- 27.06.2022, 08:51:29
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ÖAMTC vor Abstimmung im EU-Rat: Klimaziele nur mit Technologievielfalt erreichbar
Regierung ist aufgefordert, ihr Stimmverhalten im EU-Rat zum Verbrennerverbot zu erklären
Utl.: Regierung ist aufgefordert, ihr Stimmverhalten im EU-Rat zum
Verbrennerverbot zu erklären =
Wien (OTS) - Nachdem das EU-Parlament am 8. Juni für ein
Neuzulassungs-Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 gestimmt hat,
versucht der Umweltminister-Rat morgen, Dienstag, eine gemeinsame
Position der Mitgliedstaaten zu finden. Danach müssen, gemäß
Gesetzgebungsverfahren der EU-Kommission, Parlament und Rat einen
Kompromiss finden. Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC
Interessenvertretung: "Wir stehen voll hinter den EU-Klimazielen.
Elektromobilität ist ein wesentlicher Faktor, um diese zu erreichen.
Mobilität muss dabei aber auch leistbar bleiben. Daher ist es falsch,
alles auf eine Karte zu setzen. Nur mit Technologievielfalt sind die
Klimaziele erreichbar."
Verbrennerverbot bedeutet, einem Drittel der Autobesitzer:innen
über den Preis das Fahren zu verbieten
Durch den Ansatz nur Elektroautos, nicht aber klimaneutrale
Kraftstoffe als CO2-frei zu werten, sieht der Mobilitätsclub eine
enorme Kostenwelle auf die Autofahrer:innen zukommen. "In Österreich
gibt es rund 5,1 Millionen Pkw und 250.000 Neuanmeldungen pro Jahr.
Selbst wenn ab sofort alle neu zugelassenen Pkw Elektroautos wären,
könnte man in acht Jahren keine 2,5 Millionen Diesel- und
Benzin-Autos durch E-Fahrzeuge ersetzen. Wir werden das
verpflichtende CO2-Einsparungsziel von 48 Prozent für 2030 deutlich
verfehlen", rechnet der ÖAMTC Vertreter vor. Da jedoch kaum jemand
freiwillig aufhören wird, sein Auto zu nutzen, müsste die Regierung,
um wieder auf Klima-Kurs zu kommen, das Fahren massiv verteuern. "Wer
einem Verbrennerverbot zustimmt und damit verhindert, dass auch
Bestandsfahrzeuge grüner betrieben werden können, wird in der Folge
den Betrieb von Benzin oder Diesel-Pkw so weit verteuern müssen, bis
etwa ein Drittel der Autofahrer ihr Fahrzeug stehen lassen.
Spritkosten von 4 Euro je Liter sind zu erwarten. Menschen, die auf
ihr Auto angewiesen sind, werden dramatische Einschränkungen
erleben", warnt Wiesinger.
EU-Rat: Italien legt Gegenvorschlag vor, Deutschland vor
Enthaltung
Die Debatte in den Mitgliedstaaten läuft heftig und emotional ab: So
warnt beispielsweise Italien, ein Verbrenner-Ende würde
ausschließlich China in die Hände spielen. Mit Unterstützung von
Bulgarien, Rumänien, Portugal und der Slowakei hat Italien
vorgeschlagen, das Enddatum auf 2040 zu verschieben und synthetische
Kraftstoffe, also E-Fuels, beim Erreichen der Ziele anzurechnen. In
Deutschland ist die Ampel-Koalition uneins: Während sich die FDP für
Technologie-Offenheit ausspricht, wollen die Grünen ein klares Ende
für Benzin- und Diesel-Autos. Daher wird sich Deutschland morgen im
EU-Rat voraussichtlich seiner Stimme enthalten.
Auch in Österreich gibt es dem Vernehmen nach bis jetzt keine
Einigung zum Verbrenner-Verbot 2035. Während Klimaministerin
Gewessler in einem koalitionsintern nicht abgestimmten Brüssel-Brief
sogar noch ein früheres Aus für Autos mit Verbrennungsmotor fordert,
tritt die ÖVP seit 2021 für Technologie-Offenheit ein. Bernhard
Wiesinger abschließend: "Die Menschen haben ein Recht darauf, zu
erfahren, worauf sich die Regierung bei dieser entscheidenden Frage
geeinigt hat. Wenn es keine Einigkeit gibt, muss sich – so wie in
Deutschland – Klimaministerin Gewessler im EU-Rat der Stimme
enthalten.
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