• 13.04.2023, 11:40:30
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Onkologische Nachsorge „vor der Tür“

Expert:innen betonen Bedarf an lebensnahen Versorgungseinrichtungen

ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger
Prim. Doz. Dr. Hannes Kaufmann Mag. Marcus Dietmayer Mag. Michael
Eipeldauer zugeschaltet: Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Winder, PhD
Wien (OTS) - 

13. April 2023 - Krebs.UndLeben! Was brauchen Menschen, die die Krankheit besiegt haben? Und welche Herausforderungen stellen sich für das Gesundheitssystem? Darüber diskutierte eine hochkarätige Expert:innenrunde am Donnerstag beim Round Table "Lebensnahe Versorgungseinrichtungen von Vorarlberg bis Wien". Die onkologische Nachsorge steht dabei mehr denn je im Rampenlicht – leben doch rund  385.000 Menschen oder 4% der Gesamtbevölkerung in Österreich mit Krebs [1].  

"Mit dem Projekt Krebs.UndLeben! arbeiten wir bei Sanofi gemeinsam mit rund 50 führenden Expertinnen und Experten seit über zwei Jahren an einer Plattform für die weitere Aufbruchstimmung in der onkologischen Nachsorge", so Mag. Marcus Dietmayer, Leiter Onkologie Sanofi Österreich.

Vier von ihnen diskutierten heute am Podium dazu:

  • Prim. Doz. Dr. Hannes Kaufmann, Vorstand 3. Medizinische Abteilung Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Standort Klinik Favoriten und onkologische Ambulanz und (interdisziplinäre) Therapieambulanz an der Klinik Landstraße
  • ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger, Public Health Expertin, an verschiedenen Universitäten tätig und Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen/ BÖP
  • Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Winder, PhD, Vorstand Abteilung für Innere Medizin II (Onkologie, Hämatologie, Gastroenterologie und Infektiologie) am LKH Feldkirch, sowie
  • Direktor Univ.-Prof. Dr. Dominik Wolf, Universitätsklinik für Innere Medizin V, Medizinische Universität Innsbruck.  

Kaufmann: "Österreichisches Gesundheitswesen benötigt verstärkt dezentrale Ambulanzen für die Nachsorge“

Insbesondere in ländlichen Gebieten sind Menschen mit einer Krebsdiagnose häufig mit weiten Anreisen für Kontrollen und einfache Erhaltungstherapien konfrontiert,“ erklärte Prim. Doz. Dr. Hannes Kaufmann. Auf den ersten Blick erscheine die innerstädtische Versorgung vielfach gut etabliert, das gelte allerdings vor allem für den klinischen Bereich in den onkologischen Zentren.

Nach erfolgter Krebstherapie in der Klinik benötigen Patient:innen eine dezentrale Anlaufstelle für die Nachsorge und Betreuung. Diese müsste eigentlich nicht mehr im Spital stattfinden und könnte an die neuen Lebensumstände der Patient*innen angepasst werden. Dafür bräuchte es mehr spezialisierte Angebote, um den Betroffenen eine Reintegration in ihr 'altes/ neues' Leben zu ermöglichen.

Kaufmann sehe in den aktuellen Verhandlungen zum Finanzausgleich einen weiteren Mosaikstein, um "sowohl im ländlichen als auch im urbanen Raum, in ganz Österreich, lebensnahe außerklinische Betreuungsangebote im Bereich der onkologischen Nachsorge zu etablieren", schließlich sei die Finanzierung ein wesentlicher Hemmschuh für eine optimierte Vernetzung und Abstimmung zwischen den Systempartnern sowie den Bundesländern.

Wimmer-Puchinger: "Flächendeckend niedrigschwelliger Zugang zur psychoonkologischen Begleitung" 

"Laut Statistik Austria wurde bei mehr als 43.000 Menschen im Jahr 2020 eine Krebserkrankung diagnostiziert. Davon waren 19.600 Frauen. Auf Brustkrebs entfielen rund 28 Prozent der Neuerkrankungsfälle bei Frauen [2]. Fakt ist, dass es dabei keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit gibt. Das gilt auch für den Umkehrschluss: Es gibt keine Erkrankung ohne begleitende seelische Belastungen. Insbesondere gilt dies natürlich für bedrohliche Diagnosen wie Krebs", betonte ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.

Sie fordert daher flächendeckend leicht verständliche Information für Betroffene und Angehörige, einen niedrigschwelligen Zugang  zur psychologischen Begleitung, den Ausbau von Schnittstellen zu unterschiedlichen Gesundheitsdienstleistern und vor allem einen transparenten Übergang von der Akutbehandlung zur psychoonkologischen Rehabilitation sowie zur medizinischen und onkopsychologischen Nachsorge.

Winder: "Onkologische Nachsorge ist zugleich Vorsorge"

In Vorarlberg setze man auf das "Onkologie-Netzwerk Vorarlberg", mit dessen Hilfe an Krebs erkrankte Personen "state-of-the-art", interdisziplinär und multiprofessionell, möglichst wohnortnah und angepasst an ihre jeweilige Erkrankung versorgt würden, unterstrich Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Winder, PhD. "Die onkologische Nachsorge von Vorarlberg bis Wien oder dem Burgenland zu verbessern und dabei gleichzeitig auf mehr Einheitlichkeit zu achten, ist eine hochkomplexe Aufgabe. Die Herausforderung liegt einerseits darin, dass die Bundesländer und damit auch die Zentren unterschiedlich vorgehen. Andererseits  wird die Struktur komplizierter, weil auch die verschiedenen in die Versorgung onkologischer Patient:innen eingebundenen Disziplinen jeweils ihre eigenen Nachsorge-Programme umsetzen. Hier funktioniert die Abstimmung noch nicht immer optimal." Winder betonte, dass die Nachsorge nicht ausschließlich an den Zentren stattfinden müsse, sondern verstärkt in die Nähe der Patient:innen rücken solle. "Wichtig ist dabei aber die Anbindung an die Zentren sowie die Weiterentwicklung der Tumordokumentation als zentrales Element zur standardisierten Erfassung und Auswertung der Nachsorge."

Wolf: "Qualitätsgetrieben die Kompetenz bündeln"

"Wir müssen bei der Gestaltung von Versorgungsstrukturen zwischen urbanen Metropolregionen wie Wien und eher ländlichen Strukturen wie in Tirol und Vorarlberg unterscheiden. Grundsätzlich gilt: Schon jetzt sind sehr viele Krankenanstalten hämatoonkologisch aktiv und zunehmend besser aufeinander abgestimmt, beispielsweise mit gemeinsamen überregionalen Tumorboards. Ich sehe daher keine zwingende Notwendigkeit, im Westen zusätzliche extramurale Strukturen zu eröffnen. Überhaupt ist das nur mit einer Koppelung an die Zentren vorstellbar", so Direktor Univ.-Prof. Dr. Dominik Wolf.

"Strukturen wie in Deutschland, die durch eine enorme Diversifizierung und einen großen Verteilungskampf um die Patient:innen gekennzeichnet sind", lehne er ab. "Das ist schlecht für die Patient:innen." Als Positivbeispiel, wie ein mit den Partnerhäusern sehr gut abgestuftes Versorgungskonzept funktionieren könne, nannte Wolf das Comprehensive Cancer Center Innsbruck (CCCI). "So können wir qualitätsgetrieben arbeiten. Landesweite zentralisierte Tumorboards sind aus meiner Sicht sehr sinnvoll. Auf diese Weise können wir auch Kompetenzen bündeln", stellte er klar. Abschließend betonte Wolf die wachsende Bedeutung von Patient:innenorganisationen: "Wir sehen, dass Patient Advocacy Groups zunehmend gehört werden. Eine solche Einbindung brauchen wir auch, wenn wir die Versorgungsstrukturen diskutieren."

Weiterführende Information zur Onkologischen Nachsorge:

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Wir sind ein innovatives globales Gesundheitsunternehmen mit einer einzigen Bestimmung: Wir erforschen die Wunder der Wissenschaft, um das Leben der Menschen zu verbessern. Unser Team setzt sich in mehr als 100 Ländern dafür ein, die medizinische Praxis zu verändern und damit das Unmögliche möglich zu machen. Wir bieten weltweit Millionen von Menschen lebensrettende Impfstoffe und Behandlungsoptionen an, die das Potential haben, das Leben zu verbessern. Dabei stellen wir Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in den Mittelpunkt unseres Handelns. 

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