• 14.02.2022, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 15. Februar 2022. Von VERENA LANGEGGER. "Transparenz für die Gerechtigkeit".

Innsbruck (OTS) - Der heutige Equal Pay Day zeigt es wieder auf: Auch
im 21. Jahrhundert gibt es keinerlei Gleichstellung von Frauen und
Männern in der Arbeitswelt. Eine schlüssige Begründung für diese
Ungerechtigkeit gibt es nicht.

In einer perfekten Welt würde sich die Frage nicht mehr stellen. Denn
es gibt keine schlüssige Antwort darauf, warum Frauen im gleichen Job
weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. Aber die Welt ist
nicht perfekt.
Laut Lohnsteuerdaten verdienen Arbeiterinnen um rund 27 Prozent,
weibliche Angestellte um fast 30 Prozent und weibliche
Vertragsbedienstete um fast fünf Prozent weniger als ihre männlichen
Kollegen.
Und alle Jahre wieder zeigt der Equal Pay Day – der heute ist –, wie
viele Tage Frauen im Vergleich zu Männern im Jahr gratis arbeiten.
Heuer sind es 46 Tage. Belastbare Argumente für die niedrigere
Entlohnung von Frauen gibt es nicht. Und auch biologische überzeugen
nicht. Ja, Frauen bekommen Kinder. Aber ist es ein ehernes Gesetz,
dass ihnen deshalb der Wiedereinstieg ins Berufsleben erschwert und
ihre Arbeit schlechter bezahlt werden muss? Es braucht einen
rechtlichen Anspruch auf Kinderbetreuung, um ein Weiterarbeiten nach
einer Geburt für Frauen planbar zu machen. Auch Männer können kleine
Kinder zuhause in der Karenz betreuen. Und wenn der
Gehaltsunterschied nicht wäre, würden das viele vielleicht sogar
gerne tun. Auch hier wäre gleiches Gehalt ein zusätzlicher Anreiz.
Und wenn Männer sich diese Familienarbeit mehr mit Frauen teilen,
dann steigt auch ihre gesellschaftliche Wertschätzung. Nur so lassen
sich althergebrachte Rollenbilder tatsächlich überwinden. Mit einem
zügigen Wiedereinstieg sinkt zudem die Gefahr von langen Lücken im
beruflichen Lebenslauf, fehlenden Versicherungszeiten und damit der
Altersarmut von Frauen.
Bis sich Männer und Frauen auf Augenhöhe begegnen und offen und
transparent über Gehälter sprechen können, braucht es zudem ein
Lohntransparenzgesetz. Denn werden Löhne transparent aufgezeigt, dann
werden Frauen auch selbstbewusster ihre Gehaltsforderungen stellen.
Was es am Weg zur echten Gleichberechtigung von Frauen und Männern
noch braucht, ist eine verpflichtende Quote. Nicht nur in
Aufsichtsräten, sondern auch in Vorständen und anderen
Leitungspositionen. Wenn die Stellung von Frauen am Arbeitsmarkt
verbessert wird, steigt auch die Wertschätzung. Noch sind Frauen und
Männer in keinster Weise gleichgestellt. Der Equal Pay Day ist heuer
übrigens eine Woche früher als 2021. Nicht etwa, weil Frauen im
vergangenen Jahr mehr verdient hätten, sondern weil Männer wegen
Pandemie-bedingter Kurzarbeit weniger Gehalt bekamen.
Das ist wenig erfreulich, auch wenn es positiv klingt. Es muss
ehrliche Strukturreformen geben.

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