• 09.12.2022, 09:35:13
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  • OTS0041

Jede fünfte Person ist armutsgefährdet

Arbeiterkammer und Schuldnerberatungen schlagen Alarm

Utl.: Arbeiterkammer und Schuldnerberatungen schlagen Alarm =

Wien (OTS) - Die Arbeiterkammer hat neue Zahlen zur Armut in
Österreich vorgestellt: Nimmt man die Referenzbudgets der
Schuldenberatungen als Maßstab, kann sich bereits jeder fünfte Mensch
in Österreich die notwendigen monatlichen Ausgaben nicht mehr
leisten.

Normalerweise und offiziell wird Armut ausschließlich anhand des
Haushalts-Einkommens gemessen. Was dabei keine Berücksichtigung
findet, ist die Frage, ob die Lebenshaltungskosten dadurch auch
tatsächlich beglichen werden können. Gerade in Zeiten der Teuerung
ist das ein immer größer werdender blinder Fleck.

Die AK hat von der Statistik Austria auswerten lassen, wie viele
Menschen in Österreich aktuell von Armut betroffen sind, wenn die
Referenzbudgets der Schuldenberatungen herangezogen werden. Demnach
kann sich jeder fünfte Mensch in Österreich die notwendigen
monatlichen Ausgaben nicht leisten.

Die Referenzbudgets der staatlich anerkannten Schuldenberatungen
schlüsseln je nach der Anzahl von Kindern und Erwachsenen in einem
Haushalt auf, welches Einkommen zur Deckung der monatlichen fixen
Ausgaben bei bescheidener Lebensführung notwendig ist. „Um die Kosten
für Miete, Energie, Verkehr, Schulkosten, Kleidung etc. decken zu
können, braucht beispielsweise eine Familie mit zwei Kindern 3.819
Euro im Monat. Eine alleinerziehende Person mit einem Kind benötigt
2.307 Euro im Monat“, erläutert Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer
der ASB Schuldnerberatungen GmbH, Dachorganisation der staatlich
anerkannten Schuldenberatungen in Österreich.
Allerdings sind diese Budgets auf Basis des Verbraucherpreisindex
2021 erstellt worden – seither ist die Inflation massiv gestiegen:
Nimmt man diese seit Dezember 2021 dazu, liegen die Preise um 9,7
Prozent höher. Dadurch steigt der Mindestbedarf der Familie mit zwei
Kindern um weitere 370 Euro im Monat und jenes der alleinerziehenden
Person mit einem Kind um 224 Euro im Monat.

„Bei den Referenzbudgets geht es nicht um trockene Zahlen oder
abstrakte Berechnungsmethoden“, betont AK Präsidentin Renate Anderl.
„Es geht darum, exakte Daten zu haben, um den Menschen gezielt helfen
zu können. Der Sozialstaat muss Armut verhindern und Betroffene
wirksam unterstützen. Dafür ist es einerseits notwendig, eine
fundierte Datengrundlage zu schaffen und andererseits die Definition
von Armutsbetroffenheit zu überdenken.“

Auch das Existenzminimum - dieses liegt derzeit bei 1.030 Euro
(Grundbetrag bei 14 Bezügen) – reicht in Zeiten der Teuerung nicht
mehr zum Leben. „Die Schuldenberatungen fordern eine spürbare
Anhebung des Existenzminimums, also jenes Betrags, der einer
überschuldeten Person bei der Pfändung ihres Einkommens oder im
Privatkonkurs verbleibt und mit dem alle Lebenskosten bestritten
werden müssen. Außerdem ist es dringend nötig, die Förderungen zum
Ausgleich der Teuerung gezielter an jene Menschen auszuzahlen, die
darauf angewiesen sind. Nur so können existenzbedrohende Situationen
und Armut aufgrund der aktuellen Entwicklung verhindert werden“, sagt
Clemens Mitterlehner.

„Wir brauchen dringend die dauerhafte Anhebung von Sozialleistungen
und treffsichere Maßnahmen für von der Teuerung am stärksten
Betroffenen,“ fordert AK Präsidentin Renate Anderl.

Trotz gescheiterter Reform ist es notwendig, die Nettoersatzrate beim
Arbeitslosengeld auf ein armutsfestes Niveau anzuheben und
Notstandshilfe an die Inflation anzupassen. Zudem ist eine staatliche
Unterhaltsgarantie für Kinder von Alleinerziehenden; eine Reform der
Mindestsicherung/Sozialhilfe inkl. Rückkehr von Höchst- zu
Mindestsätzen, sowie die Anhebung des Richtsatzes und der
„Mindestpension“ (Ausgleichszulagenrichtsatzes) zumindest auf die
Armutsgefährdungsschwelle notwendig.

Zu den Referenzbudgets (Budgetbeispielen) der Schuldenberatungen:
https://www.ots.at/redirect/schuldenberatung5

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