• 23.07.2022, 12:29:38
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  • OTS0023

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Ärztekammer kritisiert Aussagen des Gesundheitsministers

Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in Österreich jahrelang ignoriert – „Nicht an allem ist Corona schuld“

Utl.: Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in Österreich
jahrelang ignoriert – „Nicht an allem ist Corona schuld“ =

Wien (OTS) - „Als Kinder- und Jugendpsychiater ist es für mich mehr
als befremdlich, wofür die Corona-Pandemie insbesondere für Kinder-
und Jugendliche alles herhalten soll. Nicht Corona allein ist an den
psychischen Problemen von Kindern und Jugendlichen schuld“, reagiert
der Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der
Ärztekammer für Wien, Stefan Ferenci, auf eine entsprechende
Twitter-Meldung des Gesundheitsministers, wonach es ein Plus von 25
Prozent bei psychischen Erkrankungen und Suizidalität bei Kindern und
Jugendlichen in Österreich gebe. Der Minister bezeichnete dies als
„Kollateralschaden“ der Pandemie. ****

Wobei Ferenci in der Schlussfolgerung dem Gesundheitsminister
durchaus recht gibt: „Ja, die psychische Situation von Kindern und
Jugendlichen ist schlecht. Und ja, die Versorgungsituation kann man
in weiten Teilen des Landes nur mehr als erbärmlich bezeichnen. Aber
das alles auf Corona zu schieben, ist ein Versuch, jahrelanges
Ignorieren der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in Österreich
zu verschleiern.“

Die Versorgung an der Kinderpsychiatrie im WiGev/Rosenhügel könne
nur mehr mit externen Ärztinnen und Ärzten in einem Notbetrieb
aufrechterhalten werden. Die Entlastung durch den Ausbau der
ambulanten Versorgung ist ebenfalls nicht ausreichend. In den
vergangenen Jahren mussten die Ärztekammern mühsam Kassenverträge für
Kinder- und Jugendpsychiatrie erkämpfen, und „bei Weitem deckt das
Angebot den Bedarf noch nicht ab. Hier wäre der Minister gefordert,
klare Handlungsvorgaben an die Sozialversicherung und Länder zu
geben“.

Schon vor der Corona-Pandemie war die kinderpsychiatrische
Versorgung für ein Land wie Österreich „eine Schande“. Aber anstatt
auf den wegen der Pandemie gestiegenen Bedarf an Therapieangeboten
für Kinder und Jugendliche zu reagieren, werden diese nun
instrumentalisiert“, kritisiert Ferenci.

Entsprechende Versorgung sicherstellen

Der Versorgungbedarf für Kinder und Jugendliche wird jedenfalls
weiter steigen. Und Stand der Wissenschaft in der Medizin ist es,
dass Viruserkrankungen bei einem Teil der Erkrankten Langzeitfolgen
auslösen. Der Obmann der Sektion der zur selbstständigen
Berufsausübung berechtigten Ärzte der Ärztekammer für Wien und
Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, George Zabaneh, nennt hier
als konkretes Beispiel die Windpocken, die im Erwachsenenalter Herpes
Zoster (Gürtelrose) auslösen, oder auch das Epstein-Barr-Virus,
Auslöser des Pfeifferschen-Drüsenfiebers, welches das Risiko für die
Entwicklung einer Multiple Sklerose oder eines Hodgkin-Lymphoms
erhöht. Hier sei die Politik gefordert, die Behandlung der zu
befürchtenden physischen und psychischen Folgeerscheinungen der
Corona-Pandemie durch entsprechende stationäre und ambulante
Versorgungsangebote sicherzustellen, so Zabaneh. (hpp)

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