- 17.01.2023, 21:30:02
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Oö. Volksblatt: "Vorverurteilung" (von Dominik HENNERBICHLER)
Ausgabe vom 18. Jänner 2023
Im Grazer FPÖ-Finanzskandal gerät nun der FPÖ-Landeschef Mario Kunasek ins Visier der Ermittler. Entsetzen und Aufschrei der Freiheitlichen folgten auf dem Fuß. Die Anwürfe seien ein „Konglomerat an Halb- und Unwahrheiten“ und „substanzlose Unterstellungen“. Die Empörung ist groß, man sieht sich als Opfer einer Vorverurteilung. Damit „erleidet“ die FPÖ jenes Schicksal, in dass sie ihre politischen Kontrahenten gerne selbst stößt. Man denke etwa an die Ermittlungen gegen Sebastian Kurz. Auch dort stehen mutmaßliche Falschaussagen des Ex-Kanzlers im Raum. Die FPÖ zögerte seither kaum, ihre Giftpfeile in Richtung Kurz und der ÖVP zu schießen. Mit der Unschuldsvermutung nimmt man es – betrifft es die anderen – nicht so genau. Dabei können Vorverurteilungen schlimmer sein als ein justizielles Urteil. Bei den Blauen nimmt man das aber schon einmal in Kauf. Denn sind Ruf und Glaubwürdigkeit der anderen erstmal zerstört, geht es auch mit den eigenen Umfragen und Wahlergebnissen wieder bergauf. Ob also das nun am eigenen Leib erfahrene „Leid“ zum Umdenken führen wird, ist zu bezweifeln. Vielleicht zeigt dieses Beispiel aber anderen, künftig nicht zu schnell zu urteilen, es könnte am Ende auch einen selbst treffen. Und der Schaden wäre – ob schuldig oder nicht – dann bereits angerichtet.
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