- 08.09.2022, 12:43:44
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trend: Ex-Verbund-Boss Anzengruber für Abgabe auf „Zufallsgewinne"
Der frühere Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber schlägt vor, von Stromerträgen über 100 Euro pro MWH 30 bis 40 Prozent an den Staat abzugeben.
Utl.: Der frühere Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber
schlägt vor, von Stromerträgen über 100 Euro pro MWH 30 bis 40
Prozent an den Staat abzugeben. =
Wien (OTS) - Der frühere Verbund-General und jetzige Energieberater
des Bundespräsidenten, Wolfgang Anzengruber, spricht sich in einem
Interview mit dem Wirtschaftsmagazin trend für eine Abgabe auf die
hohen Profite einiger Unternehmen aus – was auch Verbund betreffen
würde: „Das sind aber keine Übergewinne, sondern Zufallsgewinne
aufgrund einer Marktverzerrung. Darum ist es legitim – etwa zur
Gegenfinanzierung einer Strompreisbremse des Bundes – zeitlich
befristet eine gewisse Beteiligung der Branche daran festzuschreiben.
Produzenten erneuerbarer Energien inklusive Wasserkraft, die sehr
niedrige variable Kosten haben, profitieren überproportional von den
durch den Gaspreis getriebenen hohen Strompreisen. Der Weg über die
Dividende hat ja oft den Nachteil, dass eine Privatisierung der
Erträge bei gleichzeitiger Sozialisierung der Kosten entsteht. Aber
es braucht eine intelligente Lösung."
Anzengruber macht auch einen konkreten Vorschlag, wie eine solche
Lösung aussehen könnte: „Die Vollkosten liegen bei den Erneuerbaren
zwischen 70 und 80 Euro pro Kilowattstunde (KWh). Ein Modell könnte
zum Beispiel sein, auf Markterträge, die über 100 Euro hinausgehen,
eine Abgabe von 30 bis 40 Prozent einzuheben. Die Unternehmen wären
weiterhin profitabel und könnten damit auch investieren.“ Und der
Topmanager ergänzt: „Wir haben den Ausbau der Erneuerbaren über 20,
30 Jahre mit erheblichen Summen gefördert. Es wäre fair, dass man von
den derzeitigen Zufallsgewinnen der öffentlichen Hand einen Teil
abgibt."
Er betont dabei ausdrücklich, dass so eine Steuer keinesfalls nur für
Verbund (oder auch die OMV) gemacht werden dürfe: „Natürlich müsste
sie für alle gelten, nicht nur für ein bestimmtes Unternehmen, und so
gestaltet werden, dass daraus nicht eine Verstaatlichung durch die
Hintertür entsteht. Eine gesetzliche Abgabe hat jedenfalls den
Vorteil, dass Vorstände von Energiekonzernen kein Untreue-Thema
bekommen. Am sinnvollsten wäre, einen europäischen Gleichklang zu
finden.“
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