• 27.06.2022, 11:30:48
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„Wie ein Pfarrer die Gentechnik erfand“: Neues „kreuz und quer“ anlässlich 200 Jahre Gregor Mendel

Am 28. Juni um 22.35 Uhr in ORF 2, danach: „Die Akte Galilei – Glaube und Wissenschaft“

Utl.: Am 28. Juni um 22.35 Uhr in ORF 2, danach: „Die Akte Galilei –
Glaube und Wissenschaft“ =

Wien (OTS) - Mitte des 19. Jahrhunderts beschreibt der Mönch Gregor
Mendel in seiner Abtei in Brünn als erster die Regeln der Vererbung –
und wird so zum Vater der Genetik. Die neue „kreuz und
quer“-Dokumentation „Wie ein Pfarrer die Gentechnik erfand“ von Fritz
Kalteis nimmt am Dienstag, dem 28. Juni 2022, um 22.35 Uhr in ORF 2
den 200. Geburtstag Mendels zum Anlass für eine Spurensuche nach der
Vergangenheit und Zukunft der Gentechnik.
Bis heute gilt er als „Märtyrer“ der freien Wissenschaft, der sich
einer fortschrittsfeindlichen Kirche mutig entgegenstellte: Galileo
Galilei. Stimmt nicht, sagen jetzt Wissenschafter/innen. In „Die Akte
Galilei – Glaube und Wissenschaft“ geht Fritz Kalteis um 23.20 Uhr
der Sache auf den Grund und fragt auch nach dem Verhältnis von
Naturwissenschaft und Glaube heute.

„Wie ein Pfarrer die Gentechnik erfand“ – Ein Film von Fritz Kalteis

Erbsen beim Wachsen zusehen: Gregor Mendel hat damit unser Bild vom
Leben revolutioniert. Seither wissen wir, dass eigenständige
Erbfaktoren existieren, die von Generation zu Generation nach
bestimmten, mathematisch präzisen Gesetzmäßigkeiten weiter gegeben
werden. Noch bevor es das Wort „Gene“ gab, hat Mendel sie
beschrieben, wie Dr. Jiří Sekerák, der Direktor des Museum
„Mendelianum“ in Brünn, anerkennt: „Mendels Denkweise war
revolutionär. Es hat lange gedauert, bis man wirklich verstanden hat,
was Mendel da eigentlich entdeckt hat“.

200 Jahre nach seiner Geburt am 20. Juli 1822 scheint Mendels Zeit
nun gekommen. Das 21. Jahrhundert gilt als das Jahrhundert der
Genetik. Neue Methoden der Gentechnik verheißen, kommende
Generationen von Erbkrankheiten zu befreien. Dank neuer
Pflanzenzüchtungen könnten Hunger und Klimawandel ihren Schrecken
verlieren. Und selbst das Altern scheint aufhaltbar. Markus
Hengstschläger, Österreichs führender Humangenetiker, ist selbst
sprachlos angesichts der ungeheuren Entwicklung der vergangenen
Jahrzehnte: „Hätte mir jemand einmal zum Beispiel vorausgesagt, dass
man heute nahezu täglich das Erbgut von Menschen durchanalysiert,
hätte ich das noch vor gar nicht allzu langer Zeit gar nicht für
möglich gehalten.“ Die „kreuz und quer“-Doku von Fritz Kalteis
verfolgt zwei eng mit der Genetik verwobene Geschichten:

Nicole Preiss erfährt mit 22 Jahren, dass sie mit einer
Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent Brustkrebs bekommen wird. Der
Grund dafür ist die Mutation eines Gens namens BRCA-1, die sie von
ihrer Mutter geerbt hat. Doch Nicole Preiss gehört auch zur ersten
Generation von Frauen, die sich dessen bewusst ist, noch bevor die
Krankheit ausbricht. Denn sie konnte sich auf dieses Gen testen
lassen. Damit muss Nicole Preiss eine schwerwiegende Entscheidung
treffen: Soll die das Schicksal entscheiden lassen, ob sie die
Krankheit bekommt, oder soll sie einen radikalen Schritt setzen und
sich – wie Angelina Jolie – vorsorglich beide Brüste entfernen
lassen? Die Frage ist also: Was tun wir mit dem Wissen, das wir durch
immer mehr Tests auf genetische Krankheiten gewinnen?

Luis und Josefine Marte dagegen hoffen auf eine erfolgreiche
Gentherapie in naher Zukunft. Die beiden Kinder leiden an der
Diamond-Blackfan-Anämie, einer Krankheit, die durch die Mutation
eines einzigen Gens ausgelöst wird und dazu führt, dass sie kaum rote
Blutkörperchen produzieren. Ohne regelmäßige Bluttransfusionen
könnten die Kinder nicht überleben. In einem von der Familie Marte
initiierten und mit Spendengeldern finanzierten Forschungsprojekt
arbeiten Wissenschafter/innen vom Institut für Molekulare
Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und
von den Max-Perutz Labs der Uni Wien daran, die Krankheit besser zu
verstehen und vielleicht eine Therapie zu finden. Denn obwohl die
Kinder den Gendefekt von ihrem Vater geerbt haben, ist dieser selbst
nicht erkrankt. Überspitzt formuliert: In den Genen von Boris Marte
liegt die Ursache, möglicherweise aber auch der Schlüssel zur Heilung
für die Krankheit seiner Kinder. Das treibt ihn und seine Frau
Marianne an: „Es gibt in der Medizingeschichte immer wieder Beispiele
dafür, wie die Kombination aus motivierten, lästigen Eltern und
hervorragenden Wissenschafter/innen Großes bewirkt hat. Wir fühlen
uns genau in dieser Situation. Es ist unsere Verantwortung, alles zu
tun, was wir können.“

Heute hat der Mensch etwa durch die Genschere CRISPR die Macht,
direkt in das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen einzugreifen
und es schnell und einfach zu verändern. Ein Leben ohne
Erbkrankheiten scheint denkbar – aber auch eine Zukunft mit
gentechnisch optimierten Menschen. Zum ersten Mal in der Geschichte
der Menschheit scheint selbst der Zufall beherrschbar – und damit
unser Schicksal. Doch aus den unbegrenzt erscheinenden Möglichkeiten
ergeben sich ebenso große Fragen. Werden wir mit dieser Macht umgehen
können? Was braucht es, um diese Zukunft zu meistern? Wenn alles
möglich scheint, soll deswegen alles gemacht werden? Fragen wie diese
stehen im Mittelpunkt der Dokumentation. Was würde wohl Gregor Mendel
sagen – der Mann, der wie kein zweiter Glaube und Wissenschaft in
einer Person vereint hat? Der Mediziner, Ethiker und Theologe
Matthias Beck sieht jedenfalls große Herausforderungen auf die
Wissenschaft und damit auf die gesamte Gesellschaft zukommen: „Je
mehr naturwissenschaftlicher Fortschritt, je mehr künstliche
Intelligenz, je mehr Gentechnik, desto mehr brauchen wir eine
ethische Reflexion, damit es wirklich ein Fortschritt wird. Wenn
diese ethische Reflexion wegfällt, dann wird es eine Katastrophe.“

„Die Akte Galilei – Glaube und Wissenschaft“ – Ein Film von Fritz
Kalteis

Die Dokumentation beleuchtet, wie es zur Verurteilung und
Rehabilitation des berühmten Naturwissenschafters von Seiten der
römisch-katholischen Kirche gekommen ist, und diskutiert ausgehend
vom Fall Galilei das Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie
aus heutiger Sicht: Wo sind die Bruchlinien zwischen den beiden
Welten? Gibt es sie überhaupt noch? Und welche Forschungsgebiete
haben das Potenzial, eine ähnlich radikale Umkehr des Weltbildes zu
provozieren wie Galileo Galileis Erkenntnisse?

Auf Flimmit (flimmit.at) kann „Die Akte Galilei – Wissenschaft und
Glaube“ schon jetzt gestreamt werden.

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