• 04.02.2022, 11:48:27
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„Der Geschichteneinsammler“: Ö1 zum 90. Geburtstag von Alexander Kluge

Wien (OTS) - Anlässlich seines 90. Geburtstages am 14. Februar widmet
Ö1 dem Autor und Filmemacher Alexander Kluge mehrere Sendungen: den
„Ö1 Essay“ (11.2.), das „Ö1 Hörspiel“ (12.2.) und am 13. Februar „Du
holde Kunst“ und „Ex libris“.

Alexander Kluge zählt zu den führenden deutschen Intellektuellen.
Er selbst sieht sich mehr als Autor, denn als Filmemacher, von seinen
Kritikern wird er als Chronist des Jahrhunderts gefeiert. Am Freitag,
den 11. Februar liest Burgtheaterschauspieler Dietmar König im „Ö1
Essay“ (11.05 Uhr) Auszüge aus Alexander Kluges Rede mit dem Titel
„Augenblick tragisch-glücklicher Wiederkennung“, gehalten anlässlich
der Verleihung des Lessing-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg
1989. „Die einzige Garantie für die ‚Richtigkeit‘ unseres Denkens
liegt darin, dass wir gleichsam in Gemeinschaft mit anderen, denen
wir unsere und die uns ihre Gedanken mitteilen, denken.“ So beginnt
Kluge diese Rede mit dem programmatischen Untertitel: „Warum die
Öffentlichkeit ein um keinen Preis der Welt verkäufliches Gemeingut
ist (Gemeingut = persönliches Eigentum eines jeden von uns)“. Kluges
handlungsleitende Grundidee: „Es gibt kein Denken, das sich darauf
beschränkt, die Stärke seiner Gedanken monologartig vorzutragen; die
Rückantworten, die Anerkennung meiner Gedanken aus der Rückantwort
der anderen, das ist überhaupt denken. Da ich auf das Denken (und
nach Kleist heißt das auch: ‚auf das Unterscheidungsvermögen der
Gefühle‘) nicht verzichten kann, ist die elementare Fähigkeit, sich
mit anderen auszutauschen, Öffentlichkeit zu bilden, lebensnotwendig.
Es ist kein Pathos, sondern Lebenspraxis, dass substanzreiche
Öffentlichkeit die Voraussetzung dafür ist, dass ich mir traue, dass
ich Selbstvertrauen habe und anderen trauen kann. Dass dies
herstellbar ist, ist die Funktion, aber auch das Leben der
Öffentlichkeit.“

Das „Ö1 Hörspiel“ bringt am Samstag, den 12. Februar ab 14.00 Uhr
eine Alexander-Kluge-Montage. In der diesjährigen ORF-Produktion
„Kommt gestern morgen?“ wirken Evamaria Salcher, Sabine Haupt, Anna
Rieser, Regina Fritsch, Nancy Mensah-Offei, Alina Fritsch und Till
Firit mit, Klangkomposition: Stefan Weber, Bearbeitung und Regie:
Christian Lerch. Kluges Werk durchzieht ein tiefes Misstrauen
gegenüber den starren Versprechungen der europäischen Moderne.
Gleichzeitig scheint er von einer geradezu Brecht‘schen
(Sprach-)Freude getrieben, die Institutionen der Aufklärung zu
hinterfragen: Wissenschaft, Recht und Geschichte erzeugen binäre
Wahrheiten, sie trennen „Hirn, Gefühl und Taten des Menschen
voneinander“. Die Folgen sind gesellschaftliche Wirklichkeiten, die
durch Gewalt, Sexismus oder Rassismus geprägt sind. Das Kluge‘sche
Denken antizipiert und reflektiert auf poetische, oftmals
widerspenstige Weise zeitgenössische Konflikte und legt
Emotionszustände, stets rhythmisch präzise, offen. Im Hörspiel „Kommt
gestern morgen?“ werden ausgewählte und neu inszenierte Szenen aus
Filmen, Büchern, Reden und Manuskripten montiert.

Am Sonntag, den 13. Februar liest Brigitta Furgler in „Du holde
Kunst“ (8.15 Uhr) unter dem Titel „Alle Gefühle glauben an einen
glücklichen Ausgang“ Texte von Alexander Kluge über Poesie, Musik und
Gesellschaft. Dazu ist Musik von Robert Schumann, Joseph Strauß,
Franz Schubert, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Johann
Sebastian Bach zu hören. Um „Alexander Kluge - Der
Geschichteneinsammler“ geht es dann ab 16.00 Uhr.in „Ex libris“.

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