• 22.09.2023, 19:09:00
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Papst: Mittelmeer ist ein Grab für die Menschenwürde

Franziskus bei interreligiösem Gedenken für Ertrunkene in französischer Metropole Marseille: Menschenhandel, Folter, Schiffbrüche und "Fanatismus der Gleichgültigkeit" nicht länger mit ansehen - Papst kritisiert auch Maßnahmen gegen zivile Seenotretter scharf

Utl.: Franziskus bei interreligiösem Gedenken für Ertrunkene in
französischer Metropole Marseille: Menschenhandel, Folter,
Schiffbrüche und "Fanatismus der Gleichgültigkeit" nicht
länger mit ansehen - Papst kritisiert auch Maßnahmen gegen
zivile Seenotretter scharf =

Marseille (KAP) - Papst Franziskus hat das Sterben von Migranten im
Mittelmeer mit eindrücklichen Worten verurteilt. "Wir befinden uns an
einem Scheideweg der Zivilisation", sagte der Papst am Freitagabend
während seines Besuchs in der französischen Hafenstadt Marseille. Auf
der einen Seite befinde sich der Weg der Geschwisterlichkeit; auf der
anderen eine "Gleichgültigkeit, die das Mittelmeer mit Blut
befleckt".

"Gewöhnen wir uns nicht daran, Schiffbrüche als Schlagzeilen und die
Toten auf See als bloße Zahl zu betrachten", warnte der Papst. Das
Mittelmeer sei zu einem riesigen Friedhof geworden, wo viele Menschen
selbst des Rechtes auf ein Grab beraubt würden. "Nur die
Menschenwürde wird hier begraben", sagte Franziskus. Die Migranten
flöhen vor Konflikten, Armut und Umweltkatastrophen. In den Wellen
des Mittelmeers werde ihre Suche nach einer besseren Zukunft
endgültig abgelehnt.

Das Kirchenoberhaupt rief zu Taten auf. Menschenhandel, Folter,
Schiffbrüche und ein "Fanatismus der Gleichgültigkeit" dürften nicht
länger mit angesehen werden, sagte der Papst und forderte: "Menschen,
die zu ertrinken drohen, wenn sie auf den Wellen ausgesetzt werden,
müssen gerettet werden. Das ist eine Pflicht der Menschlichkeit, eine
Pflicht der Zivilisation!"

In scharfen Worten verurteilte Franziskus auch das Erschweren ziviler
Rettungseinsätze im Mittelmeer. "Viele von euch gehen ins Meer, um zu
retten, um Migranten zu retten", sagte der Papst. Die Seenotretter
würden oft verhindert, auch unter dem Vorwand, am Boot stimme etwas
nicht, sagte Franziskus. Dies seien "Gesten des Hasses".

Der Papst äußerte sich im Rahmen eines Gedenkens für Ertrunkene im
Mittelmeer, an der auch Vertreter anderer Religionen und christlicher
Kirchen teilnahmen. Gastfreundschaft sei eine Wurzel von Judentum,
Islam und Christentum, sagte Franziskus. Glaubende müssten sich daher
beispielhaft gegenseitig annehmen.

Die religiösen Führer kamen an einer Gedenk-Stele nahe der Basilika
Notre-Dame de la Garde in Marseille zusammen. Das Denkmal zeigt ein
Kreuz, einen Anker und ein Herz; die Symbole stehen für Glaube,
Hoffnung und Nächstenliebe.

(Kathpress-Themenschwerpunkt mit allen Meldungen zur Papstreise nach
Marseille abrufbar unter www.kathpress.at/Papst-in-Marseille)

((forts. mgl.)) GUT
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