• 28.01.2022, 11:32:26
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  • OTS0063

„Orientierung“: Nach Münchner Missbrauchsgutachten – viel Sünde und wenig Sühne?

Am 30. Jänner um 12.30 Uhr in ORF 2

Utl.: Am 30. Jänner um 12.30 Uhr in ORF 2 =

Wien (OTS) - Sandra Szabo präsentiert im ORF-Religionsmagazin
„Orientierung“ am Sonntag, dem 30. Jänner 2022, um 12.30 Uhr in ORF 2
folgende Beiträge:

Nach Münchner Missbrauchsgutachten: Viel Sünde und wenig Sühne?

„Eisernes Mauern wie damals“, konstatiert der Journalist und
Kirchenkenner Josef Votzi im Interview mit der „Orientierung“: „Mehr
als ein Vierteljahrhundert nach dem Dammbruch im Missbrauchsfall des
Wiener Erzbischofs Hans Hermann Groër scheint sich wenig im Vatikan
verändert zu haben.“ Der Anlass der Wortmeldung: Ein Gutachten zu
sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Erzbistum München
und Freising – vom Erzbistum selbst in Auftrag gegeben – hat dem
emeritierten Papst Benedikt XVI. in insgesamt vier Fällen in seiner
damaligen Funktion als Erzbischof Fehlverhalten vorgeworfen. Um das
Wissen um pädophile Priester ging es dabei u. a. – und darum, dass
sich Joseph Ratzinger um das Schicksal von Missbrauchsbetroffenen
damals kaum bis gar nicht gekümmert haben soll. Wie reagiert man nun
in Österreich auf den aktuellen Befund? Was sagt Kardinal Christoph
Schönborn? Was meint Waltraud Klasnic, die als Vorsitzende der
Unabhängigen Opferschutzkommission über Jahre hinweg mit zahlreichen
Missbrauchsfällen zu tun hatte? Wolfgang Treitler, Theologe und
Vizedekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien,
als Kind selbst Opfer von sexualisierter Gewalt in der katholischen
Kirche, will jedenfalls von „Beileidsbekundungen“ der Kirche nichts
mehr hören: „Ich ertrage es mittlerweile nicht mehr, denn es folgt
keinerlei Konsequenz.“ „Tief betroffen“ über die Inhalte des Münchner
Gutachtens zeigt sich der Feldkircher Bischof Benno Elbs. Die
Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sei in Österreich anders gelaufen
als in anderen Ländern und offenbar auch im Erzbistum München und
Freising, so Elbs: „Das Geschehene kann nicht wieder gutgemacht
werden, aber wir können den Opfern helfen, über unabhängige
Instanzen.“ Bericht: Marcus Marschalek, Alexandra Mantler.

Queer und katholisch: Mitarbeitende der katholischen Kirche outen
sich

In einer beispiellosen Aktion mit dem Hashtag #OutInChurch haben sich
in Deutschland vergangene Woche 125 Personen als queer geoutet. Es
sind hauptamtliche, ehrenamtliche und ehemalige Mitarbeitende in
römisch-katholischen Einrichtungen, unter ihnen auch zahlreiche
Priester und Ordensleute. Sie fordern unter anderem, „ohne Angst
offen leben und arbeiten“ zu können und dass Menschen mit nicht
heterosexueller Orientierung einen „diskriminierungsfreien Zugang zu
allen Handlungs- und Berufsfeldern der Kirche erhalten“. Denn viele
von ihnen riskieren mit diesem Outing ihre Jobs: Im kirchlichen
Arbeitsrecht – nicht nur in Deutschland – ist die sexuelle
Orientierung queerer Mitarbeitender oftmals nach wie vor ein
Kündigungsgrund. Das müsse sich ändern, fordern die teilnehmenden
Personen. Ein „Orientierung“-Team hat einige von ihnen in Berlin
getroffen und auch Reaktionen aus Österreich eingeholt. Bericht:
Verena Gleitsmann, Mitarbeit: Marcus Marschalek.

Hildegard Burjan: Selige im Spannungsfeld

Sie war Politikerin und Gründerin einer Schwesterngemeinschaft:
Hildegard Burjan. 1883 kam sie in Görlitz zur Welt, als Tochter einer
jüdischen Familie. Nach einer schweren Krankheit konvertierte sie,
wurde Katholikin. Damals war sie 26 Jahre alt. Gemeinsam mit ihrem
Mann übersiedelte sie nach Wien. 1919 – nach der ersten Wahl, bei der
Frauen uneingeschränkt wählen und gewählt werden konnten – war sie,
als einzige Frau für die Christlichsoziale Partei, Abgeordnete in der
Konstituierenden Nationalversammlung. Im selben Jahr gründete sie die
Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, um soziale Nöte
aufzugreifen. Vor zehn Jahren – am 29. Jänner 2012 – wurde sie im
Wiener Stephansdom seliggesprochen. 45 Schwestern zählt die
Gemeinschaft derzeit, wobei Hildegard Burjan selbst verheiratet war
und eine Tochter hatte. Die Caritas Socialis ist bis heute vor allem
für ihre Angebote in den Bereichen Pflege und Hospiz bekannt. 500
Männer und Frauen engagieren sich ehrenamtlich, im Caritas Socialis
Hospiz Rennweg sind es rund 70. Eine von ihnen ist die Schauspielerin
Tanja Raunig. Außerdem im Interview mit der „Orientierung“:
Publizistin Ingeborg Schödl und Caritas-Socialis-Schwester Karin
Weiler. Bericht: Sandra Szabo.

„Leben ohne Grenzen“: Zen-Meister Thich Nhat Hanh

Er galt als „Meister der Achtsamkeit“ und Begründer des „Engagierten
Buddhismus“: Der buddhistische Lehrer Thich Nhat Hanh ist im Alter
von 95 Jahren gestorben bzw. „in die große Verwandlung eingegangen“,
wie die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft
mitteilte. Hanh wurde 1926 in Vietnam geboren, mit 16 wurde er Mönch.
In den 1960er Jahren setzte er sich für ein Ende des Krieges ein –
ein Engagement, für das er jahrelange Verbannung in Kauf nehmen
musste. In seiner Heimat wurden seine Bücher verboten, er musste im
Exil leben. Erst 2005 konnte er zurückkehren. Am 22. Jänner starb er
nun in jenem Tempel, in dem er 1942 zum Mönch ordiniert worden war.
In einem Gedicht schrieb er einst: „Dieser Körper bin nicht ich, ich
bin nicht an diesen Körper gebunden, ich bin Leben ohne Grenzen.“
Bericht: Sandra Szabo.

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