- 02.03.2022, 12:19:36
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Bundesminister Polaschek gratuliert zu Gabriele Possanner Preisen
BMBWF richtet erstmals Tag der Geschlechterforschung aus
Utl.: BMBWF richtet erstmals Tag der Geschlechterforschung aus =
Wien (OTS) - Die Gewinner der Gabriele Possanner Preise für
herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der
Geschlechterforschung stehen fest und wurden vom Bundesministerium
für Bildung, Wissenschaft und Forschung verliehen. Der Staatspreis
ging an Rosa Reitsamer von der Universität für Musik und darstellende
Kunst Wien, den Würdigungspreis erhielt Irmtraud Fischer von der
Universität Graz und die beiden Förderungspreise wurden Ruth Strobl
von der Technischen Universität Wien sowie Tanja Vogler von der
Universität Innsbruck zuerkannt. Über den possanner@school-Hauptpreis
durfte sich Jasmin Simon vom Gymnasium Draschestraße freuen. Die
Preisverleihung fand am Tag der Geschlechterforschung statt, den das
Bildungsministerium erstmals am 1. März 2022 veranstaltete.
Erfreut zeigt sich Wissenschaftsminister Martin Polaschek darüber,
dass rund 35 Hochschul- und Forschungseinrichtungen der Einladung
gefolgt sind, sich an der Premiere des Tags der Geschlechterforschung
zu beteiligen und einen öffentlich sichtbaren Beitrag auf ihrer
jeweiligen Website zu platzieren. Alle Aktivitäten werden mit dem
eigens entwickelten Logo und dem Hashtag
#geschlechterforschungmatters versehen. Wissenschaftsminister
Polaschek: „Ich gratuliere allen Gewinnerinnen sehr herzlich. Der Tag
der Geschlechterforschung soll künftig immer an die
Possanner-Preis-Verleihung gekoppelt werden. Damit bieten wir allen
Forschungs- und Hochschuleinrichtungen die Möglichkeit, ihre
Aktivitäten in diesem Bereich darzustellen und verdeutlichen ihre
Bedeutung für Forschung und forschungsgeleitete Lehre. Mit dem Tag
der Geschlechterforschung verfolgen wir ein klares Ziel: Wir wollen
sowohl institutionelle als auch individuelle Leistungen auf dem
Gebiet der Geschlechterforschung sichtbar machen, um so gemeinsam ein
starkes Signal nach außen zu setzen.“
Bei der Verleihung der Gabriele-Possanner-Preise gab es in diesem
Jahr zahlreiche Neuerungen: Erstmals wurden die seit 1997 biennal vom
BMBWF in Gedenken an Gabriele Possanner, der ersten weiblichen
Studierenden einer österreichischen Universität, verliehenen Preise
im Rahmen des neu initiierten Tags der Geschlechterforschung
überreicht. Und dies mit gleich zwei Festakten: So gab es am
Vormittag die possanner@school-Preisverleihung, die herausragende
VWA- und Diplomarbeiten an AHS bzw. BHS im Bereich der
Geschlechterforschung auszeichnete. Bei der Abendveranstaltung wurden
der Gabriele-Possanner-Staats-, -Würdigungs- sowie die beiden
-Förderungspreise jeweils von Präsidialsektionschefin Iris Rauskala
verliehen.
Das BMBWF adressiert beim Tag der Geschlechterforschung aber nicht
nur Wissenschaft und Forschung, sondern die gesamte Bildungskette. So
werden die bisherigen Auszeichnungen von Maturantinnen und Maturanten
für ihre vorwissenschaftlichen Arbeiten bzw. Diplomarbeiten an BHS
als possanner@school-Preise in die Dachmarke „Possanner“ integriert.
Dabei werden für herausragende Arbeiten mit Bezug zur
Geschlechterforschung im Sinne des Grundsatzerlasses „Reflexive
Geschlechterpädagogik und Gleichstellung“ ein Hauptpreis zu 1.500.-
Euro sowie sieben Anerkennungspreise zu je 500.- Euro vergeben.
Die Europäische Kommission hat das Innovationspotenzial der
Geschlechterdimension ebenfalls aufgegriffen. Ein dahingehender
Meilenstein findet sich in Horizon Europe, dem EU-Rahmenprogramm für
Forschung und Innovation. Darin werden erstmals Gleichstellungspläne
als verpflichtendes Kriterium für die Zuerkennung einer
Forschungsförderung definiert.
Staatpreis an Musiksoziologin Rosa Reitsamer
Der mit 10.000.- Euro dotierte Staatspreis ging nach Vorschlag einer
internationalen Fachjury an Professorin Rosa Reitsamer von der
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). Reitsamer
zählt im Bereich der Musiksoziologie zu den profilierten
Expert/inn/en der intersektionalen Geschlechterforschung. Ihre
zahlreichen Publikationen sind ein substanzieller Beitrag zur
Erforschung sozialer und vergeschlechtlichter Ungleichheiten im
Musik- und Kunstbereich. Mit ihrer Forschungstätigkeit hat Reitsamer
die Musiksoziologie um intersektionale und queere Ansätze erweitert
und ist dadurch eine Wegbereiterin.
Reitsamers Arbeiten zu sozialen Geschlechterungleichheiten sind auch
für den Bereich der klassischen Musik bahnbrechend. Sie leitet den
Forschungsschwerpunkt QUART – Quality of Arts an der mdw, wobei ihre
Studien zur Ausbildung von klassischen Musiker/inne/n an
Musikhochschulen und zu den Werdegängen dieser Musikschaffenden
gerade im Kontext von #MeToo und #BlackLives Matter einen enormen
Bedeutungszuwachs erlangten.
Durch ihre Publikationen und ihr Wirken hat Rosa Reitsamer
internationale Präsenz und Reputation als Geschlechterforscherin mit
Schwerpunkt auf sozialen Ungleichheiten in Kunst und Musik erlangt.
An der mdw hat sie mit ihrer Forschung und Lehre, der Organisation
von Konferenzen und Tagungen zu Geschlechterthemen und ihrer Arbeit
im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen wesentlich zum
inhaltlichen Ausbau der Gender Studies und zur Ausarbeitung
antidiskriminatorischer und diversitätspolitischer
Universitätsagenden beigetragen.
Würdigungspreis für ein Lebenswerk an Theologin Irmtraud
Fischer
Der Würdigungspreis für ein Lebenswerk im Bereich der
Geschlechterforschung in Form einer Skulptur der Künstlerin Claudia
Hirtl ging an Professorin Irmtraud Fischer, Leiterin des Instituts
für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
Irmtraud Fischer ist eine der profiliertesten und international
renommiertesten Frauen - und Geschlechterforscherinnen Österreichs.
Mit der Verleihung des Gabriele-Possanner- Würdigungspreises wird die
Anerkennung, die die Theologin international erfährt, auch in
Österreich sichtbar. Fischer ist in vielerlei Hinsicht eine
Pionierin. So ist sie die erste habilitierte katholische Theologin
Österreichs, wofür sie 2016 von der Stadt Graz in die
Pionierinnengalerie aufgenommen wurde. Fischer hat als eine der
Ersten eine feministische Habilitationsschrift verfasst (Die
Erzeltern Israels. Feministisch-theologische Studien zu Gen 12-36),
und sie hatte von 1997 bis 2004 einen Frauenforschungslehrstuhl an
der Universität Bonn inne.
Das internationale Großforschungsprojekt „Die Bibel und die Frauen“
(www.bibleandwomen.org), das über 300 Forscherinnen und Forscher
weltweit vernetzt und in vier Sprachen bei renommierten Verlagen
erscheint, wird von ihr in Graz koordiniert. Vor allem mit ihrer zum
Teil in drei Sprachen übersetzten Trilogie (Gottesstreiterinnen –
Gotteskünderinnen – Gotteslehrerinnen) hat sie internationale
Sichtbarkeit erlangt. Für ihr kulturwissenschaftliches Verständnis
der Theologie und ihre Verdienste auf dem Gebiet der Genderforschung
wurde sie 2017 mit der Ehrendoktorinnenwürde des Fachbereichs
Geschichts- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität
Gießen ausgezeichnet.
Förderungspreise an Ruth Strobl und Tanja Vogler
Einen der beiden mit jeweils 12.000.- Euro dotierten
Gabriele-Possanner-Förderungspreise erhielt Diplomingenieurin Ruth
Strobl von der Technischen Universität Wien für ihre eingereichte
Diplomarbeit „Gender, Künstliche Intelligenz und Robotik: Wie
Künstliche Intelligenz und Roboter Gender Stereotype und Gender
Biases weiterführen“. Ruth Strobl beschäftigt sich darin – auf Basis
verschiedener feministischer Technologieforschungsansätze – mit der
Frage, wie Geschlecht in die Entwicklung, im Design und in die
Funktionsweise von KI und Robotik-Technologien eingeschrieben wird.
Mit ihrer Diplomarbeit schafft Ruth Strobl neue Perspektiven und
räumt mit der falschen Einschätzung auf, dass KI und Robotik neutrale
und objektive Technologien seien, indem sie systematisch darstellt,
wie eng ihre Entwicklung, ihr Design, ihre technischen Grundlagen und
ihre Funktionsweise mit Gender verwoben sind.
Der zweite Förderungspreis wurde Doktorin Tanja Vogler von der
Universität Innsbruck für ihre eingereichte Dissertation „Das
politische Subjekt des queeren Aktivismus – Diskurs-und
Akteurskonstellationen queerer Politiken im deutschsprachigen Raum:
Eine empirische Untersuchung“ zuerkannt. Tanja Vogler beleuchtet
darin was Identitätspolitiken kennzeichnet – historisch, gegenwärtig,
auf spezifische Kontexte und Konstellationen bezogen. Sie zeigt am
Beispiel des politischen Subjekts des queeren Aktivismus auf, was an
Identitätspolitiken problematisch aber ebenso ohne Alternative ist.
Mit ihrer Dissertation liefert Tanja Vogler einen äußerst wichtigen
und anschlussfähigen Beitrag zur interdisziplinär ausgerichteten
queer-feministischen Geschlechterforschung – mit Bezug auf Österreich
und in vergleichender Perspektive auch darüber hinaus.
possanner@school-Hauptpreis an Jasmin Simon
Der erstmals unter der bereits etablierten Dachmarke „Possanner“
verliehene possanner@school-Hauptpreis (1.500.- Euro) ging an Jasmin
Simon vom Gymnasium Draschestraße, Wien für ihre vorwissenschaftliche
Arbeit „The Gulabi Gang’s Feminist Criticism – Feministische Kritik
der Gulabi Gang“. Darin analysiert sie anhand des Beispiels der
indischen Gulabi Gang das Konzept der Selbstjustiz als Antwort auf
ein korruptes oder diskriminierendes Strafjustizsystem mit besonderem
Fokus auf Indien.
Die weiteren sieben mit je 500.- Euro dotierten Anerkennungspreise
gingen an
• Emma Breuß: Wandel? Stillstand? Rückschritt? Wie sind Frauen – 100
Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts 1918 – in der
politischen Landschaft Vorarlbergs vertreten? – Gymnasium
Schillerstraße Feldkirch, Vorarlberg
• Weronika Klecha: Society’s effects on the lives and artwork of
female impressionists – Wienerwaldgymnasium, Expositur BG/BRG
Purkersdorf, NÖ
• Victoria Kai-Marie Lafer: Frauen in Führungspositionen – BG/BRG
Gleisdorf, Stmk
• Marlene Malli-Harrer: Ladies first? – Mögliche Ursachen des
Frauenmangels in der Führung österreichischer Unternehmen – BRG
Wallererstraße Wels, OÖ
• Franziska Vogt: „Ich bin keine Feministin, weil...“? Hintergründe,
Motive und Erscheinungsformen aktueller antifeministischer Denkweisen
von Frauen im deutschsprachigen Raum – AHS Rahlgasse, Wien
• Maria Wallner: Virginia Woolf – eine Wegbereiterin des modernen
Feminismus – Bischöfl. Gymnasium Paulinum, Schwarz, Tirol
• Miriam Schmutzer: Gendergerechte Erziehung – Anspruch und Realität
– GRG 13, Wenzgasse, Wien
Weitere umfassende Informationen finden Sie unter:
https://www.bmbwf.gv.at/Themen/HS-Uni/Gleichstellung-und-Diversit%C3%
A4t/PrAZ.html
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