• 21.04.2022, 10:57:13
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„Universum History“ geht der Genese und dem Mysterium von Lourdes nach – am 22. April um 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Es ist eine Pilgerstätte der Superlative – der
Wallfahrtsort Lourdes an der französisch-spanischen Grenze. In
Vor-Pandemiezeiten kamen jährlich fünf Millionen Besucher/innen, eine
unterirdische Kirche bietet 20.000 Menschen Platz. Aus dem einst
unscheinbaren Pyrenäen-Dörfchen ist längst ein umsatzstarkes
kirchliches Unternehmen geworden. Das heilende, heilige Wasser gibt
es heute auch im Online-Shop. Um den Wallfahrts-Einbruch während der
Pandemie und die damit einhergehenden Millionenverluste
auszugleichen, bedient sich nun auch die katholische Kirche digitaler
Tools. Künftig sollen Gläubige aus aller Welt über soziale Medien an
einer sogenannten „E-Pilgerfahrt“ teilnehmen können.

Mit anschaulichen 3D-Bildern, Archivmaterial sowie Interviews mit
Fachleuten geht die „Universum History“-Dokumentation „Lourdes –
Mysterium zwischen Himmel und Erde“ von Fabrice Buysschaert
(ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner) am Freitag, dem 22. April 2022, um
22.35 Uhr in ORF 2 der Genese und dem Mysterium dieses „Heiligen
Bezirks“ in den Pyrenäen nach. Der Film erzählt die unglaubliche
Geschichte einer riesigen Herausforderung: einen Ort zu schaffen, an
den einerseits Hunderttausende Gläubige kommen können, und an dem
andrerseits die raue Natur um den Fluss Gave de Pau respektiert und
integriert wird. So rekonstruiert die Doku die komplizierten
Bauarbeiten im schwierigen Felsgelände, analysiert aber auch die
Finanznöte der Kirche und stellt die Frage, welchen Einfluss die
Französische Revolution auf den kommerziellen Erfolg der Pilgerstätte
hatte.

Begonnen hat alles 1858 mit einer Marienerscheinung: Der damals
14-jährigen Bernadette Soubirous erscheint in einer Grotte am Ufer
des Gave de Pau 18-mal eine „schöne Dame“, die sich als die
„unbefleckte Empfängnis“ zu erkennen gegeben und um die Errichtung
einer Kapelle gebeten haben soll. Der für Lourdes zuständige Bischof
von Tarbes erkennt nach kurzem Zögern das ungeheure Potenzial der
Geschichte und lässt auf dem schmalen Streifen zwischen Fluss und
Berg zuerst eine kleine Krypta und darüber eine mächtige Kirche
errichten. Da die Bauarbeiten ausschließlich über Spenden finanziert
werden, bemüht sich die Kirche von Beginn an um möglichst viele
Pilger/innen und ruft die gerade einmal 4.000 Einwohner/innen von
Lourdes auf, Unterkünfte und Essen bereitzustellen. Krankentransporte
werden organisiert, bald machen Berichte über unerklärliche Heilungen
und wundersame Kräfte des von Bernadette entdeckten Quellwassers die
Runde. So viele Gläubige strömen nach Lourdes, dass die –
mittlerweile vom Papst zur Basilika geweihte – Kirche bald zu klein
ist. 25 Jahre nach Bernadettes Marienerscheinungen wird schließlich
eine zweite Basilika eingeweiht. Die gesamte Anlage bietet nun Platz
für 45.000 Personen – eine logistische Meisterleistung, an der
mehrere Architekten, zahlreiche Bauherren und sämtliche Steinmetze
von Lourdes mitgewirkt haben.

Während die Kassen der Kirche klingeln und Lourdes durch die
Wallfahrten verklärt wird, verschwindet Bernadette von der
Bildfläche. Aus Sorge, die Gläubigen könnten ihr mehr Beachtung
schenken als den kirchlichen Stätten und Spendentöpfen, hat ihr der
Bischof geraten, in einen 500 Kilometer entfernten Krankenpflegeorden
einzutreten. Fernab von Lourdes sollte die mittlerweile 22-Jährige
nie wieder über ihre Visionen sprechen. In ihrem Heimatort aber
werden Pensionen und Hotels gebaut, und die Einwohner/innen von
Lourdes leben nur mehr vom Pilgertourismus.

Ein Jahrhundert später – anlässlich der 100-Jahr-Feiern – wird mit
dem Bau einer weiteren Krypta begonnen. Fünf Millionen Pilger/innen
werden erwartet. Lourdes ist mittlerweile zu einer Kleinstadt
angewachsen, der Platz im „Heiligen Bezirk“ ist aber nach wie vor eng
begrenzt. Die neue Kirche für 20.000 Personen wird deshalb komplett
unter die Erde verfrachtet. Mit Wasch- und Badestationen, einem 1.500
Meter langen Kreuzweg und zahlreichen Becken mit dem begehrten Wasser
ist Lourdes heute eine Pilgerstätte der Gigantomanie und voll mit
kommerziellem Kitsch. Die tiefe Sehnsucht und die aberwitzigen
Hoffnungen der Menschen, die nach Lourdes strömen, hat bereits der
französische Schriftsteller Émile Zola 1894 in „Lourdes“ geschildert.

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