- 23.05.2022, 11:12:10
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„Kirchenstreit und Bruderkrieg“: „kreuz und quer“ beleuchtet die oft unterschätzten Hintergründe des aktuellen Ukraine-Kriegs
Am 24. Mai um 22.35 Uhr in ORF 2
Utl.: Am 24. Mai um 22.35 Uhr in ORF 2 =
Wien (OTS) - Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat eine
lange Vorgeschichte – und auch starke religiöse Faktoren. Die neue
„kreuz und quer“-Dokumentation „Ukraine: Kirchenstreit und
Bruderkrieg“ von Christian Rathner versucht am Dienstag, dem 24. Mai
2022, um 22.35 Uhr in ORF 2, diese oft unterschätzten Hintergründe
des aktuellen Krieges auszuleuchten.
Die russisch-orthodoxe Kirche sieht ihre Wiege in der Gründung der
Kiewer Rus im Jahr 988, was ihren kirchlichen Machtanspruch auf das
„kanonische Territorium“ der Ukraine mitbegründet. Politisch wiederum
hat Präsident Wladimir Putin, der die Ukraine aus historischen
Gründen beansprucht, die Kirche seines Landes stark an den Staat
gebunden. Die Frage nach dem engen und zugleich spannungsreichen
Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine spiegelt sich somit auch
im Konflikt um die Autokephalie, die Eigenständigkeit der orthodoxen
Kirche in der Ukraine.
Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill hat den Krieg Russlands gegen
die Ukraine nicht verurteilt, sondern gerechtfertigt. Die Nähe zu
seinem Präsidenten, so wird ihm von Kritikern vorgeworfen, sei ihm
offensichtlich wichtiger als der Konsens mit den Schwesterkirchen.
Der Kiewer Metropolit Onufrij von der mit Moskau verbundenen
Ukrainisch-Orthodoxen Kirche hat den Krieg hingegen scharf verurteilt
und mit dem biblischen Mord Kains an seinem Bruder Abel verglichen.
Eine starke kirchliche Stimme für Waffenstillstand, für ein Ende der
Gewalt und für Frieden, das wünschen sich viele in der Region. Doch
die Kirchen finden keine gemeinsame Position.
Als eine „schwere Prüfung für die Einheit der Kirche“ beschreibt
Metropolit Hilarion, der Leiter des Außenamtes im Moskauer
Patriarchat, den Zwist zwischen dem Kiewer Metropoliten und Moskauer
Patriarchen. Das Moskauer Patriarchat sieht bis heute die Ukraine als
ihr kanonisches Territorium und interpretierte jeden Versuch
Konstantinopels, den Konflikt zu schlichten, als unerlaubte
Einmischung. In ukrainischen Kirchengemeinden ist eine Absetzbewegung
von Moskau in Gang. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel
wiederum, das den Ehrenvorsitz in der Gesamtorthodoxie innehat, wirft
Patriarch Kyrill vor, er habe „seine eigenen Gläubigen betrogen“. Zum
ersten Mal und exklusiv nehmen in der „kreuz-und-quer“-Dokumentation
die Patriarchate Moskau und Konstantinopel zum Krieg und zum Konflikt
der Kirchen Stellung.
Die Dokumentation erinnert an die historische Entwicklung Russlands
und der Ukraine, die, wie der Historiker und Ukraine-Spezialist
Andreas Kappeler erläutert, durchaus unterschiedlich verlaufen ist.
Zu Wort kommen außerdem die Innsbrucker Religionssoziologin Kristina
Stoeckl, die Regensburger Historikerin Katrin Boeckh, der Wiener
orthodoxe Theologe Ioan Moga sowie einzelne Stimmen aus der Ukraine.
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