- 07.12.2022, 14:34:53
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„matinee“-Doppel: Oskar-Werner-Porträt am Feiertag, Dokus über „Exil unter Palmen“ und Komponistin Martines am Sonntag
Außerdem: „Die Kulturwoche“ und „Ikonen Österreichs: Die Schneekugel“
Utl.: Außerdem: „Die Kulturwoche“ und „Ikonen Österreichs: Die
Schneekugel“ =
Wien (OTS) - Zwei Kultur-„matineen“ präsentiert ORF 2 in dieser
Woche: So bringt der Kulturvormittag am Feiertag, am Donnerstag, dem
8. Dezember 2022, um 9.05 Uhr das zum 100. Geburtstag von Siegfried
Steinlechner gestaltete ORF-Filmporträt von Schauspielikone „Oskar
Werner – Mensch und Mythos“ zum Wiedersehen. Die „matinee“ am
Sonntag, dem 11. Dezember, bittet ab 9.05 Uhr Exilantinnen und
Exilanten, Vergessene und Ikonen vor den Vorhang: Zum Auftakt steht
die Dokumentation „Exil unter Palmen – Verbannt nach Hollywood“ von
ORF-Hollywood-Experte Christian Reichhold auf dem Programm, danach
das von Barbara Weissenbeck gestaltete Porträt einer weitgehend
unbekannten Zeitgenossin Mozarts und Beethovens: „Marianna von
Martines – Die vergessene Komponistin“ (9.45 Uhr). Auf „Die
Kulturwoche“ (10.30 Uhr) mit aktuellen Berichten und Tipps folgt zum
Abschluss des von Peter Schneeberger präsentierten Vormittags eine
Ausgabe der Kurzreihe „Ikonen Österreichs“ (10.45 Uhr) über „Die
Schneekugel“.
Donnerstag, 8. Dezember 2022: „Oskar Werner – Mensch und Mythos“
(9.05 Uhr)
Oskar Werner, geboren am 13. November 1922 als Oskar Josef
Bschließmayer in Wien, wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Er zählt
unbestritten zu den herausragendsten österreichischen
Schauspiellegenden der Film- und Theatergeschichte, unvergesslich und
faszinierend für viele bleiben seine darstellerische Präsenz, Mimik,
Gestik und vor allem seine unverkennbare Stimme. Der 1984 verstorbene
charismatische Ausnahmekünstler ist für sein Genie wie auch für seine
Sensibilität und künstlerische Kompromisslosigkeit bekannt, die ihn
vorzeitig am Leben scheitern ließen. Ein anlässlich des 100.
Geburtstags von ORF-Filmemacher Siegfried Steinlechner gestalteter
Film beleuchtet „Oskar Werner – Mensch und Mythos“.
In Anlehnung an Max Reinhardt war das „wahre Theater“ Oskar Werners
sein Credo. Das sogenannte Regietheater lehnte er kategorisch ab, war
überzeugt von der Kraft der Darsteller/innen. Eine
Kompromisslosigkeit, die ihn zunehmend in die Rolle eines
„Schwierigen“ im Umgang mit Regisseuren und Theaterdirektoren
brachte. Auch seine gefeierte Arbeit in Hollywood war von dieser
Rigorosität geprägt. Einen Sieben-Jahres-Vertrag mit 20th Century Fox
brach er schließlich ab, da er mit den angebotenen Rollen nicht
einverstanden war. Zurück in Europa ließ sich Oskar Werner in
Triesen, Liechtenstein nieder. Von hier aus startete er seine
europäische Filmkarriere und drehte u. a. mit Georg Wilhelm Pabst,
Max Ophüls oder François Truffaut. Doch die wirklich große Film- und
Theaterlaufbahn scheiterte an seinen Ansprüchen, die ihn unzählige
Rollenangebote ablehnen ließen. Depressionen, Alkoholprobleme, nicht
durchgeführte Theaterprojekte und ein Debakel mit seinem
Wachau-Festival 1983 kennzeichneten seine letzten Lebensjahre.
Während der Vorbereitung für eine Lesetournee durch Deutschland
versagte sein Herz am 23. Oktober 1984 in Marburg an der Lahn.
Als Quellen für Regisseur Siegfried Steinlechner dienten vor allem
das Filmarchiv Austria, das Burgtheater und das Theatermuseum. Im
Film lässt er berufliche Weggefährtinnen und -gefährten wie Achim
Benning, Mona Seefried und Michael Heltau zu Wort kommen. Erstmals
sprechen auch Oskar Werners letzte Assistentin, Michaela Kappel, und
sein Freund der letzten Jahre in Krems, Robert Mayr, über ihn. Sie
alle erinnern sich an einen ganz Großen ihres Lebens und finden
spannende Antworten auf Fragen zwischen dem Mythos und dem Menschen
Oskar Werner.
Sonntag, 11. Dezember 2022:
„Exil unter Palmen – Verbannt nach Hollywood“ (9.05 Uhr)
Viele der rund 1.500 deutschsprachigen Intellektuellen, die in den
dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf der Flucht
vor den politischen Entwicklungen in Europa nach Los Angeles
emigrierten, waren Schriftstellerinnen und Schriftsteller – einige
von ihnen aus Österreich, wie u. a. Franz Werfel, Vicki Baum, Walter
Reisch oder Friedrich Torberg. Manchen, wie Billy Wilder, George
Froeschel oder George Tabori, gelang es schnell, sich den Lebens- und
Arbeitsgewohnheiten ihres Exils anzupassen: Sie arrangierten sich mit
dem „American Way of Life“ und fassten schon bald im Filmgeschäft
Fuß. Andere hatten größere Anpassungsschwierigkeiten.
Treffpunkt der deutschsprachigen Literaturszene und Erscheinungsort
des Liebhaberprojekts „Pazifische Presse“ war die berühmte Villa
Aurora der Verleger Ernst Gottlieb und Felix Guggenheim, die heute im
Besitz des Deutschen Kulturinstituts ist. Dort, wo jene, deren Bücher
einst in Deutschland verbrannt wurden, einige Jahre lang ihre Heimat
gefunden hatten, feiert das offizielle Deutschland heute vor jeder
Oscar-Verleihung seine Nominierten. Die Dokumentation von
Hollywood-Kenner und ORF-Filmemacher Christian Reichhold beleuchtet
die herausfordernden Lebensumstände der Exilantinnen und Exilanten
und lässt den Glanz der heutigen Filmszene in der Villa Aurora
aufleuchten.
„Marianna von Martines – Die vergessene Komponistin“ (9.45 Uhr)
Die Wiener Komponistin Martina von Martines scheint erst seit Kurzem
in der neueren Musikforschung auf, obwohl sie zu ihren Lebzeiten
berühmt war und als umtriebige Salonière Musiker wie Ludwig van
Beethoven förderte und unterstützte. In der von Barbara Weissenbeck
gestalteten filmischen Entdeckungsreise wird ihre Geschichte mittels
Reenactment zum Leben erweckt, aber auch aus der Sicht der heutigen
Wiener Komponistin Johanna Doderer sowie unterschiedlicher
Musikhistoriker/innen betrachtet. Der Blick auf das gesellschaftliche
und musikgeschichtliche Wien im 18. Jahrhundert eröffnet eine Welt,
in der es weiblichen Talenten in Musik und Kunst schwer bis unmöglich
war, einen Schritt aus der zweiten Reihe sowie eine Karriere zu
machen.
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