• 02.10.2023, 11:15:50
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Teil 2 des „Universum“-Skandinavien-Dreiteilers präsentiert die nordischen Wälder im Wechsel der Jahreszeiten

„Zwischen Wald und Wasser“ am 3. Oktober um 20.15 Uhr in ORF 2

Utl.: „Zwischen Wald und Wasser“ am 3. Oktober um 20.15 Uhr in ORF 2 =

Wien (OTS) - Von den borealen Wäldern Skandinaviens ist es nur ein
kleiner Schritt in die Welt der nordischen Mythologie. Am mystischen
Weltenbaum Yggdrasil opferte sich der Göttervater Odin, um an das
geheime Wissen bei seinen Wurzeln zu gelangen. Es ist wohl kein
Zufall, dass ein Baum eine zentrale Rolle im Weltbild der Normannen
spielte – weite Teile der skandinavischen Halbinsel werden bis heute
von Wäldern geprägt. Die zweite, von Ingrid Kvale gestaltete Folge
der neuen „Universum“-Trilogie „Wildes Skandinavien“ (ORF
Bearbeitung: Wolfgang Stickler) streift am Dienstag, dem 3. Oktober
2023, um 20.15 Uhr in ORF 2 im Wechsel der Jahreszeiten durch diesen
uralten, immergrünen und doch wandlungsfähigen Kosmos der Fichten,
Kiefern und Tannen. Ein beeindruckender Ort, an dem sich Wohlfühlen
und grimmige Überlebenskämpfe die Waage halten.

Der schier endlose Winter ist angebrochen, fast ein halbes Jahr lang
liegt durchgehend Schnee. Die weiße Decke lässt Bäume wie Bergtrolle
erscheinen, die erstarrt und gebückt in der Landschaft verharren. Ein
schier unwirtlicher Lebensraum. Aber die Natur hat es verstanden, die
Waldbewohner mit erstaunlichen Anpassungsstrategien auszustatten, die
hier eine Existenz ermöglichen. Ausgeklügelte Kooperationen wie das
Zusammenspiel von Klugheit und Klauen gehören dazu: Umtriebige
Kolkraben und mächtige Steinadler teilen sich das Aas verendeter
Tiere – widerwillig zwar, aber zu beiderseitigem Vorteil.
Rentierherden folgen seit jeher Wanderrouten, die über Hunderte
Kilometer zu Baumriesen mit reichem und nahrhaftem Flechtenbestand
führen – den besten Weideplätzen für die trächtigen Hirschkühe. Eine
Hirtin aus dem Volk der Samen sorgt dafür, dass die Tiere trotz der
immer weiter ins Land vordringenden menschlichen Infrastruktur ihren
Weg finden.

Ein Baum als Liebesbrief? Auch das gibt es! Frühlingsgefühle fallen
in den skandinavischen Wäldern heftig aus, denn die Tierwelt steht
unter Zeitdruck. Die Frist, eine Partnerin zu finden und den
Nachwuchs für den kommenden Winter fit zu machen, währt in der
gemäßigt-kalten Klimazone nur kurz. Luchsmännchen markieren daher in
ihrem weitläufigen Revier Bäume, um zufällig vorbeistreunende
Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Andere, wie die
Birkhuhn-Hähne, fechten tagelang Kämpfe mit Hunderten Rivalen aus, um
sich einen Harem zu sichern. Braunbär-Mütter hingegen haben Zeit: Sie
kümmern sich jahrelang um ihre Jungen. Nach einem ausgiebigen
Winterschlaf nutzen sie die schneefreie Saison, um die Kleinen in
Kräuterkunde und Baumklettern zu unterrichten.

Der Sommer: ein kurzes Zeitfenster, in dem die Natur ihr Füllhorn
ausschüttet. Die rege Bautätigkeit der Biber trägt nicht unwesentlich
dazu bei, dass Nahrung in Hülle und Fülle vorhanden ist. Ihre Dämme
verwandeln Wälder in Wasserwelten, die zu beliebten Supermärkten für
zahlreiche Tierarten, wie etwa den Fischadler, werden. Da die
Weibchen der Greifvögel bereits zu den Winterquartieren in Afrika
aufgebrochen sind, kümmern sich die Männchen allein um die Küken. Das
reiche Nahrungsangebot in den überfluteten Wäldern macht es den
Strohwitwern möglich, die Jungtiere in wenigen Wochen für die 7.000
Kilometer lange Reise aufzupäppeln.

Früh setzt der Herbst ein – die letzte Gelegenheit für Tiere,
Winterspeck und Nahrungsdepots anzulegen. Für die Menschen ist es die
Zeit, die Wälder noch einmal in ihrer vollen Pracht zu genießen.
Neben dem Volkssport Pilzesammeln bietet vor allem Eislaufen auf den
frisch zugefrorenen Seen ein besonders intensives Naturerlebnis. Das
Gleiten auf dünnem, durchsichtigem Eis inmitten einer unberührten
Landschaft, die sich langsam zur Winterruhe legt, öffnet die Sinne
für den Wert einer intakten Natur, die auch in der Wildnis
Skandinaviens immer stärker unter Druck gerät.

Vom Elch bis zum Wolf, vom Raben bis zum Bären – viele der Waldtiere
haben Eingang in die dramatischen, oft erbarmungslosen Ereignisse der
nordischen Mythologie gefunden. Ein Zeichen für die Bedeutung, die
ihnen die Altvorderen beimaßen. Aber auch ein Spiegel für die
Unerbittlichkeit der Natur in diesen Breiten. Das geheime Wissen, das
Odin einst am Fuße des Weltenbaumes suchte, liegt vielleicht im
Prinzip des Miteinander, das in allen Ökosystemen herrscht: Ohne das
Zusammenleben von Bäumen mit speziellen, unscheinbaren Pilzarten, die
die Wurzeln mit lebensnotwendigen Nährstoffen versorgen, würden
unsere Wälder erst gar nicht existieren.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRF

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