- 09.12.2022, 14:01:38
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EU-Politiker und Geistliche: Ohne Religion keine Zukunft Europas
Jahrestagung der Arbeitsgruppe für den interkulturellen und religiösen Dialog der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament vom 9. bis 10. Dezember in Wien
Utl.: Jahrestagung der Arbeitsgruppe für den interkulturellen und
religiösen Dialog der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament
vom 9. bis 10. Dezember in Wien =
Wien (KAP) - Ohne die Religionen und ihren Beitrag zur Wertebildung
ist eine Zukunft Europas unvorstellbar: Das war der Tenor der
diesjährigen Tagung der Arbeitsgruppe für den interkulturellen und
religiösen Dialog der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, die am
Freitag und Samstag in Wien stattfindet. Zum Generalthema "Religion
und die Zukunft Europas" äußerten sich am ersten Halbtag in diesem
Sinne der Vizepräsident des EU-Parlaments, Othmar Karas, und drei
Geistliche aus drei Weltreligionen: Manuel Barrios Prieto,
Generalsekretär der EU-Bischofskommission COMECE, der Wiener
Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister, sowie Imam Yahya Sergio Yahe
Pallavicini, Präsident des "European Muslim Leaders Council".
Karas beklagte, dass das Wertefundament der Union durch den
russischen Angriffskrieg auf die Ukraine erschüttert worden sei. Die
Gesellschaften seien zunehmend gespalten, auch die
Religionsgemeinschaften hätten daran bedauerlicherweise Anteil. Der
ÖVP-Politiker verwies auf die unrühmliche Rolle des Moskauer
Patriarchen Kyrill als Vertreter einer Kirche, die sich von Putin
instrumentalisieren lasse. Gerade dies müsse Ansporn sein, den
interreligiösen Dialog zu stärken - wie dies die Europäische
Volkspartei in Wien zum bereits 24. Mal tue.
Karas, als Vizepräsident des EU-Parlaments mit der Umsetzung von
Artikel 17 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union
(AEUV) betraut, der eine rechtliche Verpflichtung für einen offenen,
transparenten und regelmäßigen Dialog der EU mit den
Religionsgemeinschaften vorsieht, bekannte sich in seiner Einleitung
zum interreligiösen Dialog. Ohne ihn gebe es keine demokratischen
Mehrheiten für eine gedeihliche Zukunft Europa. Religion, Herkunft
und Sprache seien wesentliche Elemente, um den Anspruch der EU
umzusetzen, "vereint in Verschiedenheit" zu sein. Karas verurteilte
jede Politik, die sich zu profilieren suche, indem sie anklagend mit
dem Finger auf Religion zeigt.
Gottesglaube schützt vor Verabsolutierungen
Der Vertreter der Katholischen Kirche am Podium,
COMECE-Generalsekretär Prieto, zitierte aus einer Rede des vor rund
einem Jahr verstorbenen Apostolischen Nuntius bei der Europäischen
Union, Erzbischof Aldo Giordano, wonach die Frage nach Gott eine
entscheidende für die Zukunft des Kontinents sei. Ohne Transzendenz
drohe ein "anarchischer Pluralismus", in dem sich der Mensch selbst
absolut setze. Der Gottesglaube dagegen stehe im Widerspruch zu
autoritären Regimes. Und als eine gemeinsame Verpflichtung für die
Religionsgemeinschaften nannte Prieto jene, als "Friedensstifter" zu
wirken und so die "einzigartige Vermittlerrolle Europas" im Konflikt
konkurrierender Weltmächte zu konkretisieren. Glaubhafter Einsatz für
Frieden und Versöhnung würde auch junge Menschen neu für die Union
begeistern. zeigte sich der COMECE-Vertreter überzeugt.
Vor der Tendenz rechtspopulistischer Strömungen und Parteien, sich
als Verteidiger des jüdisch-christlichen Erbes zu gerieren, warnte
Rabbiner Hofmeister in seinem Statement. Dabei dürfe nicht darauf
vergessen werden, dass es auf Basis dieses Gedankenguts immer wieder
eine Verfolgung des Judentums gegeben habe. Jetzt seien es vorrangig
Muslime, die zu Objekten der Ausgrenzung gemacht würden. Die
Religionsgemeinschaften in Europa hätten gelernt, nach einer langen
Geschichte, "die mit Blut und Tränen geschrieben wurde", einander von
Angesichts zu Angesicht zu begegnen, so Hofmeister. Jetzt sei eine
neue Phase des Dialogs erforderlich: Es gelte "Seite an Seite"
aufzutreten gegen eine Politik und Wirtschaft, die ohne religiöse
Wertebasis agiere, nationalistischen Egoismus schüre und dabei das
Vertrauen der Menschen verliere.
Parallele IS-Russische Kirche
Eine Parallele zwischen dem vermeintlich "heiligen Krieg" der
IS-Terroristen und jenem von der russischen Orthodoxie
gerechtfertigten in der Ukraine zog der in Brüssel als Vertreter von
Muslimen in 22 Ländern tätige Imam Pallavicini. Beides stelle eine
Dämonisierung von Toleranz und Pluralismus dar, die dem eigentlichen
Wertefundament der Religionen widerspreche. Der muslimische
Geistliche sah für die Religionen den Anspruch, im Geiste der
EU-Gründungsgestalten Schuman, Degasperi und Adenauer einer Vision zu
folgen, die sich in Kooperation und Zusammenhalt zeigen müsse.
Pallavicini wandte sich gegen dialogfeindliche Phänomene wie
Ghettoisierung, die - oft versteckte - Annahme eigener Überlegenheit,
Relativismus und einen aggressiven Säkularismus. Patriarch Kyrill
habe er in einem Brief an das Patriarchat in Moskau widersprochen,
wonach es "im Westen" keine Werte gebe und der russische Osten diese
hochhalten müsse.
Am Freitagnachmittag kommen noch der griechisch-orthodoxe Wiener
Metropolit Arsenios (Kardamakis), der im Ökumenischen Patriarchat von
Konstantinopel wirkende Metropolit Emmanuel (Adamakis) und Jorgen
Skov Sorensen, Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen
(KEK), zu Wort; am Samstag stehen auf der Liste der Vortragenden u.a.
die Wiener Pastoraltheologin Prof. Regina Polak, der Präsident des
International Catholic Legislators Network (ICLN) und Rektor der
Katholischen Hochschule ITI, Christiaan Alting von Geusau, sowie
Archimandrit Aimilianos Bogiannou, Direktor des Brüssel-Büros der
Orthodoxen Kirchen bei der EU. Der Samstag steht unter dem Aspekt des
Einflusses der Kirchen und Religionen auf soziale und politische
Prozesse.
Das Rahmenprogramm sieht u.a. am Freitagabend einen Besuch der
Tagungsteilnehmenden im Stift Klosterneuburg vor, sowie am Samstag in
der Früh einen Gottesdienst im Wiener Stephansdom, dem
Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka vorstehen wird.
((ende)) RME/HKL
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