- 08.02.2022, 13:33:50
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Benedikt XVI. bittet um Entschuldigung und dementiert Vertuschung
Emeritierter Papst äußert in Brief "tiefe Scham" gegenüber Opfern sexuellen Missbrauchs, verwehrt sich aber des Vorwurfs, in früherer Stellungnahme getäuscht oder gelogen zu haben
Utl.: Emeritierter Papst äußert in Brief "tiefe Scham" gegenüber
Opfern sexuellen Missbrauchs, verwehrt sich aber des Vorwurfs,
in früherer Stellungnahme getäuscht oder gelogen zu haben =
Vatikanstadt (KAP) - Benedikt XVI. hat wie angekündigt ausführlich
zum Münchner Missbrauchsgutachten Stellung genommen. In einem
zweieinhalbseitigen Brief, den der Vatikan am Dienstag
veröffentlichte, äußert er "tiefe Scham", "großen Schmerz" und eine
"aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen
Missbrauchs". Gleichzeitig wehrt der frühere Papst sich gegen den
Vorwurf, als Erzbischof von München (1977-1982) Missbrauchsfälle
vertuscht zu haben. Auch habe er in seiner Einlassung zu dem Ende
Jänner veröffentlichten Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl
(WSW) weder getäuscht noch gelogen.
"Ich habe in der katholischen Kirche große Verantwortung getragen",
schreibt der emeritierte Papst. "Umso größer ist mein Schmerz über
die Vergehen und Fehler, die in meinen Amtszeiten und an den
betreffenden Orten geschehen sind." Jeder einzelne sexuelle Übergriff
sei "furchtbar und nicht wieder gut zu machen". Daher hätten die
Opfer sein "tiefes Mitgefühl"; er "bedauere jeden einzelnen Fall". In
Begegnungen mit vielen Missbrauchsopfern habe er "verstehen gelernt,
dass wir selbst in diese übergroße Schuld hineingezogen werden, wenn
wir sie übersehen wollen oder sie nicht mit der nötigen
Entschiedenheit und Verantwortung angehen, wie dies zu oft geschehen
ist und geschieht."
Er habe die Zeit seit der Veröffentlichung des Münchner Gutachtens
zur "Gewissenserforschung und Reflexion" genutzt, heißt es in dem
persönlich und theologisch gehaltenen Brief. Eine "kleine Gruppe von
Freunden", habe ihm geholfen, das 1.900 Seite starke Gutachten zu
studieren und zu analysieren. Leider sei bei der 82-seitigen
Einlassung für das Gutachten "ein Versehen erfolgt", was seine
Teilnahme an der Ordinariatssitzung vom 15. Jänner 1980 betreffe.
Anders als in der Einlassung behauptet, war Joseph Ratzinger bei der
Sitzung anwesend.
"Dieser Fehler, der bedauerlicherweise geschehen ist, war nicht
beabsichtigt und ist, so hoffe ich, auch entschuldbar", schreibt
Benedikt XVI. weiter. Es habe ihn daher "sehr getroffen", so
Benedikt, dass der Fehler "ausgenutzt wurde, um an meiner
Wahrhaftigkeit zu zweifeln, ja, mich als Lügner darzustellen".
Umso dankbarer sei er für die "vielfältigen Stimmen des Vertrauens"
und Ermutigung, die ihn erreichten. "Besonders dankbar bin ich für
das Vertrauen, für die Unterstützung und für das Gebet, das mir Papst
Franziskus persönlich ausgedrückt hat", so der emeritierte Papst.
Ausgehend vom Schuldbekenntnis am Beginn jeder katholischen Messe
äußert Benedikt die Hoffnung, "wie groß auch immer meine Schuld heute
ist, der Herr vergibt mir, wenn ich mich ehrlich von ihm durchschauen
lasse und so wirklich zur Änderung meines Selbst bereit bin". Er
werde nun bald "vor dem endgültigen Richter" seines Lebens stehen,
schreibt der 94-Jährige. "Auch wenn ich beim Rückblick auf mein
langes Leben viel Grund zum Erschrecken und zur Angst habe, so bin
ich doch frohen Mutes, weil ich fest darauf vertraue, dass der Herr
nicht nur der gerechte Richter ist, sondern zugleich der Freund und
Bruder".
Zusammen mit dem Brief des emeritierten Papstes veröffentlichte der
Vatikan eine Stellungnahme des Juristen-Teams, das Benedikt im
Zusammenhang mit dem Münchner Missbrauchsgutachten beriet. Darin
äußern sie sich zum Zustandekommen ihres Redaktionsfehlers beim
Münchner Missbrauchsgutachten sowie zu vier umstrittenen Punkten des
Gutachtens. Die darin enthaltenen Anschuldigungen der Kanzlei WSW
gegen den früheren Münchner Erzbischof weisen sie zurück.
Link zum "Faktencheck" des Benedikt beratenden Juristenteams:
https://www.kathpress.at/goto/meldung/2110551/Rechtsberater_von_Bened
ikt_XVI__liefern__Faktencheck__zu_Vorw__rfen
Link zum Wortlaut des Briefes von Benedikt XVI.:
https://www.kathpress.at/goto/meldung/2110574/_Werde_bald_vor_dem_end
g__ltigen_Richter_meines_Lebens_stehen_
Link zum Kathpress-Dossier "Münchner Missbrauchsgutachten":
https://www.kathpress.at/goto/dossier/2109688/M__nchner_Missbrauchsgu
tachten
((forts. mgl.)) PER/HKL
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