- 21.09.2022, 14:46:56
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- OTS0204
Synodaler Prozess: Österreich-Bericht veröffentlicht
Zentrale Anliegen der österreichischen Katholikinnen und Katholiken sind u.a. Geschlechtergerechtigkeit und Partizipation in der Kirche
Utl.: Zentrale Anliegen der österreichischen Katholikinnen und
Katholiken sind u.a. Geschlechtergerechtigkeit und
Partizipation in der Kirche =
Wien (KAP) - Ein vielfältiges und vielschichtiges Bild von Kirche und
den zentralen Herausforderungen zeichnet die "Nationale Synthese zum
synodalen Prozess", die von der Österreichischen Bischofskonferenz
Mitte August nach Rom weitergeleitet wurde. Gemeinsam mit Erzbischof
Franz Lackner, dem Vorsitzenden der Österreichischen
Bischofskonferenz, haben die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak
und die Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) in
Innsbruck, Petra Steinmair-Pösel, am Mittwoch in Wien den
Österreich-Bericht der Öffentlichkeit vorgestellt. Zentral sind u.a.
die Themen Geschlechtergerechtigkeit und Partizipation in der Kirche.
Der Prozess hat für Erzbischof Lackner deutlich gemacht: "Als Kirche
stehen wir in einer doppelten Verantwortung. Einerseits für das Reich
Gottes hier vor Ort, wie es lebt, leidet und von Sehnsüchten geprägt
ist. Andererseits aber auch in der Verantwortung empfänglich,
andockfähig, ergänzungsfähig zu bleiben mit Blick auf die
Universalkirche." Die große Herausforderung bestehe darin, beidem
gerecht zu werden.
Petra Steinmair-Pösel, sie war maßgeblich an der Endredaktion des
Textes beteiligt, skizzierte die inhaltlichen Eckpunkte des
Österreich-Berichts. Anliegen aus der synodalen Beratung, die man vor
Ort aufgreifen kann, sollten sofort umgesetzt werden, so der Wunsch
der Gläubigen. Dazu gehörten Themen wie Geschlechtergerechtigkeit,
etwa durch gezielte Förderung von Frauen in kirchlichen
Leitungspositionen, oder der Ausbau von Partizipationsmöglichkeiten
in Richtung Transparenz von Entscheidungsprozessen und Mitbestimmung
auf allen Ebenen.
Ein weiterer Bereich sei die vermehrte Mitwirkung von Laien und
Laiinnen in der Liturgie, beispielsweise durch Predigt- und
Tauferlaubnis für Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten und
die Erlaubnis für Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger, die
Krankensalbung zu spenden.
Weitere zentrale Anliegen seien das Bemühen um eine verständlichere
Sprache in Liturgie und Verkündigung sowie ein pastoraler Umgang mit
Menschen, die in verschiedener Weise vom kirchlichen Leben
ausgeschlossen sind; ebenso eine weiterhin transparente Aufarbeitung
von Missbrauch und die Förderung von Glaubensbildung.
Bei Anliegen, die nicht vor Ort umgesetzt werden können, wünschten
sich die Gläubigen eine Thematisierung auf entsprechender kirchlicher
Ebene. Dazu zählten gemäß den Synthesen Themen wie der Zugang von
Frauen zur Weihe und den damit verbundenen Ämtern, der Zölibat als
Zulassungsbedingung zum Weiheamt oder die Adaptierung von
Lehrmeinungen; etwa ein Überdenken mancher kirchlicher Positionen im
Bereich der Sexualmoral.
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement der Kirche im
karitativen und gesellschaftspolitischen Bereich sei essenziell,
unverzichtbar und werde geschätzt.
Deutlich werde bei den bisherigen Beiträgen zum Synodalen Prozess
auch, dass Gemeinschaft in erster Linie in den Pfarrgemeinden erlebt
werde. Ein weiteres Thema bzw. Anliegen: Partizipation müsse in allen
Bereichen und auf allen Ebenen gefördert werden.
"Innerkirchliche Themen brennen auf der Seele"
Prof. Regina Polak, die dem nationalen Synodenteam angehört, betonte
in ihren Ausführungen, dass die bisherigen Ergebnisse des Synodalen
Prozesses eine starke Binnenorientierung der österreichischen Kirche
zeigten, die einer Horizonterweiterung über die Kirchengrenzen hinaus
bedürfe. Es hätten beim bisherigen Prozess Themen dominiert, die die
Kirche in Österreich bereits seit Jahrzehnten beschäftigen. Es
scheine, dass der diesbezügliche Reformstau die Kirche in Österreich
daran hindere, sich intensiv mit ihrer Sendung in der taumelnden Welt
des 21. Jahrhunderts zu befassen.
Jene Anliegen und Argumente, die nur weltkirchlich entschieden werden
können, sollten die Bischöfe "beherzt" auf den nun folgenden
Bischofssynoden einbringen und verständlich machen - "denn sie sind
auch Fürsprecher ihrer Gläubigen". Die Bischöfe müssten diese
Anliegen nicht teilen, betonte Polak, "aber sie sollten schwierige
Themen auch nicht in vorauseilendem Gehorsam vorschnell unter den
Tisch fallen lassen".
Synodale Beratungen auf Europa-Ebene
Erarbeitet wurde die Österreich-Synthese von einem Autorenteam, dem
kein Bischof angehörte. Die Bischöfe haben das Dokument, das die
authentische Stimme der Katholikinnen und Katholiken in Österreich
wiedergeben will, lediglich mit einem Begleitwort ergänzt, das von
Erzbischof Lackner und Bischof Josef Marketz gezeichnet ist. Wiewohl
keine genauen Zahlen vorliegen, dürften sich insgesamt rund 50.000
Menschen österreichweit am Synodalen Prozess beteiligt haben, wie es
hieß.
Erzbischof Lackner bekräftigte, dass man die auf dem Tisch liegenden
Ergebnisse nun in den weiteren Synodalen Prozess einbringen wird.
Nach der nationalen Phase wird der Prozess nun auf kontinentaler
Ebene fortgesetzt. Die kontinentale Versammlung für Europa wird im
Februar 2023 in Prag stattfinden. Daran werden nicht nur Bischöfe,
sondern auch drei Laiinnen bzw. Laien pro Nation teilnehmen. - Aus
Österreich sind dies neben Erzbischof Lackner Prof. Polak und
Rektorin Steinmair-Pösel sowie Markus Welte, der zuständige Referent
für den Synodalen Prozess in der Erzdiözese Salzburg. "Wir dürfen
gespannt sein", so Lackner, "wohin uns der Geist Gottes durch diesen
gemeinsamen Weg auf allen Kontinenten weiter führen wird". Der
Erzbischof bekräftigte zudem auf Nachfrage, dass der Synodale Prozess
auch in Österreich weitergehen werde.
Hauptgrund für berechtigte Zuversicht im Blick auf die Weltsynode sei
Papst Franziskus selbst, "der uns mit dem weltweiten Synodalen
Prozess wieder einmal überrascht hat", so der Vorsitzende der
Bischofskonferenz auf Nachfrage. "Die großen Themen liegen auf dem
Tisch, und das ist gut so", hielt der Erzbischof fest und sagte: "Ich
hoffe sehr, dass wir einen Schritt weiterkommen." Es gelte, jetzt so
zu säen, dass andere ernten können. "Dafür brauchen wir die
Weichenstellungen jetzt."
(Honorarfreie Bilder und von der Pressekonferenz sind in Kürze unter
www.kathpress.at/fotos verfügbar, O-Töne unter
www.kathpress.at/audio)
(Wortlaut der "Nationale Synthese zum synodalen Prozess" unter:
www.bischofskonferenz.at)
((forts. mgl.)) GPU/PWU
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