- 16.09.2022, 10:57:48
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trend: Norweger wollen sich an OMV beteiligen
Angebot für die Öl- und Gasförderung der OMV von norwegischem Konsortium. Ideen zur Teilung der OMV leben wieder auf.
Utl.: Angebot für die Öl- und Gasförderung der OMV von norwegischem
Konsortium. Ideen zur Teilung der OMV leben wieder auf. =
Wien (OTS) - Am 2. September wurde OMV-Chef Alfred Stern in eine
außerordentliche Aufsichtsratssitzung der Staatsholding ÖBAG zitiert.
Dort ging es um Erklärungen zur Sterns Strategie, die OMV in einen
Petrochemie-Konzern zu transformieren. Die Sache hat aber auch einen
konkreteren Hintergrund, wie das Magazin trend in Erfahrung bringen
konnte. Es liegt nämlich das Angebot eines norwegischen Konsortiums
aus vier Unternehmen vor, sich am Öl- und Gasgeschäft der OMV zu
beteiligen.
Ein entsprechendes Schreiben ging an die OMV und an Finanzminister
Magnus Brunner. „Wir haben einen Brief erhalten, müssen aber erst
einmal die Strategie für sämtliche Bereiche bewerten, bevor wir zu
solchen Überlegungen Stellung nehmen können“, bestätigt ein
OMV-Sprecher dem trend. Damit lebt aber die schon einmal diskutierte
Idee wieder auf, die OMV zu teilen: in Petrochemie auf der einen
Seite, in Exploration und Produktion (E&P) fossiler Energieträger auf
der anderen Seite. Die aktuelle Energiekrise und das Bestreben nach
Unabhängigkeit von russischem Gas verleihen diesen Ideen wieder
Fahrt.
Die ÖBAG hat von Stern gefordert, seine Strategie ohne Denkverbote im
Lichte der aktuellen Lage zu evaluieren. Interne Kritiker wie der für
E&P verantwortliche Vorstand Johann Pleininger machen ebenso Druck
wie Belegschaftsvertreter im ÖBAG-Aufsichtsrat, den Rückzug aus
fossiler Produktion zu überdenken. Auch der neue Chefkontrollor der
Staatsholding, Günther Ofner, will alle Optionen geprüft wissen. Bei
der ÖBAG heißt es, man sei vom Finanzministerium gebeten worden, „die
Sicherung der Gasversorgung in Österreich zu analysieren“. Die ÖBAG
soll laut trend außerdem externe Berater hinzu ziehen. Die
Entscheidung muss aber in der OMV fallen.
Für das Offert aus Norwegen – ein zweites wurde nach
trend-Informationen von einem US-Unternehmen gelegt – gäbe es
unterschiedliche Möglichkeiten. Eine wäre die Abspaltung des
E&P-Teils der OMV. Dessen Gesamtwert wird dem trend gegenüber mit
mindestens sechs Milliarden Euro angegeben. Die Norweger, die über
eigene Gasproduktionen verfügen, könnten in diesem neuen Unternehmen
etwa den Anteil der Mubadala aus Abu Dhabi übernehmen, die 24,9
Prozent an der OMV hält und mehr an der Petrochemie interessiert ist.
Auch dem Streubesitz würde man wohl ein Kaufangebot machen. Die ÖBAG
könnte überlegen, ihren Anteil (31,5 Prozent) aufzustocken. Die
Republik will die Gasversorgung als kritische Infrastruktur sicher
nicht aus der Hand geben.
Die Alternative wäre, die E&P-Sparte – mit Ausnahme der Aktivitäten
in Rumänien – in eine Tochtergesellschaft der OMV auszugliedern, an
dem sich die Skandinavier als strategische Partner beteiligen. Die
haben jedenfalls neben dem Kaufpreis Investitionen in neue
Förderkapazitäten in Norwegen zugesichert. Auch die langfristige
Absicherung des Headquarters in Österreich wird zugesagt, wie trend
berichtet. Hingegen werfen Kritiker Alfred Stern vor, Explorationen
in Norwegen und Algerien verkaufen zu wollen.
Die Angelegenheit ist durchaus zeitkritisch. Denn die Zuteilungen,
wie viel Gas 2023 von Norwegen nach Österreich fließen wird, erfolgen
rund um den Jahreswechsel. Wobei die OMV betont, dass „zwischen
Gaslieferverträgen und dem Verkauf von Assets unterschieden werden
muss“. Für Umwelt- und Energieministerin Leonore Gewessler sind
anders als für den Finanzminister Investitionen in fossile Energie
zwar ein rotes Tuch. Sie wird es sich in der jetzigen Phase aber kaum
erlauben können, Transaktionen zu verhindern, die zu größerer
Unabhängigkeit von Russland führen würden.
Ob Johann Pleininger, dessen Vertrag nicht mehr verlängert wurde, im
Falle einer abgespaltenen Öl-Gas-OMV dort den Chefposten bekäme, ist
offen. Aber er ist einer Treiber des Projektes, und die
Kontaktaufnahme aus Norwegen passierte über ihn.
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