- 31.03.2023, 10:32:34
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„Menschen & Mächte“-Neuproduktion „Braune Brettln, braunes Leder“ im ORF-Mediencampus präsentiert
Am 4. April um 22.35 Uhr in ORF 2
Utl.: Am 4. April um 22.35 Uhr in ORF 2 =
Wien (OTS) - Skifahren und Fußball – schon in den 1930er Jahren
österreichische Nationalsportarten. Mit dem „Anschluss“ 1938 ändert
sich alles – jüdische Spitzensportler und Funktionäre werden verfolgt
oder ermordet, die Sportverbände in den NS-Reichsbund für
Leibesübungen eingegliedert, die „arischen“ Sportler erst als
Draufgänger und Himmelhunde, dann als Kriegshelden inszeniert. Martin
Betz geht für die neue „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Braune
Brettln, braunes Leder“ am Dienstag, dem 4. April 2023, um 22.35 Uhr
in ORF 2 auf Spurensuche: auf die Fußballplätze in Wien und die
Skipisten von Kitzbühel und St. Anton; aber auch zu den versteckten
Plätzen der Flucht und den verdrängten Orten von Verbrechen – bis
nach Frankreich, Holland und Griechenland.
Der Film wurde gestern, am Donnerstag, dem 30. März, in Anwesenheit
von ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz,
ORF-Radiodirektorin Ingrid Thurnher, des ehemaligen
ORF-Generaldirektors und nunmehrigen Rapid-Präsidenten Alexander
Wrabetz, von Österreichs Jahrhundertfußballer und Austria-Legende
Herbert Prohaska, ORF-TV-Hauptabteilungsleiter Wissenschaft Tom
Matzek und des früheren „Menschen & Mächte“-Redaktionsleiters Andreas
Novak im ORF-Mediencampus präsentiert. Im Gespräch mit Moderatorin
Karoline Rath-Zobernig erläuterten Robert Gokl (ORF-Wissenschaft) und
Gerhard Lackner (ORF-Sport), Regisseur Martin Betz, Thomas Schwarz,
Enkel des damaligen Austria-Präsidenten Emanuel „Michl“ Schwarz, und
Franz Binder jun., Sohn von Rapid-Ikone Franz „Bimbo“ Binder, die
Besonderheiten der ORF-Eigenproduktion, die als interdisziplinäre
Zusammenarbeit der Hauptabteilungen Wissenschaft und Sport, gefördert
von der Verwertungsgesellschaft Rundfunk, entstand.
ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz: „Man muss seine
Geschichte kennen und sie verstehen, um aus ihr zu lernen und
aktuelle Ereignisse und Mechanismen entsprechend einordnen zu können.
Und genau darin liegt die Bedeutung der Reihe ‚Menschen & Mächte‘ und
von Filmen wie ‚Braune Brettln, braunes Leder‘ für den ORF und sein
öffentlich-rechtliches Selbstverständnis.“ Und weiter: „Besonders
freut mich die richtungsweisende Kooperation von ORF-Wissenschaft und
ORF-Sport bei dieser Dokumentation, die Geschichte spürbar macht. Die
unterschiedlichen Fachkompetenzen der Redaktionen haben neue Zugänge
und Sichtweisen auf das Thema ermöglicht. Ich danke allen am
Zustandekommen der Dokumentation Beteiligten.“
Rapid-Präsident Alexander Wrabetz: „Zu einer großen Vereinsgeschichte
und -tradition gehört, nicht nur die Sonnenseiten hervorzuheben,
sondern sich auch mit den Schattenseiten differenziert
auseinanderzusetzen. Und genau darin liegt das Verdienst dieser
wichtigen ‚Menschen & Mächte‘-Dokumentation, zu der ich allen
Beteiligten gratuliere, weil sie eine Sportgeschichte und
gleichzeitig einen gesellschaftlichen Bereich abbildet, wo – sehr
fokussiert – alles drinnen ist, was sich damals in der
Gesamtgesellschaft abgespielt hat.“
Robert Gokl, ORF-Wissenschaft: „Es ist das Kennzeichen eines
totalitären Regimes, alle Lebensbereiche unter seine Gewalt zu
bringen. Auch den Sport. Es konnte daher im NS-System keinen
unpolitischen Sport, keinen unpolitischen Sportler geben. Die tiefen
Spuren, die das NS-System auf Fußballfeldern und Ski-Pisten
hinterlassen hat, zeigt die ‚Menschen & Mächte‘-Dokumentation auf.
Und auch, wie weit diese Spuren in die Zweite Republik
hineinreichen.“
Gerhard Lackner, ORF-Sport: „Als langjähriger redaktioneller
Mitarbeiter des ORF SPORT war und ist mein Berufsalltag von der
Aktualität bestimmt. In unterschiedlichen Funktionen – vom Reporter
bis zum Sendungsverantwortlichen – macht für mich seit jeher das
Reagieren auf aktuelle Ergebnisse und Ereignisse den besonderen Reiz
meiner täglichen Arbeit aus. An der ‚Menschen & Mächte‘ Dokumentation
‚Braune Bretteln, braunes Leder‘ mitwirken zu können, eröffnete mir
eine völlig neue Perspektive, wie man (auch) ,Fernsehen machen‘ kann.
Über ein Jahr hinweg ein Projekt zu entwickeln und ständig
weiterzutreiben, Hintergründe und Quellen zu recherchieren,
Archivmaterial auszuwerten und in Einklang mit Interviews von
Zeitzeugen und ExpertInnen zu bringen – all das neben vielen weiteren
Arbeitsschritten unter einen Hut = in eine ebenso sehenswerte wie
aufwühlende Dokumentation zu bringen, nötigt mir größten Respekt ab.“
Regisseur Martin Betz: „In den letzten Jahren haben Historiker
verdienstvolle Arbeiten zur Aufarbeitung der Verstrickung des
österreichischen Fußballs und Skisports mit dem Nationalsozialismus
veröffentlicht. Dennoch gab es bisher kaum eine filmische
Aufbereitung des Themas. Während der Recherchen wurde mir schnell
klar, dass diese Verstrickung so umfassend war, dass eine filmische
Dokumentation nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Zu
viele Sportler und Funktionäre wurden zu Tätern, entsprechend groß
war die Zahl der Opfer. Mir war daher daran gelegen, nachvollziehbar
zu machen, wie sich die Verwerfungen im Sport nach dem ‚Anschluss‘
für jene anfühlten, die ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden.
Und ich stieß dabei auch auf Geschichten von Tätern, die ebenso zu
Opfern wurden: weil sie durch die politische Instrumentalisierung des
Sports in einem sinnlos-blutigen Krieg ihr Leben lassen mussten.“
Menschen & Mächte: „Braune Brettln, braunes Leder“ – 4. April, 22.35
Uhr, ORF 2
Fußball und Skifahren – Nationalsportarten in Österreich, schon seit
den 1930er Jahren. Mit dem „Anschluss“ 1938 wurden auch die
Sportvereine in das NS-System eingegliedert. Jüdische Spitzensportler
und Funktionäre wurden vertrieben oder ermordet. „Arische“ Sportler
inszenierte die NS-Propaganda als Helden, Draufgänger, Himmelhunde.
Im „totalen Krieg“ mussten auch sie an die Front, ihr größter Sieg
hätte der „Endsieg“ werden sollen. Martin Betz analysiert, wie der
Nationalsozialismus den Sport missbrauchte; wie viele bekannte
Sportler begeistert daran mitwirkten; und wie nach 1945 unter
rot-weiß-roten Fahnen weitergespielt und gesiegt wurde, als ob nichts
geschehen wäre.
Details zur „Menschen & Mächte“-Neuproduktion sind unter
presse.ORF.at abrufbar.
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