Europäische Fluggesellschaften auf einer Skala von 'Social Excellence' bis 'Social Junk' – auch in Österreich große Unterschiede

Kundinnen und Kunden sollten auch im Blick haben, wie die Arbeitsbedingungen bei jener Fluglinie aussehen, die sie für ihre Reise wählen, ehe sie das - billige - Ticket kaufen.

Flughafen Wien (OTS) - Ticketkosten sollten nicht die alleinige Entscheidungsgrundlage für die Wahl einer Airline sein, denn zwischen guten Arbeitsbedingungen und Flugsicherheit besteht ein Zusammenhang.

Mehr als 120 Fluggesellschaften wurden von europäischen Piloten in der bisher umfassendsten Studie zur Ermittlung der besten und schlechtesten europäischen Fluggesellschaften bewertet und eingestuft. Ein Drittel der europäischen Fluggesellschaften ist demnach ein hervorragender Arbeitsplatz für Piloten und Pilotinnen, so das Ergebnis einer Anfang Dezember 2021 von der European Cockpit Association veröffentlichten Umfrage, an der 5751 Crewmitglieder teilnahmen. Im Rahmen der Umfrage wurden Crews gebeten, Kriterien wie die Verwendung prekärer atypischer Beschäftigungsformen in ihren Fluggesellschaften, vertragliche Vereinbarungen, Beziehungen zu den Gewerkschaften, Tarifverhandlungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu prüfen. Ziel war es, eine Bestandsaufnahme der Zufriedenheit der Besatzungsmitglieder in Europas Cockpits vorzunehmen und einen Eindruck davon zu gewinnen, inwieweit die Fluggesellschaften ein attraktiver und sozialer Arbeitgeber sind.

Pilotinnen und Piloten hatten die Möglichkeit, ihren Arbeitgeber einzuschätzen und zu bewerten. Diese Bewertung soll jenen helfen, die nach der Covid-Krise, wenn der Arbeitsmarkt wieder Fahrt aufnimmt, nach Orientierungshilfen suchen. Wo sind die besten Jobs in der Branche und welche Fluggesellschaften sollte man besser meiden? Für eine große Zahl von Beschäftigten, die Kündigungen oder drastische Gehaltskürzungen unter dem Deckmantel der Krise erlebt haben, wird es wichtig sein, einen guten, stabilen und sozial verantwortlichen Arbeitgeber wählen zu können. Die Umfrage zeigt, dass es solche Fluggesellschaften gibt, aber nicht nur.

Pilotinnen und Piloten, die angaben, dass sie stolz sind, für ihre Airline zu arbeiten und am Erfolg beteiligt sind, findet man bei Gesellschaften mit dem Prädikat "Social Excellence". Air France führt die Liste der 'Social Excellence' an, mit Condor, Wideroe, KLM, Lufthansa, Austrian Airlines und fast 40 anderen in dieser Spitzenkategorie. Eine Stufe hinter der "Social Excellence" liegen die "Social Partner"-Fluggesellschaften, die zwar in fast allen Aspekten gut abschneiden, bei denen Pilotinnen und Piloten aber noch Raum für Verbesserungen sehen. Zu diesem Segment gehören Fluggesellschaften wie ASL Airlines, Brussels Airlines, Air Europa, Jet2, SAS, TAP und andere.

Die dritte Kategorie, "Social Snail", umfasst Fluggesellschaften, die sich zwischen "Social Partner" und "Social Junk" bewegen. Sie schneiden in einigen Bereichen gut ab, in anderen jedoch (manchmal stark) unterdurchschnittlich. Zu den Hauptakteuren in dieser Kategorie gehören z. B. Turkish Airlines, Malta Air, Volotea und Aegean Airlines. In der vierten Kategorie, den "sozialen Außenseitern", finden wir prominente europäische Billigfluganbieter wie Ryanair, Buzz, Lauda und Wizz. Diese Fluggesellschaften schneiden bei fast allen Aspekten schlecht ab, und die Crews zeigen wenig Wertschätzung oder Zufriedenheit mit diesen Arbeitgebern. Die am schlechtesten bewerteten Fluglinien schließlich, der "Social Junk", sind - wenig überraschend - kleinere Unternehmen, die oft unter dem Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit und Prüfung fliegen, wie SmartLynx und Avion Express.

Die Befragten hatten die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit der Airline, für die sie tätig sind, zu kommentieren. Laut ECA beklagten viele PilotInnen bei bestimmten Fluglinien Ausbeutung, Missbrauch, Umgehung europäischer Gesetze, Missachtung der Sicherheit und andere Missstände. Daher ist es wichtig, dieses Social Rating of European Airlines auch den Behörden, politischen Entscheidungsträgern und der reisenden Öffentlichkeit bekanntzumachen. ACA Präsident Andreas Strobl: „Es gibt aber auch die Chance, dass unsere Umfrage eine positive Spirale und einen gesunden Wettbewerb zwischen den Fluggesellschaften in Gang setzt. Einen Wettbewerb um die Sicherheitsexperten in ihren Cockpits, Pilotinnen und Piloten, denen man gute Arbeitsbedingungen bieten will.“

Zum European Airlines' Social Rating

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