- 27.11.2022, 11:38:51
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Natascha Kampusch über ihre Erinnerungen und ihr Leben 16 Jahre nach ihrer Befreiung in Ö3-„Frühstück bei mir“
„Ich erlebe es als eine Art Hölle, aber komme gestärkt daraus hervor.“
Utl.: „Ich erlebe es als eine Art Hölle, aber komme gestärkt daraus
hervor.“ =
Wien (OTS) - Ihre Geschichte ging um die Welt: Als zehnjähriges
Mädchen wurde Natascha Kampusch auf dem Schulweg entführt, 2006
gelang ihr nach über acht Jahren in Gefangenschaft die Flucht. Danach
wurde sie zu einer der bekanntesten Österreicherinnen, auch zur
polarisierenden Medienfigur. In Ö3-„Frühstück bei mir“ berichtete
Kampusch heute über ihr aktuelles Leben: „Ich fahre fast täglich in
den Stall und dann reite ich. Das ist sehr zeitintensiv. Meine Bücher
sind meine Haupteinnahmequelle.“ Um gleich via Ö3 den Aufruf zu
machen: „Wer noch eine andere Einnahmequelle weiß, soll sich melden.
Seminare, etwas moderieren, als Speakerin arbeiten – das würde mich
interessieren.“ Denn, die 34-Jährige, die auch kurz als TV-Talkerin
engagiert war, gestand: „Ich habe mir eine größere journalistische
Karriere vorgestellt, aber nicht jeder ist bereit, ein
Entführungsopfer zu supporten.“
„Das Wort ‚Keller‘ triggert mich besonders“
Dafür hat sie jetzt, gemeinsam mit Co-Autorin Judith Schneiberg, den
Ratgeber „Stärke zeigen. Bewältigungsstrategien für ein kraftvolles
Leben“ geschrieben, den sie in „Frühstück bei mir“ noch vor der
Erscheinung präsentierte. Darin beschreibt Kampusch Methoden, die ihr
in den Jahren im Verlies und auch danach geholfen haben. Eine
Trauma-Therapie, die sie in Anspruch genommen hat, zum Beispiel:
„Auch heute bin ich noch in Therapie.“ In der Zeit der Gefangenschaft
habe ihr besonders geholfen, sich in rettende Phantasiewelten zu
begeben. Kampusch erzählte auf Ö3, dass sie an die Tür des Verlieses
eine Klinke gezeichnet hatte: „Ich habe mir vorgestellt, dass ich die
Klinke bewegen kann, aus der Tür herauskommen kann, dass sie nicht
einfach verschlossen ist. Und ich habe mir vorgestellt, dass
irgendwelche Leute mich retten kommen.“ Die Erinnerungen hat sie für
das Buch bewusst hervorgeholt: „Das machte mir nichts, weil da ging
es ja um die Erfahrungen, die mir weitergeholfen haben. Aber manchmal
überfällt mich die Erinnerung an das Verlies ganz plötzlich. Ich
erlebe dann eine Art Hölle, aber komme gestärkt daraus hervor, weil
ich die Sicherheit habe, dass es jetzt nicht mehr der Fall ist.“ Auch
Worte lassen die Zeit in Gefangenschaft aufleben: „Das Wort ‚Keller‘
triggert mich besonders. Wenn einer zu jemand anderen sagt: ‚Dann
sperr ich dich in den Keller ein, bis du das verstanden hast‘ oder
‚Jetzt sperren wir uns im Weinkeller ein‘ – das kann die Situation
triggern.“
„Menschen zweifeln, dass man eine Beziehung mit mir haben kann.“
Auch über die Kraft der Einsamkeit – ebenfalls eine von ihr
beschriebene Methode zu mehr Stärke – sprach Kampusch auf Ö3. Ihren
Beziehungsstatus wollte sie nicht genau definieren, beschreibt
allerdings: „Es ist für mich schwierig Leute kennenzulernen, die kein
Urteil über mich haben. Und oft beeinflusst das Umfeld die Männer,
die ich kennenlerne, und bringt sie ab. Menschen zweifeln oft, dass
man mit mir eine Beziehung haben kann. Ich kann halt nichts machen,
wenn Männer nicht mutig genug dafür sind.“ Welches Mindset sie für
Zeiten der Krisen besonders empfehlen kann? „Alle Menschen sollen in
die Dankbarkeit gehen, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. Das
tue ich auch.“
Das ganze Ö3-Interview von Claudia Stöckl gibt es online
(https://oe3.orf.at/) und immer auch als Ö3-Podcast auf ORF-Sound:
https://sound.orf.at/podcast/oe3/fruehstueck-bei-mir
Ein Foto vom „Ö3-Frühstück bei mir“ zum Download (© Daniel Uzelac):
https://cloud.orf.at/s/KawmLBL6YMmyADo
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