- 04.10.2022, 12:00:33
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Touristischer Arbeitsmarktgipfel setzt positive Signale zur Beschäftigung
Staatssekretärin Kraus-Winkler lud Sozialpartner und Branchenvertreter/innen um gemeinsam Zukunftsstrategien für den erhöhten Arbeitskräftebedarf im Tourismus zu entwickeln

Utl.: Staatssekretärin Kraus-Winkler lud Sozialpartner und
Branchenvertreter/innen um gemeinsam Zukunftsstrategien für
den erhöhten Arbeitskräftebedarf im Tourismus zu entwickeln =
Wien (OTS/BMAW) - „Der Tourismus durchläuft eine
Transformationsphase, die sich auch am Arbeitsmarkt widerspiegelt:
Aktuell gibt es zwar höhere Beschäftigungs- und geringere
Arbeitslosenzahlen, aber dennoch mehr offene Stellen als vor der
Pandemie. Die Arbeitskräftesuche ist für die bevorstehende
Wintersaison in vollem Gang, aber zählt weiterhin zu den größten
Herausforderungen der Branche“, so Staatssekretärin für Tourismus
Susanne Kraus-Winkler.
Mit August waren 238.999 unselbstständig Beschäftigte im Tourismus
gemeldet. Die offenen Stellen liegen im September bei 12.936 (5.359
in der Beherbergung, 7.577 in der Gastronomie), zeitgleich sind mit
zu Ende gehender Sommersaison im August 2022 doppelt so viele
Personen arbeitslos gemeldet (25.929 ohne Schulungsteilnehmer/innen).
Der Frauenanteil in Beherbergung und Gastronomie betrug im August
2022 56 Prozent und jener der ausländischen Beschäftigten
mittlerweile 54 Prozent. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten stieg
im August 2022 zum Vorjahr um 4 Prozent, wobei rund zwei Drittel der
Teilzeitmitarbeiter weiblich sind.
Strukturelle Verbesserungen durch „Attraktivieren,
Mobilisieren, Qualifizieren“
Strukturelle Verbesserungen am touristischen Arbeitsmarkt können nur
dann gelingen, wenn sämtliche Tourismus-Stakeholder an einem Strang
ziehen. Die Analyse der Ist-Situation zeigt, dass dringend Maßnahmen
in drei strategischen Handlungsfeldern erforderlich sind: „Die
Arbeitsbedingungen müssen zeitgemäß attraktiviert werden. Derzeit
Arbeitssuchende müssen mit Berufsinformationsangeboten und weiteren
Anreizen mobilisiert werden und letztendlich geht es darum,
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser zu qualifizieren und
Ausbildungsmaßnahmen auf allen Ebenen zu modernisieren und
voranzutreiben“, so Kraus-Winkler.
Präsentation IHS-Studie: Der touristische Arbeitsmarkt vor,
während und nach der Krise
Klaus Neusser, Direktor des IHS, präsentierte den Zwischenbericht
einer Studie zur Entwicklung des touristischen Arbeitsmarkts seit der
Pandemie. Diese zeigt, dass es der Branche durchaus gelungen ist, die
seit Corona abhanden gekommenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
zurückzuholen und auf das Beschäftigtenniveau von 2019
zurückzukehren. Das sei gerade der Kurzarbeit zu verdanken, die im
Tourismus gut funktioniert hat. Weltweit, aber gerade auch in
Österreich seien für den Tourismus die hohe Fluktuation der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die saisonalen Schwankungen
typisch. So waren im Jahr 2019 mehr als 500.000 unterschiedliche
Personen im Tourismus tätig. Handlungsbedarf verortet die Studie
angesichts der deutlich gesunkenen Lehrlingszahlen. Während es 2019
Spitzenwerte von knapp unter 8.000 gab, lagen die Lehrlingszahlen bis
August deutlich unter 6.000. Das sei vor allem auch deshalb
problematisch, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit
Lehrabschluss am ehesten dauerhaft in der Branche verbleiben.
Sozialpartner: Tourismus als attraktiven Arbeitgeber
positionieren
Seitens der WKÖ-Obleute Mario Pulker (Gastronomie), Johann
Spreitzhofer (Hotellerie) und Gregor Kadanka (Reisebüros) wurde
betont, dass die Branchen gerade während der letzten Jahre erhebliche
Verbesserungen erzielt haben. So verweisen sie auf eine Reihe von
Projekten, die Betriebe informieren und inspirieren, sich als
Arbeitgeber den Herausforderungen des heutigen Arbeitsmarktes
anzupassen. Dazu gehöre auch, Berufseinsteiger/innen auf der neu
geschaffenen Plattform www.jobmitaussicht.at einen umfassenden
Überblick über Berufschancen im Hotel- und Gastgewerbe zu geben. Von
der Politik fordern die WKÖ-Vertreter unter anderem ein
modernisiertes Aushilfskräftemodell sowie eine Modernisierung der
steuerlichen Sachbezugsregeln, insbesondere bei Mitarbeiterwohnungen
und Kinderbetreuungszuschüssen. Zudem solle der Ausbau von
Kinderbetreuungseinrichtungen vorangetrieben werden.
Von den Gewerkschaftsvertretern Berend Tusch (vida), Andreas Gollner
(vida) und Andreas Laaber (GPA) wurde kritisiert, dass ein
Kriterienkatalog fehle, der gute Arbeitgeber ausweist. Zudem müsse
die Branche die Weichen in Richtung besserer Vereinbarkeit von Job
und Familie bzw. Freizeit stellen. Daneben fordern die
Gewerkschaftsvertreter die Realisierung eines Sozial-, Aus- und
Weiterbildungsfonds sowie die Verstärkung der
Qualitätssicherungsmaßnahmen im Lehrlingsbereich und ebenfalls eine
Überarbeitung steuerlicher Sachbezugsregeln. Neben diesen
inhaltlichen Anregungen drängt die Gewerkschaft auf einen nachhaltig
wirkenden Ausgleich der Teuerung für die Beschäftigten.
AMS und ÖHV: Wie der Tourismus neue Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter gewinnen kann
Susanne Dungl (AMS Österreich) setzt darauf, Betriebe bei der
Personalsuche zielgerecht zu unterstützen: Von Informationen über den
jeweiligen regionalen Arbeitsmarkt, über gute Betreuung bis hin zu
Tipps für Betriebe für einen erfolgreichen Onboardingprozess. In den
letzten Jahren haben Tourismusbetriebe rund 750 Impulsberatungen zur
Professionalisierung ihrer Personalarbeit in Anspruch genommen und
damit ihre Personalarbeit professionalisiert und an
Arbeitgeberattrakivität gewonnen.
Nach Walter Veit (Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung)
tragen vor allem Investitionen in Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
zeitgemäße Mitarbeiterunterkünfte sowie attraktive Freizeit- und
Weiterbildungsangebote dazu bei, Personen zum Wechseln in die Branche
zu motivieren. Mitarbeiterführung und -entwicklung, gerade bei
Lehrlingsausbildern und angehenden Führungskräften, stehen ebenso im
Mittelpunkt der zukunftsfähigen Mitarbeiterstrategien im Tourismus.
Ausbildungsexperten: Die Tourismusausbildung der Zukunft
Jürgen Kürner (Sprecher der Tourismusschulen) verweist auf die rund
8.000 Schülerinnen und Schüler an 28 Standorten, die derzeit an
Tourismusschulen ausgebildet werden. Lehrpläne, sollen praxisnah und
zukunftsorientiert weiterentwickelt werden, um etwa mit der
fortschreitenden Digitalisierung, Schritt zu halten.
Gerold Royda (Bundesausbildungsleiter) weiß aus seiner Arbeit im
Lehrlingswesen, dass weitere Qualitätsoffensiven im Lehrlingswesen in
den nächsten Jahren wesentlich für eine erfolgreiche
Lehrlingsausbildung sind. Jüngste Beispiele für erfolgreiche erste
Maßnahmen waren die Evaluierung der Berufsbilder sowie die Schaffung
des neuen Lehrberufs „Hotel- und Restaurantfachmann bzw. -frau“.
Erfreulich sei, dass im September ein Lehrlingszuwachs von 30 Prozent
zu verzeichnen war.
Seitens des Staatssekretariats für Tourismus kündigt Kraus-Winkler
an, verstärkt Best-Practice-Beispiele vor den Vorhang zu holen und
mittels gezielter Förderungen arbeitsmarktpolitische Impulse zu
setzen. Die Neuausrichtung der gewerblichen Tourismusförderung soll
ab 2023 zu Verbesserungen bei der Errichtung von
Mitarbeiterquartieren sowie von Räumlichkeiten zur Kinderbetreuung
führen. Zeitgleich sollen Konzepte zur Qualitätssicherung im
Lehrlingswesen, zu einem modernen Aushilfskräftemodell sowie zu einem
Saisonverlängerungsmodell entwickelt werden. Letzteres kann in
Zweisaisonbetrieben ein Zwischenschritt am Weg zur anzustrebenden
Ganzjahresbeschäftigung sein.
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