- 06.05.2022, 11:17:15
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„kulturMontag“: Debatte über Waffenlieferungen an die Ukraine, Alice Schwarzer im Kino, Reliquien aus der NS-Zeit
Danach: Porträt „Gerhard Polt – Der Mensch ist ein Viech, was lacht“ zum 80. Geburtstag
Utl.: Danach: Porträt „Gerhard Polt – Der Mensch ist ein Viech, was
lacht“ zum 80. Geburtstag =
Wien (OTS) - Peter Schneeberger präsentiert den „kulturMontag“ am 9.
Mai 2022 um 22.30 Uhr in ORF 2, der sich zunächst mit der aktuellen
Debatte deutschsprachiger Intellektueller und Künstler/innen über
Waffenlieferungen an die Ukraine befasst. Klar positioniert hat sich
dabei die Ikone der deutschen Frauenbewegung Alice Schwarzer, deren,
von Sabine Derflinger gestaltetes, neues Filmporträt demnächst in die
heimischen Kinos kommt – die Sendung stellt die Produktion vor.
Weiters beschäftigt sich das Magazin u. a. mit dem Umgang der
Österreicherinnen und Österreicher mit Reliquien aus der NS-Zeit.
Anschließend steht die Dokumentation „Gerhard Polt – Der Mensch ist
ein Viech, was lacht“ (23.15 Uhr) zum 80. Geburtstag des Künstlers
(7. Mai) auf dem Programm.
Zeitenwende –Waffen für den Frieden?
Vergangene Woche erreichte Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz ein
offener Brief namhafter Intellektueller und Kulturschaffender,
darunter Alice Schwarzer, Peter Weibel, Lars Eidinger und Juli Zeh.
Sie sprechen sich gegen Waffenlieferungen für die Ukraine aus, in der
Hoffnung, so eine weitere Eskalation und einen drohenden Weltkrieg zu
verhindern. Ein medialer Sturm der Entrüstung brach über Schwarzer
und Co herein. Der Vorwurf: man würde die Ukraine indirekt zur
Kapitulation auffordern. Jetzt bekam Scholz einen sogenannten
„Gegenbrief“. Auch diesmal sind die Unterzeichner/innen prominent:
Daniel Kehlmann, Eva Menasse, Herta Müller und Igor Levit gehören
dazu. Sie fordern Deutschland auf, den angegriffenen Staat regelmäßig
mit Waffen zu versorgen, „um die militärischen Kräfteverhältnisse
zugunsten der Ukraine zu wenden“. Zeugt diese Debatte von einer
Zeitenwende? Hat der Pazifismus ausgedient? Kann man mit Waffen
Frieden stiften? Der „kulturMontag“ sucht Antworten auf diese
brennenden Fragen.
Im Kampfmodus – Neues Alice-Schwarzer-Porträt von Sabine Derflinger
Journalistin, Autorin und Verlegerin Alice Schwarzer ist eine der
streitbarsten Frauen Deutschlands. Im Fokus ihrer jahrzehntelangen
Arbeit: die Selbstbestimmung der Frau. Die österreichische
Regisseurin Sabine Derflinger hat sich der Feministin filmisch
genähert. „Alice Schwarzer“ heißt ihr vom ORF im Rahmen des
Film/Fernseh-Abkommens gefördertes Porträt, das bei der diesjährigen
Diagonale als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde und am 13.
Mai in den heimischen Kinos startet. Der Film liefert ein umfassendes
und persönliches Bild einer Frau, die im Paris der 60er Jahre
sozialisiert wurde, mit intellektuellen Größen wie Simone de Beauvoir
befreundet war und die Frauenbewegung in den deutschen Sprachraum
gebracht hat. Bis heute mischt sie mit pointierten Debattenbeiträgen
den öffentlichen Diskurs auf und scheut sich nicht davor zu
polarisieren. Der „kulturMontag“ stellt Sabine Derflingers Film vor.
Entsorgen oder bannen? Umgang mit Reliquien aus der NS-Zeit
Am 8. Mai 1945 hat Hitler-Deutschland die bedingungslose Kapitulation
unterzeichnet, das NS-Terrorregime war damit auch in Österreich zu
Ende. Für die Bevölkerung ergab sich das Problem: Wie umgehen mit den
Überbleibseln des Nationalsozialismus, den Abzeichen, Fahnen,
Hitler-Bildern oder den Erinnerungsfotos von der Front? Noch 77 Jahre
nach Kriegsende finden Angehörige in Kisten auf Dachböden oder in den
Schubladen ihrer verstorbenen Großeltern Relikte aus der NS-Zeit. Was
damit tun? Wegwerfen oder aus historischen Gründen aufbewahren? Immer
wieder wenden sich Menschen an das Haus der Geschichte Österreich, um
die unliebsamen Objekte loszuwerden oder sie für eine kritische
Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte nutzbar zu machen. In der
aktuellen hdgö-Schau „Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum“ sind
besonders belastete „Erinnerungsstücke“ zu sehen, von der
Hitler-Büste bis zum SS-Dolch. Die Ausstellungsmacher/innen
thematisieren einen gesellschaftlich verantwortungsvollen Umgang mit
NS-Relikten, geben aber auch ganz praktische Tipps, wie man mit
unliebsamen Fundstücken umgehen kann.
Dokumentation „Gerhard Polt – Der Mensch ist ein Viech, was lacht“
(23.15 Uhr)
Die Beziehung zwischen Österreich und Bayern ist eine durchaus
innige: Man versteht einander, vor allem in dem, was Mentalität
besonders ausmacht: Humor. Deshalb ist der Münchner Starkabarettist
Gerhard Polt so populär in Österreich. In seinen Kabarettabenden
macht er Jagd auf Spießer und Ewiggestrige, hinter scheinbarer
bayerischer Gemütlichkeit lauern Abgründe. Tarnen und Täuschen ist
somit sein Geschäft, in den 1970er- und 1980er-Jahren hat er das
bitterböse und sehr politische Kabarett neu definiert. Für
Altersmilde hat er sich nie Zeit genommen, aber er ließ sich
breitschlagen: anlässlich seines 80. Geburtstags am 7. Mai 2022
stimmte er einem Porträt über sich zu – wobei er sich dabei verwehrt,
von Kolleginnen und Kollegen „zu Tode gelobt zu werden“.
Im Film von Magdalena Adugna und Victor Grandits spricht Gerd Polt
über die großen Humoristen, die ihn geprägt haben – Karl Valentin
darf da natürlich nicht fehlen – sowie über seine ewige Liebe zur
Bühne, und er gewährt auch Einblicke in sein Privatleben. Dazwischen
kommen Menschen zu Wort, die wie Gerhard Polt ihr Leben dem Lachen
verschrieben haben. Komiker und Kabarettisten wie Michael
Mittermeier, Josef Hader, Luise Kinseher, die neben ihrem Job eines
verbindet: Gerhard Polt, wiederum, als ihr Vorbild, ihr Meister, der
über alle hinausragt. „Gerhard Polt ist ein Stern am Himmel, an dem
man sich orientiert“, sagt Josef Hader über den großen Humoristen.
Aktuelle Aufnahmen von Bühnenauftritten mit u. a. Ausschnitten aus
dem Jubiläumsprogramm „40 Jahre Gerhard Polt und die Well-Brüder“
ergänzen dieses sehr persönliche und ungewöhnlich nahe Porträt über
den Jubilar sowie seine ganz eigene Lebens- und Humorgeschichte.
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