• 23.09.2022, 09:00:03
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  • OTS0036

Kocher/Gerzabek: CDG-Preis für Forschung und Innovation geht an zwei Josef Ressel Zentren

Preis für anwendungsorientierte Forschung an ultrakurz gepulsten Lasern und an Methoden zur zerstörungsfreien Prüfung von Leichtbauteilen

Utl.: Preis für anwendungsorientierte Forschung an ultrakurz
gepulsten Lasern und an Methoden zur zerstörungsfreien Prüfung
von Leichtbauteilen =

Wien (OTS/BMAW) - Jedes dritte Jahr wird der CDG-Preis für Forschung
und Innovation für Josef Ressel Zentren (JR-Zentren) ausgeschrieben,
um deren Erfolge in der Forschung ebenso zu würdigen wie ihren
Beitrag zur Stärkung der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit
Österreichs. Diesmal trifft die Preisverleihung mit einem Jubiläum
zusammen: Vor fast genau zehn Jahren, am 01.10.2012 startete das
erste von der Christian Doppler Forschungsgesellschaft geförderte
Josef Ressel Zentrum.

Mit Sandra Stroj von der FH Vorarlberg und Günther Mayr von der FH
Oberösterreich geht der diesjährige Preis an zwei
Materialforscher/innen mit höchst unterschiedlicher Ausrichtung: Im
einen JR-Zentrum geht es um neue Anwendungsbereiche für
Ultrakurzpulslaser, im anderen um die zerstörungsfreie Prüfung von
Leichtbauteilen – beides mit signifikanter Bedeutung für die
jeweiligen Unternehmenspartner.

„Gratulation an Sandra Stroj und Günther Mayr! Gemeinsam mit ihren
Unternehmenspartnern zeigen sie, wie erfolgreich Forschung an
Fachhochschulen ist, und wie vielfältig die Anwendungsmöglichkeiten
sind. Neues Wissen stärkt den Innovationsstandort Österreich und ist
ein Wettbewerbsvorteil im internationalen Vergleich. Die Erfolge der
Josef Ressel Zentren zeigen, dass Fachhochschulen die Möglichkeit zum
langfristigen Aufbau von Expertise in Interaktion mit Unternehmen
hervorragend nutzen“, betont Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin
Kocher.

Auch Martin Gerzabek, Präsident der Christian Doppler
Forschungsgesellschaft gratuliert den Preisträger/innen: „Beide
JR-Zentren zeigen, dass Forschungsarbeiten, die von der Fragestellung
eines Unternehmens ausgehen, hohe gesellschaftliche Relevanz haben:
Effizienzsteigerungen bei der zerstörungsfreien Prüfung von
industriellen Produkten erhöhen nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit
der Unternehmenspartner, sondern sind durch die damit verbundene
Ressourcenschonung auch ein Teil der Lösung für unsere
Herausforderungen im Umweltbereich. Die wissenschaftlich fundierte
Suche nach neuen Anwendungsgebieten für Ultrakurzpulslaser führt zu
neuen Ansätzen für die Krebsbehandlung, zu neuen Möglichkeiten der
Gewinnung von Trinkwasser aus Nebel mittels funktionaler Oberflächen
und erschließt gleichzeitig auch neue Kundenkreise für den
Unternehmenspartner.“

Führungspersonen der beiden Fachhochschulen, an denen die
Preisträger/innen beheimatet sind,
erläutern die Bedeutung von Josef Ressel Zentren für Fachhochschulen:
Stefan Fitz-Rankl, Geschäftsführer der FH Vorarlberg: „Die Josef
Ressel Zentren kombinieren höchste akademische Ansprüche mit einer
intensiven Forschungs-Zusammenarbeit mit unseren Wirtschaftspartnern.
Sie sind daher für die Fachhochschule Vorarlberg als forschungsstarke
Hochschule ein sehr wichtiger Baustein der Forschungsaktivitäten.“

Gerald Reisinger, Präsident der FH Oberösterreich: „Wir als FH
Oberösterreich stehen für die Verknüpfung von anwendungsorientierter
Wissenschaft und den praktischen Bedürfnissen aus Wirtschaft und
Gesellschaft. Die Josef Ressel Zentren bieten uns die Möglichkeit,
längerfristig und auf hohem Niveau mit unseren Partnern aus der
Praxis zu forschen. Zudem stellen sie einen Referenzmaßstab für
Forschung im FH-Sektor dar, wodurch sie letztlich auch für das Image
einer Fachhochschule wichtig sind.“

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung:
„Der CDG-Preis für Forschung und Innovation hebt besonders jene
Forscherinnen und Forscher heraus, die einen starken Fokus auf die
Anwendung der Ergebnisse ihrer Forschung in der Praxis und der
Zusammenarbeit mit Leitbetrieben gesetzt haben. Für Österreichs
Industrie ist der erfolgreiche Wissens- und Technologietransfer
zwischen Wissenschaft und Wirtschaft alternativlos. In diesem Sinne
gratuliere ich Sandra Stroj und Günther Mayr zu ihrer herausragenden
Leistung.
In die Zukunft blickend dürfen wir auch die Finanzierung der
FTI-Aktivitäten in Österreich und hier insbesondere der angewandten
Forschung in der Krise nicht aus den Augen verlieren, insbesondere
den FTI-Pakt für die kommende Periode 2024-26. Es bleibt zentral, die
schon in Regierungsprogramm und in der FTI-Strategie 2030 verankerte
Technologieoffensive für angewandte Forschung mutig fortzuführen und
weiter zu stärken. Dies betrifft auch ganz wesentlich themenoffene
Programme und Formate mit ihrer essentiellen Radarfunktion für
zukunftsträchtige Technologieentwicklungen.“

Forschung und Erfolge der Gewinner/innen

Sandra Stroj und ihr Team untersuchen neue Anwendungsmöglichkeiten
für ultrakurz gepulste Laser auch für industrielle Anwendungen.
Gegenüber herkömmlichen Lasern haben sie den Vorteil, dass das
Material nicht warm wird, und man auch Nanostrukturen und
„schwierige“ Materialien bearbeiten kann, also z.B. spröde oder
besonders harte Materialien. Der wohl spektakulärste Erfolg des
JR-Zentrums beruht auf einer Beobachtung in der Natur: Auf den
Flügeln des Wüstenkäfers (Stenocara gracilipes) liegen winzige
wasseranziehende Hügel und wasserabweisende Täler eng nebeneinander.
Dadurch kann der Käfer deutlich mehr Wasser aus dem Nebel gewinnen,
als das mit glatten Oberflächen möglich wäre. Dem JR-Zentrum ist es
gelungen, dieses Prinzip mit einer Kombination aus
Beschichtungsprozess und Bearbeitung mit Ultrakurzpulslasern
nachzubauen. Das Ergebnis ist ein Herstellungsprozess für funktionale
Oberflächen, auf denen beliebige Benetzungszustände erzeugt und
kombiniert werden können. Dieser Prozess wurde wissenschaftlich
publiziert und vom Unternehmenspartner High Q Laser GmbH (ein Teil
von MKS Instruments, Inc.) patentiert. Anwendungsmöglichkeiten
reichen von der Bekämpfung von Kondenswasser bei industriellen
Maschinen bis hin zur Trinkwassergewinnung in meernahen
Trockengebieten.

Im JR-Zentrum von Günther Mayr geht es sehr mathematisch zu: Im
thermografischen Prüfverfahren wird ein Bauteil mit Licht bestrahlt,
dessen Oberfläche sich dadurch natürlich erwärmt. Je nachdem, ob sich
im Inneren Fehler befinden (Luftblase, Verklebung, …), fließt diese
Wärme mehr oder weniger gleichmäßig nach innen. Aus möglichen
Wärmestaus an der Oberfläche lassen sich dann Rückschlüsse auf Lage
und Größe des Defekts im Inneren ziehen – aber nur mit der richtigen
Mathematik und unter Zuhilfenahme einer Kombination aus Künstlicher
Intelligenz und experimentellen Untersuchungen.
Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten sind für die
Unternehmenspartner FACC Operations GmbH, ENGEL AUSTRIA GmbH und
Ottronic Regeltechnik Gesellschaft m.b.H äußerst relevant: Bessere
und genauere Prüfmethoden verringern den Ausschuss, helfen bei der
Vermeidung teurer Reparaturen und sind schneller und effizienter. Die
Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen profitiert davon ebenso wie der
Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Österreich.
Ein sehr greifbarer Erfolg des JR-Zentrums ist auch das erst im
August 2022 gegründete Start-up Voidsy. Ziel des in unmittelbarer
Nähe der FH angesiedelten Unternehmens ist die Entwicklung eines
smarten Sensorkopfes für thermografische Prüfungen, der den bisher
nötigen komplexen Versuchsaufbau für die Prüfungen ersetzen soll.

Zehn Jahre JR-Zentren: eine Erfolgsstory

In Josef Ressel Zentren wird anwendungsorientierte Forschung auf
hohem Niveau betrieben, hervorragende Forschende kooperieren dazu mit
innovativen Unternehmen. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt
die Christian Doppler Forschungsgesellschaft CDG international als
Best Practice Beispiel. Sie betreut die JR-Zentren seit 2012, ist
also insbesondere für die wissenschaftliche Evaluierung und die
Abwicklung der Finanzierung verantwortlich. Dabei stützt sie sich vor
allem auf den 2012 eingerichteten JR-Senat mit derzeit 15
hochqualifizierten Mitgliedern.
Die Entwicklung der JR-Zentren seit 2012 ist eine Erfolgsgeschichte:
• Insgesamt waren seither 26 JR-Zentren an 11 verschiedenen
Fachhochschulen aktiv.
• 27 Mio. Euro wurden für die Forschung zur Verfügung gestellt.
• 70 Unternehmen konnten für die Kooperation mit einem JR-Zentrum
gewonnen werden.
• 400 Publikationen mit Peer-Review zeigen den wissenschaftlichen
Erfolg.
Josef Ressel Zentren werden vom Bundesministerium für Arbeit und
Wirtschaft (BMAW) und den beteiligten Unternehmen gemeinsam
finanziert.

Weitere Informationen zu den Forschungsarbeiten sowie Fotos der
feierlichen Preisverleihung finden Sie unter:
https://www.cdg.ac.at/cdg-preis-fuer-forschung-und-innovation/2022-ma
terialforschung-in-jr-zentren

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