein Erbe hält Otto Kallirs Enkelin Jane Kallir, die
heute als die führende Schiele-Expertin gilt, hoch. Sie führte
gemeinsam mit ihrem Großvater die Galerie St. Etienne in New York
weiter. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Neuen Galerie richtete
sie ihm zu Ehren nun in der Galerie Wienerroither & Kohlbacher eine
Werkschau seiner besonders geschätzten Künstler aus und präsentiert
in der Galerie Nächst St. Stephan anhand von zeithistorischen
Dokumenten die Geschichte der Neuen Galerie entlang politischer und
kunsthistorischer Zäsuren.

Gespenst KI – Romane aus Maschinen?

Wir schreiben das Jahr eins nach ChatGPT – jenem Tool, dem das
gesamte Internet-Wissen zur Verfügung steht, Informationen also aus
Millionen an Internetbeiträgen, Social-Media-Posts, Zeitungsartikeln,
Büchern, Foren-Inhalten. Ein Programm, dessen Sprachmodell den Text
an sich in Frage stellt und der Literatur den Boden unter den Füßen
wegzuziehen droht. Noch immer scheint der Mensch überrascht über
diesen Evolutionssprung der Maschine und ratlos im Handling der
Künstlichen Intelligenz. Chatbots und andere intelligente
textbasierte Programme könnten die Literatur revolutionieren. Wird es
mehr genormte Bücher geben – und wer verfasst die Romane der Zukunft?
Die großen Fragen, die die Literaturwelt beschäftigen, lauten: Wem
gehört der Text und wer darf ihn verkaufen? Wird die Grenze zwischen
menschlicher Autorenschaft und textender Maschine aufgehoben? Wozu
wird die KI fähig sein – wird sie Schriftsteller:innen überflüssig
machen? Wird der Mensch zum Korrekturwerkzeug, das die Fehler der
Künstlichen Intelligenz ausbügeln muss? Der Umgang mit der KI ist
nach wie vor drastisch unreguliert: ein Wirrwarr an Daten, ganz
offensichtlich sind auch urheberrechtlich geschützte Werke darunter.
Dagegen klagen und protestieren zahlreiche Autorinnen und Autoren wie
Margaret Atwood, John Grisham und Jonathan Franzen. Auf der
Frankfurter Buchmesse bezeichnete die Branche die Causa als
„Urheberrechtsskandal auf höchster Ebene“, das Ganze müsste man
nochmal löschen und komplett neu aufsetzen, damit Transparenz
hergestellt werden könne. Es sei Zeit darüber nachzudenken, wie man
KI regulieren kann, denn momentan betreibe sie „Raubbau am geistigen
Eigentum“. Hoffnungen liegen auf dem sich gerade in Arbeit
befindlichen AI Act der EU.
Wie sehr wird Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändern, kann
der Mensch mit dem technischen Fortschritt noch mithalten, ist der
Vormarsch der KI der ultimative Beleg für menschliche Verletzlichkeit
und was ist der Mensch, die Krönung der Schöpfung, im 21. Jahrhundert
überhaupt wert? Über diese und andere Fragen diskutiert Clarissa
Stadler mit der österreichischen Philosophin Lisz Hirn, die kürzlich
ihr neues Buch „Der überschätzte Mensch“ veröffentlicht hat, live im
Studio.

Dokumentation „Graz – Räume der Literatur“ (23.25 Uhr)

Graz ist eine Literaturstadt mit langer Tradition – bekannt für ihre
literarische Vielfalt sowie experimentellen und avantgardistischen
Werke. Namen wie etwa Alfred Kolleritsch, Peter Handke und Barbara
Frischmuth kommen einem dabei in den Sinn. Mit zahlreichen
Weggefährtinnen und -gefährten waren sie die „Grazer Gruppe“, die
sich rund um das historische Forum Stadtpark gebildet hat. Heute sind
es u. a. Namen wie Olga Flor und Clemens Setz, die in Teheran
geborene Wahlgrazerin Nava Ebrahimi und der Österreicher mit
kongolesischen Wurzeln Fiston Mwanza Mujila, die mit der Grazer
Literaturszene in Verbindung gebracht werden. Der Unterschied zu
ihrer Vorgängergeneration ist, dass sie sich vom Gedanken der Gruppe
gelöst haben. Was jedoch bleibt, ist die Fortführung der
avantgardistischen Haltung, die sie mit Gegenwartsdiagnose und
politischer Brisanz verknüpfen.
Im Dokumentarfilm „Graz – Räume der Literatur“ begibt sich Regisseur
Markus Mörth gemeinsam mit ihnen, stellvertretend für die gesamte
heutige Generation Grazer Autorinnen und Autoren, auf eine filmische
Fußreise durch die steirische Landeshauptstadt. Dabei geht er der
Frage nach, was die Grazer Literatur auch heute noch so besonders
macht. Nach und nach entstehen in der Doku Porträts der
Protagonistinnen und Protagonisten, die ineinandergreifen. Ihre Wege
führen sie zu Theatertreffen, zu Verlagen, zu Lesungen, zu Interviews
und zeigen sie auch im Gespräch miteinander. Verbindender Ort dabei
ist das Literaturhaus Graz, zu dem die „Spaziergänge“ durch die Stadt
immer wieder zurückführen.
So wird der Film im Sinne einer dokumentarischen Erzählung ein sich
langsam zusammensetzendes Puzzle einer Stadt und ihrer Mentalität,
die nicht nur Literatur hervorbringt, sondern die sie vielleicht auch
durch ihre Aura bedingt. So sollen auch Gemeinsamkeiten zwischen den
Schriftstellerinnen und Schriftstellern aufgezeigt werden, die
spezifisch für Graz sind. „Graz – Räume der Literatur“ ist ein
Porträt der lebendigen steirischen Literaturszene, das der Frage
nachgeht, ob Graz nach wie vor die heimliche Literaturhauptstadt
Österreichs ist.

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