- 15.05.2022, 11:59:00
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Scheuer würdigt bei Mauthausen-Gedenken politische Widerstandskämpfer
Gemeinsamer Gottesdienst des Linzer Bischofs mit evangelischem Bischof Chalupka und orthodoxem Erzpriester Nikolitsis bei internationaler KZ-Befreiungsfeier unter dem Motto "Politischer Widerstand"
Utl.: Gemeinsamer Gottesdienst des Linzer Bischofs mit evangelischem
Bischof Chalupka und orthodoxem Erzpriester Nikolitsis bei
internationaler KZ-Befreiungsfeier unter dem Motto
"Politischer Widerstand" =
Mauthausen (KAP) - Bischof Manfred Scheuer hat bei der
internationalen Gedenkfeier zur Befreiung des ehemaligen
Konzentrationslagers (KZ) Mauthausen den Einsatz von
Widerstandskämpfern für Gerechtigkeit gewürdigt. Politischer
Widerstand dürfe nicht losgelöst werden von Ethik und Recht, von
Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Menschenrechten.
"Widerstandskämpfer sind so gesehen wie Leuchttürme gegen die
Resignation in das Schicksal, sie bezeugen, dass der Einzelne nicht
einfach machtlos naturalen Prozessen ausgeliefert ist", sagte Scheuer
am Sonntagmorgen bei einem ökumenischen Gottesdienst im früheren KZ,
mit dem das Gedenken zum 77. Jahrestag der Befreiung des Lagers ihren
Auftakt nahm. Mitfeiernde waren der evangelische Bischof Michael
Chalupka und der orthodoxe Erzpriester Ioannis Nikolitsis.
Der Linzer Bischof verwies in seiner Predigt exemplarisch auf das
Lebenszeugnis einiger Menschen, die aus christlicher Motivation
politischen Widerstand geleistet hatten. Dabei nannte er den aus
Hörbranz (Vorarlberg) stammenden Josef Anton King (1923-1945), der so
wie der Wiener Kaplan Heinrich Meier (1908-1945) in den letzten Tagen
des Nazi-Regimes ermordet wurde. Ausdrücklich erwähnte Scheuer
Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), den einzigen evangelische Pfarrer,
der das Attentat auf Hitlers befürwortet und mit vorbereitet hatte.
Von ihm stammen die bekannten Worte: "Wir können nicht nur die Wunden
der Opfer verbinden, wir müssen dem Rad in die Speichen fallen", die
Ausdruck Bonhoeffers Überzeugung waren.
Wie der Stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz weiter
ausführte, finde aktiver Widerstand seine Begründung in dem auch von
der katholischen Sittenlehre anerkannten Recht auf Notwehr, das
geltend gemacht wird, um den Staat auf seine Gemeinwohlfunktion zu
beschränken. Gleichzeit warnte Scheuer aber auch vor einem falsch
verstandenen und religiös aufgeladenen Märtyrertum im Zusammenhang
mit politischem Widerstand und sagte: "Jede zwanghafte, fanatische
oder hysterische Identitätssicherung ist eine ideologische Perversion
und auch eine Zerrform des Glaubens."
Der Einsatz von Widerstandskämpfern für Gerechtigkeit habe
schließlich auch einen inneren Berührungspunkt mit dem christlichen
Glauben, so der Linzer Bischof abschließend: "Die Botschaft Jesu vom
Gericht Gottes stellt in Aussicht, dass die Sehnsucht des Menschen
nach einer letzten und endgültigen Gerechtigkeit keine leere Hoffnung
bleibt. Dies ist eine Frohbotschaft insbesondere für alle
Benachteiligten und An-Rand-Gedrängten, aber auch für jene, die sich
für eine gerechtere Welt einsetzen und oft auf verlorenem Posten
kämpfen."
Am Beginn des Gottesdienstes erinnerte Bischof Chalupka, der der
Feier vorstand, dass im KZ Mauthausen die Religionsausübung mit dem
Tod betraft wurde. "Kein laut gesprochenes Gebet, kein Segens- oder
Kreuzzeichen, kein Lied, kein Gottesdienst waren hier möglich.
Religion durfte hier als Ausdruck des Menschen keinen Platz haben."
Mauthausen habe in der Weise des absoluten Verbots religiöser
Handlungen sogar unter allen NS-Konzentrationslagern eine besonders
grausame Sonderrolle eingenommen, hielt der evangelische Bischof
eingangs fest.
In Mauthausen "trifft Schmerz auf Hoffnung. Hier verbindet sich der
Kummer mit dem Lebenswillen", sagte Erzpriester Nikolitsis. Bleibend
Aufgabe der Kirche sei es, die Kraft der Wahrheit und der Liebe zu
verkündigen, um die Opfer mit Respekt zu ehren und Versöhnung zu
ermöglichen.
Mehr: https://www.kathpress.at/goto/meldung/2144718
((ende)) PWU
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